Dies soll vorwiegend ein Reisetagebuch werden, mit den ErFAHRungen in aller Welt mit meinem W123!
Heute war der Tag der Stadtrundfahrt. Ich bin ja eigentlich kein Freund von solchen Gschichten, aber vielleicht ist auch nicht verkehrt, wenn ich mal ein bissel Bildung abkrieg. Ich werde jetzt nicht zu jeder Sehenswürdigkeit irgendeine Geschichte erzählen, damit würde ich wahrscheinlich den Server sprengen, bei der Masse an Sichtsehenspunkten.
Für 9 Uhr war Treffpunkt angesagt und zwar an der Straße, oberhalb der Grillplätze, wo ich erst die Einfahrt zum Camping gesucht hatte. Natürlich war um 9 nix von einem Bus zu sehen, die ersten wurden schon unruhig… das verstand ich nun gar nicht. Wir sind hier in Marokko, natürlich kommt da vor halb 10 keiner. Ist doch normal. Auch 10 wär noch akzeptabel. Ich unterhielt mich in der Zwischenzeit mit Ali, unserem Reiseleiter. Natürlich steckte ich ihm auch gleich, dass ich ebenfalls Reiseleiter bin. Das fand er natürlich gleich super und wir hatten Gesprächsstoff für Wochen. Sprachbarrieren waren ebenso gleich null. Ali spricht sehr gutes Deutsch, natürlich Französisch, ein bisschen Spanisch und seine Muttersprache: Arabisch. Die einzige, die ich davon nicht beherrsche.
Der Bus kam für arabische Verhältnisse überpünktlich; um halb 10 stiegen wir ein. Der Holland-Rentner von gestern war auch dabei, jetzt lernte ich auch seine Frau kennen. Es ging los. Ali stimmte die Truppe ein, ich saß irgendwo mittig und das erste was er machte, war, mich als Reiseleiter aus Deutschland zu entlarven. Ich sollte mich zu ihm ganz vor setzen. Von mir aus gern. So hatte ich immer einen Gesprächspartner. Und was drauf hatte er auch… neben diesen Touren begleitet er auch Studiosus-Gruppen. Er meinte auch sofort, dass mit jenen Gästen anders umzuspringen ist, als mit unserer Truppe. Mehr Daten, mehr Geschichte, weniger Späßle.
Erste Station war der mächtige Königspalast, aber nur von außen. Reicht auch. Wir gingen dann in die Wirren der Altstadtgassen hinunter und landeten wieder am Bus, der uns auf eine Anhöhe hochkutschierte, wo eine alte Moschee stand. Die Attraktion war allerdings der Ausblick auf die Herrscherstadt Fes. Es folgten Erklärungen da oben über den Islam und die Entstehung der Stadt Fes. Von da oben eben sehr gut zu sehen, die verschiedenen Bezirke, wie die Medina, die Neustadt, Mellah usw.
Es ging dann weiter, natürlich bei dem Preis von 15€, in eine Kunsthandwerksfabrik. Ich fand da in der Nähe mehr den Taxistand mit ausschließlich 123ern interessant. Aber gut. Es wurde gekauft, gekauft, gekauft, am Bus kamen noch paar Jungs, die irgendwelchen Schrott loswerden wollten… mich störts nicht.
Weiter zur Altstadt, die Medina. Eine der Ältesten von Marokko, die
Handwerksviertel werden immer noch benutzt, wie bereits vor 1000 Jahren. Da war ich gespannt drauf. Und es übertraf meine Erwartungen. Diese Altstadt ist der Hammer. Und ich bereute es nicht, einen Führer zu haben wie Ali, der dich durch das Gewirr von Gassen lenkt. Die älteste Koranschule Marokkos, zahlreiche Moscheen, Souqs, das Färberviertel. Die Stadt bietet unglaublich viel. Einen schönen Blick aufs Färberviertel mit den bereits aus dem Frühmittelalter stammenden Farbtöpfen hatten wir… wie sollte es anders sein, von einem Lederladen aus. Natürlich wollten die auch wieder verkaufen und trotz allem „Charme“ der Marokkaner dort wurde nichts verkauft. Diese Truppe war eben etwas anderes, als die gewöhnlichen Pauschaltouristen. Auch wenn sie Joghurtbecher fahren, sind es dennoch Individualisten und kaufen keine Lederjacke für 350€.
Essen war auch noch inklusive. Es war sehr lecker. Sehr nettes Restaurant und du hattest nicht das Gefühl der Massenabfertigung, obwohl es faktisch eine war. Zum Dessert gab es dann auch noch alles Mögliche, wobei ich ein Erdnusstörtchen erwischte. Ich bin darauf ziemlich allergisch, eigentlich das einzige, was ich nicht vertrag und ein Bissen reichte, um mich aufs Klo zu treiben. Das war nicht weiter tragisch, weil ich nur eine weitere Verkaufsshow verpasste. Mir war so verdammt kotzübel… Einzelheiten erspare ich den Lesern hier besser.
Ich schleppte mich dann zum Bus zurück mit der Gruppe, die Rückfahrt überstand ich auch einigermaßen (wenn auch mehr schlecht als recht) und wir kamen wieder am Camping an. Ali war die ganze Zeit sehr besorgt, hat sich sehr gekümmert, wollte auch einen Arzt rufen, den ich aber ablehnte. So weit kommts noch… Durch halb Afrika getourt und hier noch en Arzt brauchen. Nö, ohne mich. Das vergeht schon wieder.
Ali verabschiedete sich, wünschte mir gute Besserung und ich ging sehr früh schlafen. Ich musste einfach wieder fit werden. Meine Versicherung für Marokko läuft ab. Ich MUSS morgen Spanien erreichen. Wenigstens hatte ich in meinem Zustand keine Gelegenheit in Melancholie zu verfallen, weil es ab jetzt definitiv heimwärts gehen wird.
Keine Kilometer