Dies soll vorwiegend ein Reisetagebuch werden, mit den ErFAHRungen in aller Welt mit meinem W123!
An diesem Morgen ging es mir wieder bedeutend besser. Noch geschlaucht von dem scheiß Allergieschock, aber es ging. Bei den Duschen begegnete ich Leuten von gestern, die besorgt fragten, wie es mir denn ginge. Alle waren beruhigt, als sie hörten, dass ich wieder auf der Höhe bin. Auch Ali schaute außerplanmäßig vorbei und war froh, mich wieder wohlauf zu wissen. Ich nutzte die Gelegenheit, und fragte ihn noch zu den Routen über das Rif-Gebirge aus. Da soll’s ja ziemlich heftig zugehen mit den Cannabis Bauern. Es gibt 3 Routen über das Rif. Von Fes über Ketama nach Chefchaouen, über Fes-el-Bali und Ouazzane nach Chefchaouen, über die N13 direkt nach Ouazzane. Letzteres hatte ich vor. Schien mir vertretbar. Von den anderen Routen hat auch Ali mir abgeraten. Ich befragte auch noch den Rezeptionsmann, mit dem selben Ergebnis. Dann war das ja klar.
Ich hatte allerdings, bevor ich Fes verlassen konnte, noch einige Besorgungen vor mir. Erstens wollte ich mir Werkzeug besorgen, falls mir mal wieder mitten in der Nacht in der Pampa die Antriebswelle aus dem Differential hüpft (das vorhandene Werkzeug ist ja vorgestern unbrauchbar geworden), dazu noch Getriebeöl für das Differential, sollte ich im Notfall die ganze Scheiße auseinanderschrauben müssen. Dazu noch zum Marjane, Vorräte für den Weg bis Donaueschingen fassen. Das sollte kein Problem werden, der hat auf, auch sonntags. Aber die andere Geschichte… das könnte schon schwieriger werden.
Ich checkte nach dem Frühstück aus und machte mich auf die Socken. So, wie ich nach Fes reinkam, war gleich ein Gewerbegebiet mit eben dem Marjane und auch verschiedene Werkstätten. Vielleicht find ich da ja was. Fehlanzeige. Totentanz. Alles zu. Aber dann fand ich doch recht schnell nen Laden, wo geschraubt wurde. Also mal rein da. Mit Händ und Füß hab ich denen gezeigt, was ich will. Hatten sie nicht. Zumindest nicht zum Verkauf. Aber er schickte mich zum Marjane. Die hätten sowas auch. Gut, vielleicht nicht in derselben Meisterqualität, aber für den Notfall würds reichen. Ob die auch das Getriebeöl hätten? Ja, hätten sie auch.
Ja perfekt… da wollt ich ja eh noch hin. So geschah es… Ich fand alles im Marjane plus noch zwei zusätzliche Schmankerl. Eine Kopflampe für 50 Dirham und 2 Mercedes Nackenkissen für die Kopfstützen mit dem Stern drauf. Herrlich. Ich bin gerüstet.
Nun war es amtlich, der Rückweg begann. Ab auf die N13 richtung Sidi-Kacem dann weiter nach Ouazzane. Die Fahrt verlief ereignislos, bis ich in Ouazzane ankam. Da war irgend so ein kack Fest und deswegen war der ganze Ortskern gesperrt. Ich konnte anstellen, was ich wollte, ich landete immer auf der Straße nach Rabat, also praktisch wieder südwärts. Ich musste (von wollen kann keine Rede sein), nach Chefchaouen. Ich irrte umher, schmiss das GPS an, landete trotzdem auf irgendwelchen unbefestigten Straßen in komischen Wohngebieten… bis ich auf einmal wieder da raus kam, wo ich in den Ort reingefahren bin. Also nochmal von vorn. Die Fluchausdrücke waren mir schon ausgegangen, was mich aber nicht daran hinderte, alle zu wiederholen. Dank des GPS fand ich dann, auch mit bissel Glück, die Kreuzung und es ging ins Rif-Gebirge hoch.
Ich war gespannt. Rennen da wirklich die Leut rum und wollen dir das Zeug da verkaufen? Von Verfolgungsjagden soll hier ja nix sein. Nur um Ketama rum. Die Gegend jedenfalls ist, wie das ganze Land, wunderschön. Hier erinnert es jetzt schon sehr ans Mittelmeer mit den ganzen Zypressen und Pinien; dazu die Berge. Von Hasch hab ich nix bemerkt… nur ein Fußgänger, der trabte talwärts, ich kämpfte mich aufwärts, der zischte mir nur „Haschhhhhhhhhh“ ins offene Autofenster. Sonst keine Vorkommnisse. Um Chefchaouen war dann deutlich zu sehen, dass Sonntag war. Alle Familien waren unterwegs, alle am grillen und picknicken an dem Fluss da.
So glitten die Kilometer dahin, ich hörte meine arabischen CD’s aus Marrakech und dachte voller Graus daran, wieder in diese scheiß Republik zurückzukehren. Es war auf einmal so nah… vor allem, als dann um Tetouan herum auch noch Regen einsetzte.
Ich fuhr dann die Küstenstraße runter, nicht die Autobahn, richtung Ceuta. Da bekam ich dann die ganzen Ferienorte zu Gesicht… furchtbar. Künstlicher geht’s gar nicht. Was die da als Tempel aus 1001 Nacht anpreisen… hab ich in ganz Marokko nicht gesehen. Dann zurückkommen und behaupten „Ich war in Marokkoooo“, klasse. Willkommen im Pauschaltourismus.
Dann kam die Grenze. Von Nervosität bei mir jetzt keine Spur im Gegensatz zur Hinfahrt. Überall lungerten wieder diese Helferlein herum, die ich ja so dringend brauch. Aber wenn ich da an Grenzen in Schwarzafrika denke, kam mir das hier ganz easy und locker vor. Ich fragte sicherheitshalber mal einen Polizisten, ob ich denn hier in der richtigen Schlange wäre. Sie bejahten. Na gut… Dann mal auf. Ich stellte den Blauen in die Reihe und dann kam er an, mein Oberheld. Der laberte mich voll, von wegen ich brauch hier seinen Zettel und er muss mir helfen. Jaja, ich winkte nur ab, schloss den Daimler zu und ging mal zu den Häuschen. Da saßen Beamte drin und dreimal darf geraten werden, was die ausgeben… Die Zettel von dem Helferlein! Ich nahm dankend so ein Ausreisepapier entgegen, ging zum Auto zurück und setzte mich rein. Da hat er mich wohl erspäht…
Ich dachte mir, jetzt machst dir mal en Spaß draus. Ich winkte ihn her und fragte, was ich denn jetzt machen müsste. Er hielt mir seinen Zettel ins Gesicht mit den Worten „den ausfüllen“. Ich schaute erstaunt, holte MEINEN raus und fragte ihn, ob er denn den da meine. Da hat er nur blöd gschaut und ist verschwunden. Da muss er mittlerweile früher aufstehen, bei mir. Dann gings weiter. Weil ewig nix vorwärts ging, blieb ich erstmal im Auto, schaute mir die Route in Spanien schon mal an und rauchte. Es tat sich immer noch nix. Dann sah ich wie eine kleine Parkbucht auf der rechten Seite. Da standen auch schon Autos. Ich fuhr da einfach mal vor. Dann stieg ich aus, schickte die Helferlein mit den Worten „Ach, lass mich in Ruh, ich komm grad aus Sierra Leone… geh woanders spielen“ weg und schaute mir mal die Schalter an. Ahja. EU da, Nicht EU da. Ganz einfach. EU Schalter, Nummer 4 war es glaub ich. Es wurde nicht gedrängelt, also stellte ich mich vernünftig an. Der Zöllner stempelte meinen Pass, behielt den Ausreisezettel als Souvenir und ich ging zum Auto. Ich drückte dann einfach wieder in die Schlange rein und ich war beim Zoll. Der wollte jetzt nur noch den grünen Wisch von der Einreise und das war’s. Ich schaute ihn ungläubig an. „Nix mehr? Fin??“ Ja dann… ab nach Spanien. Der Spanier an sich wollte gar nix. Nur den Pass kurz und ich war drin. Da fiel ich vom Glauben ab… So ne einfach Einreise… bin ich nicht mehr gewohnt.
Jedenfalls kam ich dann im Hafen an und musste noch ein Ticket kaufen. Beim Büro parkte ich und ging rein. „Hola, que tal? Ich will ein Ticket für’s nächste Schiff nach Algeciras. Geht das?“ Der freute sich gleich mal, dass ich auf spanisch ankam und er stellte mir ein Ticket aus. Boarding um 18.00 Uhr. „Priiiisaaaaaaaa!!“ (Beeil dich). Hä?? Ist doch erst halb 4… was macht der denn jetzt für ne Hektik hier? Mann, mann, ich merkte wirklich, dass ich wieder in Europa war. Nix mehr mit „Jaja, irgendwann dann schon…“ Dann bemerkte ich allerdings die Uhr da an der Wand und erschrak. Wieso zur Hölle zeigt die denn statt halb 4 schon halb 6?? „Du, die Uhr geht falsch“, wollte ich den Büromann hinweisen. Der erklärte mir aber, dass die richtig gehe. Wieso? Ganz einfach: Spanien hat Sommerzeit. Die wurde Ende März umgestellt. Marokko tut das nicht und ist sowieso IMMER eine Stunde zurück, wie England. Jetzt noch das Uhrvorstellen… voila 2 Stunden. Scheiße, das war mir irgendwie überhaupt nicht bewusst.
Also gings gleich zum Boarding, der Kahn war sogar schon da und ich fuhr auf Deck. Neben mir stand ein Riesen-Overlandtruck mit Werbung drauf für Kinderhilfsprojekte oder sowas. Besatzung bekam ich nie zu Gesicht. Die Überfahrt war ganz lustig, weil Seegang herrschte und ich fuhr dann in Algeciras von Bord. Stau. Was denn da los? Ne halbe Stunde später wurde dann auch mein Daimler vom Drogenhund beschnuppert… Das also. Klar, irgendwie logisch. Rif-Gebirge ist nicht weit und da ist der Anbau von Cannabis sogar legal…
Dann war ich wieder auf einer europäischen Autobahn. Der Unterschied ist gewaltig. Der Verkehr, so zivilisiert. Und so dicht. Ich musste mich erst wieder dran gewöhnen.
Ich fuhr dann die Küstenstraße A-7, teilweise noch N-340 über Marbella nach Malaga, dort dann auf die Autovia gen Norden. Der Verkehr wurde endlich weniger, ich dafür müde und an der Autovia Nummer 92 bei Loja irgendwo war ein Rastplatz mit dunklen Parkplätzen. Da wurde gepennt. Meine Antriebswelle hielt bis jetzt tapfer.
Rkm 17 495 / 376 357