Dies soll vorwiegend ein Reisetagebuch werden, mit den ErFAHRungen in aller Welt mit meinem W123!
Wir hatten einigermaßen gut genächtigt, allerdings nervte uns dieses verfluchte Luftbett. Ständig geht da Luft raus… das ist echt nervig. Robert meinte nur auf die Frage, wie er denn geschlafen hätte, ja ganz gut, allerdings hat da mitten in der Nacht jemand angefangen zu staubsaugen. Wir klärten ihn darüber auf, dass das kein Staubsauger war, sondern unsere Pumpe fürs Luftbett. Jaja, ziemlich laut das Teil. Wir beschlossen, heute nach St. Louis reinzufahren. Und zwar mit meinem Auto, in Nouakchott ist ja schon Robert gefahren. Ich hab noch den Diesel aus den Kanistern getankt, allerdings passte nicht alles rein.
Wir fuhren los und auf einmal stank es dermaßen nach Diesel… konnt ich mir nicht erklären. Dann hielt ich mal an und sah die Bescherung. Ich Volldepp hab schön getankt und die Kanister, wohl zur besseren Auslüftung, offen gelassen. Jetzt lief der ganze gute Diesel am Auto runter, so eine Scheisse! Jetzt sollte es mal gewaschen werden.
Wir quälten uns wieder über die Brücke, in die Stadt rein. Quirlig geht’s da zu… wir hatten zuvor im Führer geschaut, wo denn die Geldautomaten und Supermärkte seien. Wir stellten fest, dass wir gestern nur eine Straße davon entfernt waren. Also heute ein neuer Anlauf, mit besserem Wissen im Kopf.
Wir fanden die Straße auch gleich und parkten vor einer Bank. Da kam dann gleich einer an und brüllte wie wild durch die Gegend, keiner wusste warum. Als er sich beruhigt hatte, verstanden wir ihn. Es gebe hier keinen Geldautomaten, da müssten wir woanders schauen. Na von mir aus, aber das kann man doch auch normal mitteilen oder? Nicht gleich rumbrüllen. Versteht eh kein Mensch. Wir gingen dann zur Bank, noch auf einen Kaffee an der Ecke in einem ehemaligen Kolonialhaus (St. Louis war früher Hauptstadt von Französisch-Westafrika), dann trennten wir uns kurz. Robert drehte eine Runde um den Block und wir gingen in ein Internetcafe, kurz Mails, Blog und Konto checken. Danach gingen wir in die Stadt rein, denn Supermärkte fanden wir keine gescheiten. Dann halt der Markt.
Wir gingen über eine weitere Brücke (St. Louis wird auch als Venedig Westafrikas bezeichnet) und waren im Marktviertel. Erinnerte an Nouakchott… wir kauften einige Sachen ein, ich schaute mich noch nach Schuhen um, weil meine sich langsam auflösen, aber ich war zu faul, da jetzt rumzuhandeln.
Sandra hatte noch eine lustige Begegnung. An der Buschtaxistation kam eine ganz süße Kleine an und fasste sie an. Ich dachte erst, das Blag reißt ihr jetzt die Sprite-Flasche aus der Hand, weil auch schon zuvor alle Welt von unserer Cola trinken wollte. Ein Zirkus… aber die Kleine hat sie nur einige Minuten angefasst, ist mitgelaufen, hat gelacht und gesagt „Toubab“. Die wollte einfach mal wissen, wie sich weiße Haut so anfühlt. Die hat jetzt natürlich was zu erzählen! Ein anderes Mädel hat mit ihrem Fuß an Sandras Fuß gerieben und wohl gedacht, dass dann die Farbe abgeht. Echt goldig, die Kleinen. Wenn sie klein sind, sind sie so goldig und ruhig, werden sie größer, schreien sie umso mehr. Wobei es sich hier wirklich noch in Grenzen hält, ich habs aus anderen Berichten schlimmer erwartet. Aber nerven kann das schon… du gehst keine 20 Meter und hättest schon Kleider, Uhren, Handykarten und Schuhe kaufen können. Oder sie wollen einfach nur ein kadooooh. Das wird das Unwort des Jahres 2010 bei uns: KADOOOH Bestes Mittel ist, selber ein kadooh zu fordern. Die Hand hinhalten und genauso blöd grinsen. Das hilft bis jetzt. Damit können die nicht umgehen. Oder du wirst einfach forsch und unhöflich, das verstehen die auch nicht hier.
Wir gingen dann wieder zum Auto und was muss ich da sehen… das Auto war gewaschen und paar Jungs standen drumherum. Die wollen jetzt bestimmt Geld. Frondienste kennt man hier nicht. Ich mein, das Ganze kam ja wegen meiner Dieselaktion nicht grad ungelegen, aber es geht ums Prinzip. Ich hab nicht darum gebeten, die Karre zu waschen. Also schnauzte ich die an, das haben die überhaupt nicht verstanden. Sie haben doch was Gutes getan. Warum wird jetzt gemault? Ganz einfach, weil ich nicht gefragt hab: „Könnt ihr bitte mal den Daimler waschen? Danke!“ Wir gaben ihnen 500 CFA und freuten uns. Billiger wärs an einer Tanke mit Sicherheit nicht gewesen.
Auf dem Rückweg hielten wir noch an einer Tankstelle. Ich schaute nach Kontaktspray wegen dem verreckten Klimakompressor (langsam wird’s echt heiß) und nach Reifenflickzeug wegen dem Luftbett, aber beides gab es nicht. Robert hatte mehr Erfolg, sogar doppelt. Er brauchte ein zweites Warndreieck, damit die Bullen ihm nicht nochmal blöd kommen können. Die Krux ist nur, die verkaufen das hier nur doppelt. Also im Zweierpack. Dann hat er halt drei… auch egal. Eins wird er sicher auf dem Rückweg an der Grenze wieder los zu einem guten Preis. Nur hat das ewig gedauert… bis die mal den Preis wussten. Also hier ist Zeit wirklich noch anders zu deuten. Wir quatschten in der Zwischenzeit mit einem Senegalesen, der in Italien lebt und jetzt hier ein Auto verkauft hat. Er meinte nur, dass die Polizei ihn genauso abzockt, wie alle andern auch. Na das ist ja sehr beruhigend…
Als der Zirkus um den Preis dann erledigt war, fuhren wir zurück zu unserer Oase namens Zebrabar. Auf dem Weg dahin liefen uns noch zwei Affen über die Straße, leider zu flink für ein Foto… im Unterholz sind sie dann verschwunden. Auf dem Camping genehmigten wir uns erst noch ein Bierchen. Später kochten wir noch mit Robert zusammen und tranken noch ein paar „Gazelle“ dann gingen wir schlafen.
Vielleicht werd ich morgen mal zu nem Reifentandler fahren wegen dem Luftbett oder selber mal im Meer, das ist ja ganz ruhig hier, nach dem Löchelchen schauen… aber Salzwasser ist halt auch nicht optimal für das Teil. Wir werden sehen…
Rkm 6323 / 365 185