Dies soll vorwiegend ein Reisetagebuch werden, mit den ErFAHRungen in aller Welt mit meinem W123!
Endlich raus aus dem Drecksloch Nouadhibou. Das stand heute an. In einem Rutsch bis nach Nouakchott, das auf jeden Fall, obwohl Robert noch meinte, es müsste doch bis St. Louis zu packen sein. Wir waren anderer Meinung. Möglich ist das vielleicht schon, aber dann hast du die Grenze nach der ganzen Fahrerei und willst nur noch ankommen. Das ist ein gefundenes Fressen für irgendwelche dahergelaufenen korrupten Halbaffen in Uniform. Deshalb: Nur bis Nouakchott.
Wir mussten dort eh noch vorbeischauen, da Robert dort noch etwas deponieren wollte, um das auf dem Rückweg von Gambia wieder abzuholen.
Wir waren jedenfalls noch vor dem Hellwerden wach und tranken unseren Kaffee bei Robert im Camper. Ich war noch total müde, weil die Nacht einfach nicht erholsam war. Es war laut. Ständiges Gehupe, Geschreie, Gefahre… passt zu dieser sogenannten Stadt. Als wir dann noch das Zelt abgebaut hatten, hieß es Leinen los. Ab durch die Mitte, vorbei an den Müll fressenden Ziegen, zum Stadtausgang. Ich wunderte mich noch, warum die Ziegen hier nicht alle Übergewicht haben. Wäre die einzig logische Konsequenz, bei dem Müll, der hier rumfliegt. Und „rumfliegt“, das meine ich durchaus wörtlich.
Aus der Stadt draußen, wurde es schön. Der Sonnenaufgang über dem Meer, die Schattenspiele der aufgehenden Sonne in den Sicheldünen, ein wahrer Traum. Vergessen war Nouadhibou. Es kam der erste Checkpoint, der Abzweig nach Marokko und zur Hauptstadt. Keiner wollte was. Hatten auch noch keinen Bock. Seltsam irgendwie schon, dieses Gefühl, dass erst vor einigen Wochen genau an diesem Punkt die Spanier gecacht wurden… wie es denen wohl geht, keiner weiß was. Sollen aber noch am Leben sein. Wir düsten weiter richtung Nouakchott und Robert legte ein ganz schönes Tempo vor. Da kam mein Blauer Daimler kaum hinterher. Teilweise hatten wir nur noch geahnten Sichtkontakt. Die Landschaft war aber einmalig. Fantastisch schöne Dünen in allen erdenklichen Farbtönen von goldgelb über knallrot bis beinahe weiß… wirklich sehr schade, dass wegen George W. Bushs Kriegsgelüsten nun diese märchenhaft schöne Wüstenwelt einfach durchrast werden muss, weil das Risiko von Entführungen seitens der Al-Quaida besteht. Gut gemacht, Danke Washington!
Wir machten wohl geschätzte 40.000 Fotostopps, weil in diesem Land die Sahara wirklich alle paar Meter anders ausschaut. Gegen Mittag dann, wir hatten die Marschgeschwindigkeit uns gegenseitig angepasst, kam Wind auf. Und was für einer. Die Straße war komplett mit verwehendem Sand voll, du warst nur noch am Gegensteuern und schneller als 70 solltest auch nicht fahren, da der feine Sand die Haftung auf der Straße beeinträchtigt. Da hauts dich schon schnell mal weg. Vielleicht liegen deshalb an der noch nicht alten Teerstraße schon so viele Autowracks rum… wird wohl kaum die Al-Quaida beschossen haben. Wir hatten langsam Hunger, aber hier gibt’s nunmal nichts weit und breit außer den Wüstencafes entlang der Strecke. Eins steuerten wir an.
Dort war lange niemand zu finden, dann endlich, ein Ansprechpartner. Wir bestellten Tee. Zu essen gabs nix. Dann halt Schonkost. Wir süffelten unseren Tee und versuchten mit dem Baraber zu quatschen. Allerdings wohl eher umgekehrt. Mann war der redselig. Wie es denn in Deutschland sei. Kalt? Nein, es blüht grad alles dort. Natürlich kalt. Schnee. Was das denn auf Hassani heißen würde. Keine Ahnung. Er hats uns verraten. Als nächstes sollten wir einen Stift und Papier hertun, damit er uns das ganze aufschreiben könne. Klar, sonst noch Wünsche? Nee, der war mehr als redselig. Hat wohl schon ewig kein Menschen mehr zu Gesicht bekommen. Irgendwie seltsam, diese Mauren. Komisches Volk. Aber gut, viel hatten wir mit denen ja auch noch nicht zu tun und werden es auch nicht, weil man aus Sicherheitsgründen halt nur durchbrettert. Auch wenns von der Landschaft her schade ist…
Wir fuhren weiter und die Landschaft wurde nicht langweiliger. Einen Radler im Sandsturm haben wir noch überholt. Ehrlich, die haben doch en Vogel. Um nix in der Welt würd ich da langradeln. Aber jedem das seine. Kamele gabs auch wieder und jede Menge Checkpoints. Überall wollten die Fisch. Hört sich irgendwie lustig an, wenn die anfangen: „Vous avez des fiches?“ = Wus awe de fisch? Herrlich. Aber wir waren froh, dass wir die Dinger hatten, so kamen wir echt flott durch und keiner schrie nach kadooh oder sowas.
Bald erreichten wir Nouakchott. Die ersten Dornenbüsche traten schon auf und man merkte, dass der Sahara allmählich die Luft ausging. Unglaublich… diese neue Teerstraße. Wie lang du früher für die Strandpassage gebraucht hast… weiß ich ja nur aus Erzählungen und Büchern, aber trotzdem. Würd mich schon mal reizen, den Daimler über den Strand zu jagen. Aber zu riskant mit der aktuellen Situation. Ich hab mich jetzt zwar nie unsicher gefühlt, ganz im Gegenteil, aber man sollte sein Unglück ja auch nicht provozieren.
Wir erreichten dann die Auberge Sahara am Stadteingang und sprachen vor. Der ganze Parkplatz stand voll mit fetten Wohnmobilen, vorwiegend Franzosen. Das ist irgendwie schade an der neuen Straße. Jetzt kann jeder Depp da runterbrettern. Früher war das nicht der Fall. Es kam einem gradezu vor, als ob die Franzosen nun mit ihren fetten Womos die neue Kolonialzeit einläuten wollten. Aber das ist eine freie Interpretation in den vollen Parkplatz hinein.
Wir fuhren dann mit Roberts Transit noch in die Stadt rein, wir wollten uns noch ein bissel umschauen, auch der Fischmarkt stand auf dem Programm. Um die Ecke der Auberge war noch ein Supermarkt, da fassten wir Vorräte. Ich war schon ganz schön geschlaucht von der Fahrerei und ich überließ die Einkäufe meiner Frau. Ich tat nur, was mir angeschafft wurde. Dann fuhren wir in die Stadt, hielten noch an der Hauptmoschee und stellten dann das Auto auf einem bewachten Parkplatz ab. Auch das läuft hier anders. Da fährst halt rein, stellst dich irgendwo hin und hoffst, dass du nicht zugeparkt wirst. Dann stiefelten wir los, in richtung Markt. Es war ein interessantes Treiben, jeder macht irgendwas, Batik, Autos reparieren, Obst verkaufen, alles querbeet. Wir schmuggelten uns durch die engsten Gassen, wo sich wohl sonst kein Tourist hintraut. Tolle Fotos vom Leben in der Stadt sind entstanden. Insgesamt ist Nouakchott schon was anderes als Nouadhibou. Moderner, sauberer, wobei das Wort sauber hier auch nicht überbewertet werden soll. Um es mal auf Ziegenniveau auszudrücken… Hier sollten sie Normalgewicht haben. Was hier auch auffällt, ist die Dominanz des Hauses Daimler Benz. 190er in allen Variationen. Von Herzkaspergarantie-für-deutsche-TÜV-Prüfer bis sauber geputzt siehst du alles. Tolles Bild. Auf dem Weg zum Auto zurück schauten wir noch in ein Viertel rein, wo kein Tourist was verloren hätte. Viele Schwarze hier schon. Aber alle lassen dich in Ruhe… Keiner wollte irgendwas haben. Sehr angenehm. Hätt ich nicht so erwartet… aber wahrscheinlich haben die noch zu selten Weißgesichter zu Gesicht bekommen, um schon nach „kadoooh“ zu schreien. Insgesamt war das ein wirklich interessantes Bild hier, auch zur Lebensweise der Menschen.
Wir suchten dann vergeblich den Gemüsemarkt. Gibt’s nicht. Klar, fiel uns später ein, wo solls auch herkommen. Selbst in der Stadt ist noch Sand, drumrum erstrecht. Und Restaurants gibt’s auch keine. Geschweige denn McDonalds. Die Menschen hier können sich „Essen gehen“ halt nicht leisten.
Dann machten wir uns daran, den Fischmarkt zu suchen. Ausgerechnet jetzt hat der Kameraakku abgekackt. Da müssen wir in Zukunft besser drauf achten. Wir bekamen, Allah seis gedankt, die Bilder von Robert. Laut Stadtplan fuhren wir in die richtige Richtung, richtung Meer. Wir fragten dann einen an der Straße, wo das denn sei. Er wies uns den Weg. Wir landeten dann im Industriehafen. Hier kann ja wohl kaum der Fisch frisch eingeholt werden zwischen den ganzen Öltanks. Ein Polizeiposten wies uns an, zu stoppen. Wir brachten unser Anliegen dar und dann hieß er uns, die Pässe rauszugeben, wir müssten uns eintragen. Und da geht’s lang. Ein Sträßelchen, das durch ein Tor führte, alles andere als der Fischmarkt. Das kam uns ein bisschen mauretanisch vor und uns gefiel überhaupt nicht, dass der Lackel jetzt mit unseren Pässen davonläuft. Robert parkte klugerweise den Transit genau IM Tor, so dass das nicht mehr geschlossen werden konnte. Wir zwei Männer stürmten den Polizeiposten und forderten unsere Pässe zurück. Der verstand gar nicht, warum wir so aufgeregt waren. Wir wollten doch zum Port de Peche und der sei da hinten. Jaja du uns auch. Her jetzt mit den Pässen. Die gab er uns auch und verstand überhaupt nicht, warum wir wieder zurück fuhren. Wir fragten dann nochmal, diesmal nach „Marché de peche“=Fischmarkt. Da gings woanders hin. Und zwar genau da lang, wo wir den anderen gefragt hatten, dort um die Ecke. Ja sowas blödes. Das andere war die Fischermole, wie sich rausstellte, wo du selber fischen kannst. Deshalb auch die Registrierung. Die wollten uns nix Böses. Naja, so entstehen Missverständnisse. Aber nun waren wir ja da.
Wir schauten zu, wie die Pirogen (hier die Fischerboote) zu Wasser gelassen wurden, ein tolles Schauspiel. Der Blick allein war gigantisch. Bis zum Horizont stapelten sich die Pirogen auf dem Strand. Wahnsinn, wie die Fischer diese Nussschalen in den wilden Atlantik rausbugsieren. Wir kauften noch frisches Fischfilet, das sollte es dann heut abend geben. Dann gings zur Auberge zurück. Die Dunkelheit nahte und wir wollten nicht im Dunklen unterwegs sein. Sicherheitsgründe.
Wir stellten die Fahrzeuge in den Innenhof, hinter Schloss und Riegel, Sandra und ich bezogen unser Beduinenzelt auf dem Dach der Auberge und Robert schlief in seinem Camper. Es wurde noch geduscht, gekocht, aber davon hab ich nicht mehr allzu viel mitbekommen. Ich war nur noch apathisch und hab nix mehr kapiert. Die Nacht in diesem Drecksmoloch Nouadhibou hat mich geschlaucht, dann die Fahrerei, mehr eine Hetzerei… der Trubel in der Stadt, der Fischmarkt… ich war fertig.
Einen kleinen Disput gabs noch. Und zwar kam ein Rudel, na was schon, Franzosen, an und wollten alle da oben auf dem Dach Quartier beziehen. Der Kollege vom Nachmittag war aber nicht mehr da und so wurde anscheinend unser Zelt da vergeben. Das ließen wir uns aber nicht gefallen und setzten unser Anrecht da durch. Ja, je weiter du nach Süden kommst, umso weniger klappt. Die Marokko-Grenze mal ausgeklammert. Und diese Franzosen… müssen sich überall wichtig machen. Fragen sie die Sandra bei dem kleinen Disput, ob sie nicht übersetzen sollen. Aber mein Schatzi spricht kein Französisch, das hat sie denen dann auch klar gemacht. „Oh mein Gott, wie kann man nur hierher fahren und die Sprache nicht sprechen, oh mein gott“. So haben sie geschaut. Die Übersetzerei haben die wohl nur angeboten, weil das HIER gesprochene Französisch sich etwas anders anhört als im Frankenreich. Toll. Aber sich dann aufspielen. Wenns ums wirkliche Übersetzen geht, hat der Franzose auch verloren. Die sprechen ja nix anderes als ihre Schwuchtelsprache. Ich kann mir auch nicht helfen, aber die meisten Reisenden sind unangenehm. Ausnahmen gibt’s, wie die Camper bei Fort Bou Jerif, aber die meisten kannst echt vergessen. Die spielen sich auf, als hieße das ganze hier immer noch „Französisch-Westafrika“ mit Hauptstadt Dakar. Paaaah!!!! Aber uns als Nazis hinstellen, das hat man dann wieder gerne.
Rkm 5974 / 364 836