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Dies soll vorwiegend ein Reisetagebuch werden, mit den ErFAHRungen in aller Welt mit meinem W123!

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Tag 10, 08.12.08

Heute war der große Tag gekommen... zum einen unser aller Aufbruch, zum anderen auch im Islam. Das Opferfest, zu türkisch: Kurban-Bayrami.

Ich war auch genau pünktlich oben beim Frühstück, um 9 Uhr, obwohl ich ziemlich schlecht geschlafen hatte. Mir gingen mehrere Dinge durch den Kopf... Wird das mit Syrien klappen? Werd ich mein eigentliches Reiseziel Dubai auch so erreichen? Haut das alles auch zeitlichh hin, ohne hektisch zu werden? Solche Sachen eben...

Beim Frühstück kam dann Kadri mit umgehängtem Fotoapparat grade vom Geldautomaten zurück. Komisches Gesicht hat sie gemacht... da hat sie es erzählt. Überall Blut auf der Straße, und sie hat eine frisch geschlachtete Kuh gesehen, die grade zerlegt wurde. Als Mitbringsel hat sie noch das frischeste Beefsteak dabei gehabt, das ich persönlich je gesehen habe. Das mussten wir Jungs uns aber auch ansehen... und so sind wir nach dem Frühstück losgezogen.

ACHTUNG TIERSCHÜTZER, BITTE JETZT ZUM NÄCHSTEN ABSATZ WEITERSCROLLEN!!!

Und tatsächlich.... in jeder Ecke, ja jedem Hinterhof, sogar in einer Autowerkstatt hab ich es gesehen, wurden Tiere geschlachtet. Ein Grauen für den deutschen WKD, ehrlich. Und die Tiere werden ja nach islamischem Brauch geschlachtet. Das bedeutet eben, Kehle durch und ausbluten lassen, das Tier verblutet. An einer Ecke hat grade eine Kuh ihre letzen Atemzüge getan. Das mussten wir uns anschauen...war hochinteressant. Die Kuh wurde erst auf den Boden gezwungen, dann wurde gebetet und dann das Messer angesetzt. Zack, Kehle durch und ein Bach aus Blut floß die Straße runter. Die Kuh begann zu zittern und aus der offenen Luftröhre vernahm man noch die letzten Atemzüge in der kalten Luft Erzurums. Dann hatte die Kuh ihren Kampf beendet und sie wurde zerlegt. Aufgeschnitten, der Länge nach. Es knackten die Knochen der Beine usw... Genug gesehen!!

Es sei noch erwähnt, dass wir nachfragten, ob es in Ordnung wäre, zuzuschauen. Schließlich ist das ein heiliger Brauch, das Tier wird ja Allah geopftert. Das war es. Aus Anstandsgründen verzichteten wir aber auf Fotos. Nebenbei hab ich bei dem Schauspiel noch einen Türken aus Villingen-Schwenningen kennengelernt, der gerade zum Militärdienst in der Türkei verdammt wurde...jaja, klein ist die Welt!!

Dann gings langsam los...ich packte meinen Dachträger, das Gepäck ins Auto, Hotel bezahlen und los. Wir verabschiedeten uns gegenseitig und tauschten Emails aus. Schließlich will ich wissen, wie es den andern im Iran ergeht und die möchten wissen, ob ichs bis Dubai schaffe; auf dem andern Weg. Wenns passt, werd ich micht mit Patrick und Helen dort wiedertreffen, wäre schön!!

Eben die beiden fuhren schon mal vor, mit Kadri noch an Bord, ich nach dem Tanken dann auch. Dachte eigentlich, dass ich sie mal einholen müsste, war aber nicht der Fall. Ein bisschen Wehmut war schon auch dabei, denn wir hatten uns echt gut verstanden....
Bis Agri hatten wir ja denselben Weg. Es ging durch wirklich atemberaubende Landschaft gen Osten. Und dann war es soweit...da tauchte er auf, der ehemalige Rotkreuztransit in beiger Lackierung mit gelbem Nummernschild. Ich überholte hupend und winkend und das wars, dachte ich zumindest.

Dann, auf einer Passhöhe, musste ich einfach anhalten um Fotos zu machen.  Da kamen sie wieder... Patrick fragte, ob ich Hilfe bräuchte, ich verneinte nur und sagte, ich halte nur wegen der tollen Aussicht. Schnell weiter, arschkalt da oben... Später kam eine türkische Flagge in den Berg rein"gebaut". Das musste ich auch wieder im Bild festhalten und wieder zog der beige Bus an mir vorbei. Da nun die Straße eben verlief, auf einer Hochebene, war nix mehr mit überholen und so fuhren wir im deutsch-holländischen Freundschaftskonvoi bis Agri. Dort trennten sich dann unsere Wege... Sie geradeaus, gen Dogubayazit, wo evtl das Fleisch vom Morgen gegrillt wurde. Und ich bog rechts ab richtung Van... Na dann, bis in Dubai!!! Übrigens, den Ararat hab ich natürlich nicht gesehen...muss warten bis zur Thailand-Tour oder einer extra Persienfahrt...

Der Weg zum Vansee war außerordentlich schön und interessant. Hier war ich richtig in Ostanatolien angekommen, wie aus dem Bilderbuch. Dörfer wie bei uns vor 60 Jahren und das schöne war, überall Menschen auf der Straße wegen dem Opferfest. Teilweise traditionell anatolisch oder in bestem Sonntagsanzug gekleidet. Einfach traumhaft... und die Landschaft.... ich geriet ins Schwärmen. Und diese Herzlichkeit, diese Freundlichkeit dieser Menschen....UNGLAUBLICH!!! Überall wurde mir zugewunken, vor allem den Kindern hat das Spaß gemacht. Überall spürte ich die Freude der Menschen, dass sich ein Deutscher mal diesen Teil der Türkei anschaut und nicht nur saufend am Pool eines 4Sterne Hotels in Side hockt. Das traurige ist, wir in Mitteleuropa bezeichnen diese Menschen generell als arm. Ich aber sage, diese Menschen sind reich. Denn wer soviel Lebensfreude trotz dieser materiellen Armut (kaum einer hat ein Auto) versprüht, der kann im inneren nur reich sein. Einfach toll. Und diese Dörfer...keine befestigten Straßen, teilweise nur Steinhütten, aber mit soviel Liebe angelegt, dass es einfach gefallen MUSS!!! Nicht so wie in Bulgarien, wo alles vor die Hunde geht...

Ich fuhr weiter, mitten durch Ostanatolien und mir wurde erst beim ersten Militärcheckpoint bewusst, dass ich ja mittlerweile in Kurdistan bin... Aber keine Probleme, immer freundlich gegrüsst, die Uniformierten, ich natürlich auch und durchgewunken. Einmal wurde ich aber doch gecheckt. Mit einem Lächeln und gutem Deutsch kam der Jandarma-Beamte zu mir und fragte, wo ich hin will. Ich antwortete wahrheitsgemäß. Dann wurden es immer mehr... Ich sollte noch den Kofferraum öffnen, aber so wie ich das sehe... die wollten nur sehen, was denn der Reisende so alles dabei hat, rein interessehalber. Denn die waren sichtlich entzückt über mein Aufkreuzen und meinen Blauen und wo ich damit hinwill.... Wir standen so auf der Straße, hinter mir warteten schon 2 Autos, das interessierte die aber nicht. Plaudern, auch über Bayrami. Einer kam aus Erzurum. Der fragte dann noch, wie ich es dort so fand und so....echt tolles Erlebnis!!!

Dann erreichte ich den Vansee. Da tauchte er auf, im Licht der untergehenden Sonne. Mit dem Schilf am Ufer, der wilden Landschaft drumherum. Traumhaft schön. Schade, dass schon dunkel wird, is doch erst viertel vor 4 mensch!!

Ich begann mit der Nachtplatzsuche, wollte dort noch was zu essen machen und ich bin ja ausgerüstet...die Zeit bis zum Schlafengehen krieg ich rum. Diesel hab ich auch noch im Tank zum Auto heizen, wunderbar. Auf Anhieb fand ich eine Piste, die hinter die Straße führte. Der perfekte Nachtplatz, mit toller Aussicht!!!

Alles in allem ein eindrucksvoller Tag, mit vielen Eindrücken, vor allem aus Ostanatolien. Da sind in mir verdammt viele Vorurteile unter den Tisch gefallen ehrlich. Sehr schön, lohnt sich!!!


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