Wieder habe ich sehr gut geschlafen, aber irgendwie hatte ich das Gefühl, mich irgendwo erkältet zu haben. Vielleicht auf der Silvesterfeier in Istanbul...keine Ahnung. Jedenfalls kam ich dann nach der Dusche und der Packerei so um 13 Uhr (meine ich) los. Es war kalt, ab und an bissel Regen, so fuhr ich meine alte Strecke auf der Kassandra nach Norden. Potidea, Moudania nach Thessaloniki. Unspektakuläre Fahrt... nur fluchte ich einige Male in der Gegend von Thessaloniki laut über die Fahrweise...schon sehr speziell hier.
So gings zur mazedonischen Grenze, was stellenweise nicht so einfach war, weil die Griechen sich mit der Ausschilderung dahin etwas zurückhalten. Die kennen ja den Staat "Mazedonien" nicht an, das ist das Problem. Aber, ich erreichte die Grenze. Korrekte Abfertigung, natürlich wieder auf mazedonischer Seite wieder Ausrüstungskontrolle, aber sehr korrekt und schnell. Schon wahnsinnig, nach den anderen Grenzen im Nahen Osten. Wir leben in Europa wirklich im Paradies. Hier zeigste einfach deinen Pass vor, evtl gibts en Stempel, grüne Karte wird kontrolliert und dann kommt der Zoll, alles nacheinander. Kontrolle Zoll und du bist drin.... Woanders bist froh, und glaubst es kaum, wennn du ne Grenze nach 2 Stunden überquert hast. Normal sind eher so 4-5 Stunden. Aber hier... wow. Schon interessant das Ganze.
Ich fuhr also nach Mazedonien rein und das Wetter wurde richtig beschissen. Saukalt da draussen, Schnee natürlich, auch in Form von Niederschlag, und man erwarte bitte nicht die deutschen Winterdienstverhältnisse. Sowas gibts hier nur sporadisch. Ich war froh, auf Winterreifen unterwegs zu sein. Tolle Landschaft in diesem kleinen Balkanstaat, ich fuhr richtung Skopje, dann weiter richtung Belgrad. Es wurde dunkel.
Dann, plötzlich, so 15km vor dem Grenzort Kumanovo zu Serbien, ging wieder mein Radio aus. Ja klasse. Ich wussts schon. Es war also doch die Lichtmaschine oder so, nicht die Batterie. Dieselben Symptome, nur natürlich jetzt Sonntag abends, bei -6 Grad und Schneetreiben. Das ist ja herrlich, wennn da die Scheinwerfer langsam dunkler werden, die Scheibenwischer kaum mehr funktionieren, weil der Strom fehlt... herrlich. Heftige Fluchtiraden in richtung dem Griechen von Bosch waren die Folge. Das ist doch wirklich unglaublich. Drängt mir da ne sauteure Batterie auf, nur um Profit zu machen. Der Hammer. Aber nun muss ich erstmal die Folgen von dem seiner Geldgier irgendwie meistern. Was tun jetzt? Bei ner Tankstelle fuhr ich dann raus, da stand was von Auto Servis dran. Aber wir haben ja Sonntag. Natürlich arbeitete da keiner. So. Da steh ich nun. Im Schnee. Verärgert. Wie gehts weiter? Was dann folgte, haute mich fast aus den Latschen. Niemals hätte ich das hier (in Mazedonien!!) erwartet.
Es standen gleich einige um mein Auto rum und die Hilfsbereitschaft war enorm. Vergleichbar mit Jordanien...ohne zu übertreiben. Mir wurde sogleich angeboten, den Auto-Servis anzurufen, Verständigung war auch relativ einfach, weil hier irgendwie jeder deutsch spricht... Dann kam der Auto-Servis Heini und fragte nach dem Problem. Ich schilderte und zeigte es. Ok. Wir haben immer noch Sonntag abend, bitte nicht vergessen. Er meinte dann, das sei wirklich sehr schlecht jetzt bei dem Wetter, ich solle mit ihm seinem Kumpel da folgen, wir fahren zur Werkstatt. Langsam, weil fast ohne Licht und so... so fuhren wir los. Wir erreichten in Kumanovo den Werkstatthof, total verschneit, aber kein Problem, er schloss die Tore auf und ich fuhr rein. Dann gings los, Sonntag abend, in Mazedonien, zu einer Uhrzeit, an der selbst an Arbeitstagen nicht mehr gearbeitet werden würde.
Er schaute sich das an, deutete auf die Batterie, worauf ich sagte, ja die ist es nicht, die ist neu in Griechenland erworben. Er sagte auch, ja, die Lichtmaschine ist kaputt. Die sollte gewechselt werden. Dann schauen wir mal. Ich fragte mich, wo zum Teufel jetzt eine Lichtmaschine herkommen soll. Aber auf dem Balkan scheint nix ein Problem zu sein. Mit dem Taxi zu nem Freund, der einen Daimler Schrottplatz hat. Und natürlich fanden wir da in nem alten 123er Motor auch ne LiMa. Die wurde bei klirrender Kälte und eisigem Wind ausgebaut, der Keilriemen dort gleich mit und zurück. Er tauschte die Lichtmaschine und ich war froh, dass ich den ALTEN Daimler hatte, denn da ist das halt kein Problem...du kommst ohne Aufbocken ran. Es dauerte trotzdem seine Zeit....
Wir starteten den Motor, aber die Spannung, ausgehend von der LiMa, lag immer noch bei gut 12V. 14 sollten es sein. Afrim (der Heini) sagte, er würde gern noch en Kumpel herschicken, der kennt sich mit der Elektrik besser aus. Und er möchte, dass ich mit guter Arbeit vom Hof fahre. Sonst hab ich das gleiche Problem 2 Std später wieder. Faire Aussage.... Denn nach seiner Aussage geht die LiMa am Arsch bei der Spannung. Und die Batterie wird natürlich auch nicht geladen. Also warteten wir auf seinen Kumpel und der kam zum Ergebnis, dass der Spannungsregler getauscht werden muss. Den setzten wir von meiner alten LiMa drauf, weil der an der neuen (gebrauchten) fehlte. Also scheint das das Problem zu sein.
Ich weiss nicht wie und woher, aber er schaffte es, ein neues Relais aufzutreiben, um ca 21 Uhr Sonntag abend. Also wirklich, auf dem Balkan ne Panne, was besseres kann nicht passieren. Hier geht alles. Er tauschte dann das Relais und siehe da...Spannung bei gut 14V. So, erledigt. Keilriemen noch erneuert, Frostschutz in den Kühler...fertig. Auto wieder wie neu.
Wir fuhren dann los, zu Afrim nach Hause, wo er sich erstmal wusch. Ich liess den Motor laufen. Ausmachen. Wieder starten. Perfekt. Sieht gut aus... Afrim lud mich dann noch zum Kaffee und zum Essen ein in Kumanovo und wir unterhielten uns. Geld wollte er erst nach dem essen haben. Na von mir aus. Es stellte sich übrigens heraus, dass er Albaner ist. Dieses Verhalten hätte ich von dem Menschenschlag nicht erwartet, ehrlich nicht. Jaja, die Vorurteile...
Dann gingen nach dem Essen die Preisverhandlungen los. Natürlich war es kostspielig. Es war Sonntag, nachts noch dazu, Ersatzteile sind teuer in diesem Land, so dass die LiMa gebraucht so viel kosten sollte, wie bei uns in Deutschland ne Neue. Aber ich war ja froh, dass es überhaupt möglich war, mir zu helfen, nach dem Murks, was der Grieche da anrichtete.
Er gab mir dann noch seine Nummer(n), falls ich nochmal stehenbleiben sollte in Serbien oder so... er kennt überall welche. Sehr fein. Dann brachte er mich noch zur Autobahn und er stieg in ein Taxi nach Hause und ich rollte richtung SRB.
Die Grenze war problemlos, natürlich, die Serbin vom Zoll war sogar zu faul in der Kälte in den Kofferraum zu schauen. Na fein. Weiter richtung Belgrad. Es war nun keine Autobahn mehr, ich schaute noch nach Geldautomaten fand aber nix. Nach einigen Kilometern fuhr ich dann mal in einen Ort rein und holte dort Geld und weiter gings. Zigaretten wollte ich ja noch mitnehmen... Sind so schön billig hier. Es war jetzt fast schon Mitternacht.