Dies soll vorwiegend ein Reisetagebuch werden, mit den ErFAHRungen in aller Welt mit meinem W123!
Ich war früh munter und es ging weiter. Immer noch schlechte Piste… so ist es ein weiter Weg nach Labe. Die Landschaft wurde immer bergiger und die Piste entsprechend anspruchsvoller. Immer öfter krachte es mal am Unterboden, es passierte aber nix. Und ich war sooo froh über den Unterfahrschutz… ich bin überzeugt, dass ich die Ölwanne hier beerdigt hätte. Es staubte und machte… wahnsinn, die Strecke. Dann überholte ich einen Radler. Von weitem dacht ich schon, das ist doch ein Weißer… und tatsächlich. Mit vielen Radtaschen bepackt, radelte er da lang. Ich hupte, grüßte, er zurück und ich staubte ihn ein. Sorry… aber das lässt sich hier nicht vermeiden. Deshalb sehen hier auch alle aus wie Banditen. Mit Tüchern vor dem Gesicht… Aber so auf einer Ladefläche eines LKW oder oben auf nem Buschtaxi… ich möchts nicht!!
Ich hielt dann mal an, bissel Obst essen, abspannen, da kam der Radler wieder. Er war nur unwesentlich langsamer. Zuvor hat noch einer aufm Mofa angehalten und gefragt, ob alles ok sei, ob ich eine Panne hätte. Wirklich sehr nette Menschen hier. Zurück zum Radler. Wir quatschten kurz und es stellte sich heraus, dass er auf dem Camping Sukuta war. Da erkannte ich ihn auch wieder… Am ersten Tag, als wir da waren, da saß er auch rum. Richtig… In ca 10 km kommt eine Flussüberquerung per handbetriebener Seilfähre, kenn ich ja schon, da werden wir uns wiedersehen. Und so wars auch.
In afrikanischer Gelassenheit wurde das Floß startklar gemacht. Dann gings rüber. Richtiges Dschungelfeeling jetzt. Der Regenwald, die Berge, der Fluß… Wow. Und ich mittendrin. Ich las zuvor, dass der Preis immer verhandelbar ist. Das ließ ich drauf ankommen. Ich handelte ihn tatsächlich runter, dem Tee von Ahmeds Teemafia in Guelmim/Marokko sei dank. Über den Tee freute sich der Fährmann.
Es ging weiter und nun brachen die schlimmsten Passagen der Piste an. Landschaftlich aber auch die schönsten. Die Strecke wand sich die Berge rauf und runter, ist nicht befestigt, was zur Folge hat, dass die Regenzeit hier Spuren hinterlässt. Teilweise balancierte ich den Daimler auf zwei Rinnen, in der Mitte 50cm tiefe Regenrinne aus der Regenzeit. Ich war froh, dass ich ein kleines Auto hab, da kannst immer bissel schauen, wie du fährst. Nicht einfach… es schlauchte. Vor allem kam ich nicht vorwärts mit einem geschätzten Schnitt von 8 km/h. Es war nur Schritttempo drin und trotzdem saß ich desöfteren mal auf. Dann kam eine Passage, ich dachte, nun muss ich kehrt machen. Aber dazu war ich zu ehrgeizig. Irgendwie hab ichs unter Geschepper und Gekrächze des Autos geschafft. Ganz schön gekracht hats da… erstmal begutachten.
Ohja, der Radkasten des Reserverads… ganz schön verbeult, der Unterboden hat das geleistet, wozu er da ist, das ist auch sichtbar. Zurück in Europa muss ich unbedingt den Unterboden neu versiegeln, sonst wird mir während der Kos-Saison das Chassis noch anfangen zu rosten. Aber Schäden sind keine zu begutachten. Nur Beulen unten. Passt. Weiter. Wem hier jede Beule oder Schönheitsfehler am Auto die Tränen in die Augen treibt, der ist hier falsch. Hier MUSST du das in Kauf nehmen. Normal… Und wichtig ist, der Rest hält. Und dass der Motor läuft. Aber da mach ich mir keine Sorgen…
Endlich, nach unzähligen Stunden von Geschaukel, erreichte ich ein Kaff, von dem es im Därr hieß, die Piste wird danach deutlich besser. Und so wars Gott sei Dank auch. Es konnten wieder 20 gefahren werden. Juhuuuu, mal wieder zweiter Gang und die Klima konnt ich auch zuschalten. Das war bei den schwierigen Bergpassagen nicht drin, die nimmt halt schon Leistung weg. Ich werde Labe also noch erreichen. Ich fuhr mal ran und gab die Wegkoordinaten ins GPS ein; die zu den Wasserfällen von Sala. Dort solls einen schönen, einsamen Platz zum wild campen geben mit atemberaubender Aussicht auf die Fälle. Das wird eng, aber ich werds versuchen; zeitlich mein ich.
Ich näherte mich bereits dem Abzweig von der Hauptpiste, da kam der Zoll daher. Zwei Beamte auf dem Mofa. Am liebsten hätt ich sie zammgfahrn. Dreckspack. Ja das Laisser-Passez. Hier, bitte schön. Ooooooooh, das ist ja gar kein Carnet… Nein, ist es nicht. Dreck. Zurück ins Kaff, das muss näher untersucht werden. Ich durfte tatsächlich den gesamten Kofferraum, Handschuhfach, einfach alles ausräumen und den Halbaffen erklären, was wozu gut ist. Aber mal auf die Idee kommen, dass die Reservekanister voll sind, oder in den Wasserkanistern Alkohol sein könnte, nein, darauf kommen diese Primaten nicht. Ich hasse sie. Diese Kackbeamten in diesem Land. Ein arrogantes Gesindel, das ausgerottet gehört. Oder in einen Käfig in der Wilhelma, da könnt ich sie mir auch noch vorstellen. Wirklich nix gegen das Land. Die Leute sind so herzlich, das merkst auch nur beim Durchfahren der Dörfer. Lachen, winken, keiner schreit „Toubaaaaaab“ oder „Cadooooooooooh“ Nix. Einfach nur herzlich. Aber diese Beamten… stammen wohl noch aus Tourés Zeiten nach der Unabhängigkeit in den 50er Jahren, was weiß ich.
Endlich haben diese Primaten, wobei das wäre eine Beleidigung an die Schimpansen und Gorillas, diese HALBaffen begriffen, dass ich hier keinen Krieg anzetteln will, sondern nur Zeug für mich, für eine Langzeitreise, dabei hab. Wie ein Tourist eben und ich durfte weiter. Zeitlich könnt ichs noch zu den Fällen schaffen. Ich werds riskieren. Ich nahm den Abzweig und fuhr die Piste lang. Sehr gute Piste, die reinste Erholung gegen die Route Koundara – Labe. Ich folgte den Beschreibungen im Därr und das stimmte auch korrekt überein. Die Koordinaten hatte ich auch und so erreichte ich ohne Mühe die Gabelung. Links zu den Fällen, schon angeschrieben sogar. 4km noch. Die Piste ist oft recht zugewachsen, hab ich gelesen. Das stimmte auch… meine Herren. Diese Strecke verdient den Titel „Urwaldpiste“ Kleine Flussdurchfahrt, in der Trockenzeit aber nicht tief, und dann kam eine weitere Gabelung: Links zu den Wasserbecken, rechts zur Aussichtsplattform mit Campingmöglichkeit. Da wollte ich hin. 500m noch. Schrittgeschwindigkeit, da die Baumäste und Lianen so dermaßen auf den Weg runterhängen… unglaublich. Und ich kam an. Im Hellen. Fantastisch, ich kann sogar mein Zelt noch aufstellen.
Erst gönnte ich mir aber einen Blick runter auf die Fälle und das ist gigantisch. Sehr hoch, breites Becken, selbst jetzt in der Trockenzeit sehr imposant. Dazu die Schlucht… ein traumhafter Blick eröffnete sich mir und nun begriff ich, warum ich den Zirkus an der Grenze, die Horrorpiste ab Koundara und all das auf mich genommen habe. DESWEGEN. Spektakulär. Mir fehlten die Worte.
Ich baute dann mein Zelt auf und kochte was zu essen. Dann ging ich auch bald schon schlafen. Aber hier werde ich noch eine Nacht bleiben. Ich schmiedete noch weitere Pläne, mit Sierra Leone etc… da soll das an der Grenze ähnlich laufen wie in Guinea; laut Därr. Na mal schauen… die Schilderungen sind noch aus Bürgerkriegszeiten, kann sich auch geändert haben. Jedenfalls werde ich nach Guinea und evtl Sierra Leone den Rückweg antreten, um Marokko noch genießen zu können.
Rkm 8760 / 367 652