Overblog Alle Blogs Top-Blogs Reisen & Veranstaltungen
Edit post Folge diesem Blog Administration + Create my blog
MENU

Dies soll vorwiegend ein Reisetagebuch werden, mit den ErFAHRungen in aller Welt mit meinem W123!

Werbung

09.02. Tag 15 aufwendiger Grenzübertritt mit Minenfeld

Es war eine Horrornacht. Ständig Lärm, Licht, Geschrei. Deshalb waren wir auch schon früh wach. Sandra holte noch Kaffee von dem Motel-Berber und wir warteten auf 9 Uhr, bis die verschissene Grenze endlich aufmachte. Und er hatte gestern abend nicht übertrieben… Links von uns war eine neue Schlange aufgetaucht; mit Bussen und Lkws. Hinter uns x Pkws. Gott sei dank stehen wir so weit vorne. Man kam langsam ins Gespräch mit den Schlangestehenden. Da waren vor uns 2 Senegalesen mit französischer Nummer, neben uns ein Bus voll mit Senegalesen, die um 6 Uhr in der Früh schon ihre Buschmusik aus dem Bus zum Besten gaben… kann ich gar nicht vertragen so unausgeschlafen in der Früh. Dann hunderte Mauretanier, die alle mein Auto kaufen wollten, ein Deutsch-Marokkaner, der auch mein Auto kaufen wollte, weil er ständig Autos runter bringt. Die konnten alle nicht verstehen, warum wir wieder zurück fahren und das Auto nicht verkaufen. Ich versuchte es mit Erklärungen, z.B. weil das ein so gutes Auto sei und ich damit nicht nur nach Afrika will, sondern auch noch nach Indien, Russland und sonstwohin. Verstehen die nicht. In Deutschland gibt’s doch so viele davon. Nein, davon gibt’s nicht mehr viele. Dort ist ein Auto schon uralt, wenn es 10 Jahre alt ist. Dann muss ein neues her, sonst verliert man seinen Status im Ort. Aber warum?, fragen dich die Leut hier in Südmarokko. Die fahren doch noch… Ja richtig, versteh ich auch nicht. Und deshalb behalt ich meinen auch.

 

Irgendwie war es ein ganz lustiges Treiben und dann war 9 Uhr. Natürlich wurde erst später geöffnet, klar. Ist ja arabisch hier. Aber dann gings los, alle stürmen los und holen sich ihren Ausreisestempel. Das war ja patt problääm, aber jetzt geht’s weiter. Weiter warten. Der Röntgenscanner, das verbirgt sich in dieser Halle, wo gestern die Autos davor standen, war noch nicht an. Wohl erst um 10… was weiss ich. Dann gings endlich mal weiter. Warten warten warten. Es nervte mich langsam. 3 Fahrzeuge von mauretanischer Seite her (Einreise), dann 3 Ausreise, dann wieder 1 Lkw… verdammt nochmal. Was soll denn der Zirkus???? Wir reisen AUS, was ich hier mitnehme interessiert die doch einen Scheiss, das muss die Mauretanier interessieren!!! Da hat wohl wieder irgendein europäischer Schlaumeier gemeint, man müsse den Marokkanern so ein Spielzeug in die Hand drücken, weil die Sahara ja sooo gefährlich geworden ist. Und die übertreibens jetzt, nutzens zur Schikane oder was auch immer das hier soll. Heilandnochämal.

 

Endlich waren wir dran, es war schon 12 Uhr. Rein, warten, bis der Dreck geröntgt ist und raus. Und was???  Um die Ecke fahren, Fahrzeugkontrolle?? Die sind nicht mehr ganz dicht hier. Die wissen echt nicht mehr, was sie mit ihrer Zeit noch anstellen sollen. Sollen wieder zurück in ihre Oasen, Kamele treiben, verflucht nochmal. Dann standen wir ewig am Zoll an, zusammen mit den Senegalesen. Dem einen ist auch schon fast die Hutschnur gerissen. Wenn der sich schon aufregt… und der kommt aus Schwarzafrika und ist mit Sicherheit einiges gewöhnt. Jedenfalls wurden ewige Zeit später dann mal die Papiere eingesammelt und noch ewigere Zeit später das Fahrzeug kontrolliert. Oberflächlich. Ok, alle Stempel, alle Papiere fertig. Es ist 13.00 Uhr. Unglaublich hier.

 

Dann wollt ich rausfahren, hält mich so ein Uniformfritze nochmal auf. Der brüllt irgendwas von „Finisch formalitee“. Langsam reichts. Ist doch schon alles doppelt und dreifach gestempelt, durchsucht, befragt worden. Nein, nochmal Passdaten abschreiben. Sehr beruhigend. Wissen die wenigstens, wer im Niemandsland verschwindet, interessieren tuts die auch nicht mehr, weil du staatenlos bist. So ein Irrsinn. Das reinste Irrenhaus hier. Dann aber raus…

 

Paar Meter weiter standen sie schon wieder, ich weiss nicht warum. Nur weiter jetzt. Hinter uns fuhr ein Malinese mit spanischem Kennzeichen und ich versuchte, an den Senegalesen dranzubleiben, weil einer meinte, er kenne den Weg über die Piste durchs Minenfeld hier. Es war eindeutig erkennbar, wo langzufahren sei, dann kam ein Abzweig, ich wär nach links gefahren (da gings steinig weiter) der ander fuhr gradaus. Naja, er kennt den Weg… dacht ich mir. Es wurde immer sandiger und der erste immer langsamer. Mir schwante Böses.

 

Auf Sand ist der wohl noch nie gefahren. Regel nummer eins ohne Allrad… niemals vom Gas gehen, nicht schalten, immer voll durch. Er hält an… und bleibt natürlich stecken. Der vor mir auch, ich auch, der Malinese auch. Super. Im Niemandsland, zwischen Minen, eingesandet. Aber er kennt den Weg. Ich merks. Wär ich nur gefahren, wie ich mir das dachte. Aber gut, jetzt kann ichs auch nicht mehr ändern, immerhin sind hier x Spuren, so dass hier keine Minen sein können.

 

Wie aus dem nichts tauchten jetzt Berber auf, die gleich ihre Dienste anboten, uns da raus zu holen. 30€ wollten die haben, na klar… die können uns mal. Wir versuchten, die vor mir mit meinen Sandblechen rauszuholen, keine Chance. Die ließen sich dann rausziehen und Allah allein weiß, wieviel die gelöhnt haben. Wir hielten uns an den Malinesen. Er führte die Verhandlungen, kam auf 20€ für 2 Fahrzeuge. Ok, machen wir mal. 10€ sind mal kein Beinbruch. Sie holten den Malinesen raus, ich ließ die Luft in meinen Reifen ab auf so 1,2 bar in den Antriebsrädern und kam dann mit Anschieben ohne Probleme raus. Beim Umdrehen, auch noch in weichem Sand, fuhr ich komplett alleine. Unglaublich, was das mit der Luft für ein Unterschied macht… Also, ich hätte die Penner jetzt nicht bezahlt, ich wollte allerdings den sympathischen Malinesen auch nicht auf der Summe sitzenlassen. Und ich seh es mal so… ein Offroadfahrkurs wär mich bedeutend teurer gekommen als die 10€, und für nächstes Mal weiß ich, dass ich alleine raus komme. Somit verkraftbar.

 

Der Malinese staunte nicht schlecht über meinen Kompressor und meinte nur, ich wär ja super ausgerüstet. Das bin ich in der Tat… Er wartete freundlicherweise noch, bis ich die Reifen wieder auf Fülldruck hatte und wir fuhren gemeinsam zum mauretanischen Posten. Dort empfing man uns schon lächelnd, freundlich, locker… sieht nicht nach Zirkus aus wie auf marokkanischer Seite. Nachdem die Armada von belgischen Fahrzeugen draußen war, durften wir reinfahren. Während der Wartezeit unterhielten wir uns mit dem Mann aus Mali, ich versuchte ein paar Streckeninfos aus ihm rauszukitzeln, war echt nett. Erst wurden die Passdaten aufgeschrieben. Es wurde gescherzt mit den Uniformierten, es ging sehr locker zu. Dann wurde das Visum gestempelt, wir waren somit schon mal eingereist. Dann wurde das Auto noch kontrolliert. Da fielen dem Uniformierten die Kanister auf. Ob da was drin sei. Ich sag: Ja, drei voll, zwei leer. Ob er denn einen als kadooh haben könne. Ich sagte ihm dann, dass er gerne den INHALT haben könne, den Kanister brauch ich aber noch, weil wir auch nach Guinea wollen und so. Er soll mir einen Schlauch und einen Behälter bringen. Dann wollte er nicht mehr. Freundlicher Gruß und weiter.

 

Paar Häuschen weiter kam das Auto dann noch mit Versicherung und so dran. Ich ließ das Auto in den Pass eintragen, übergab die Autopapiere an einen Helfer (der Malinese meinte, sei ok, der macht jetzt die Versicherung), unterschrieb die Ehrenerklärung, das Auto nicht zu verkaufen. Dann bekam ich die Versicherung überreicht, bezahlte diese und den Ehrenwisch, gab dem Helfer ein kleines Trinkgeld und wir waren fertig. Schnell rein, bevor noch irgendwer was will….

 

Fazit: Ausreise Marokko (mit Übernachtung): 20 Stunden; Einreise Mauretanien 1 Stunde. Irgendwas läuft da falsch, oder???

 

Jedenfalls waren wir jetzt in Mauretanien, in Nouadhibou wollten wir übernachten, Camping Baie du Levrier, in der Stadt. Die Stadt war nicht mehr weit, es folgte ein Checkpoint, rechts nach Nouadhibou, links nach Nouakchott. Wir bogen rechts ab. Nouadhibou war erreicht und wir fanden den Camping auf Anhieb. War sauber, vor allem sicher, ist gebucht. Wir schlugen unser Zelt auf wuschen noch Klamotten, machten was zu essen und gingen mal in die Stadt. Ich brauchte noch Zigaretten, Geld brauchten wir auch noch. An der Grenze haben wir nicht gewechselt. Wir fanden eine Wechselstube, ich meine Zigaretten und wir gingen wieder zurück. Diese Stadt ist einfach furchtbar. Müll, müller Nouadhibou. So könnt man es nennen. Einfach abartig. Nix reizvolles, gar nix. Aber gut, woher sollen sies auch kennen, vor 50 Jahren war hier noch gar nix außer Sahara… darf man nicht vergessen.

 

Später fuhr dann noch ein Ford Transit ein mit Freisinger Kennzeichen. Robert hieß der Fahrer und war alleine unterwegs. Er erzählte uns, dass seine Familie ab Marrakech heimgeflogen sei, wegen den Entführungen in Mauretanien und er jetzt eben allein fahre. Mit den ganzen Entführungsstories hat er meinem Schatzi en gehörigen Schrecken eingejagt. Gut, ich wusste jetzt auch nicht, dass an der Kreuzung Nouadhibou-Nouakchott erst kürzlich Spanier entführt wurden. War mir entgangen. Ich hab wohl zu sehr die Situation in Guinea verfolgt. Aber gut. Ich seh das nicht so eng. So lang du nachts nicht fährst und sicher übernachtest, passiert dir auch nix. Nur nicht wild campen, das werden wir auch nicht tun.

 

Robert gab uns noch den Tipp, Formulare herzustellen mit Passdaten, Beruf usw, das sei bei den Checkpoints ganz hilfreich. Das machten wir noch um die Ecke in einem Copyshop. 30 Stück müssten reichen bis Nouakchott morgen.

 

Wir beschlossen dann, früh und zusammen weiter zu fahren, bis in den Senegal. Wir hatten dieselbe Route. Ziel war die Zebrabar in St. Louis, sehr bekannt bei Afrika-Fahrern. Deshalb gingen wir zeitig schlafen.

 

Rkm 5493 / 364 355

Werbung
Zurück zu Home
Diesen Post teilen
Repost0
Um über die neuesten Artikel informiert zu werden, abonnieren:
Kommentiere diesen Post