Dies soll vorwiegend ein Reisetagebuch werden, mit den ErFAHRungen in aller Welt mit meinem W123!
Ich hab ganz gut geschlafen und ich machte mir Kaffee. Der Verkehr ging langsam los, das hörte ich auf der Piste. Der heutige Tag wird besonders ereignisreich, doch von Anfang an.
Als ich fertig war, fuhr ich los. Ich passierte die Grenze, ein Stein war da aufgestellt. Dazu das Straßenprojekt. Eine chinesische Firma finanziert die Asphaltierung der Strecke Labé – Medina Gounas. Dann müsste ja bald auch schon der Grenzposten kommen. Und da kam er. Holzhütten. Ich ging rein und nach kurzem Warten kam ich dran. Pass wurde gestempelt. Wunderbar. Der, der das Seil runtermacht (Schranken gibt’s hier nicht), wollte noch die leeren Kanister auf dem Dach. Da sagte ich dankend NEIN, aber ich kann ihm leere Wasserflaschen anbieten, so um die 6 Stück. Die nahm er dankend an. Wahrscheinlich für Sprit… Dann kam der Zoll und da ging das Theater los. Arrogant hoch drei, der Passzöllner war auch nicht grad der freundlichste, aber die hier… Dann kam die Frage nach dem Carnet de Passages. Ich stellte mich blöd. Waaas??? Häääääää? Kenn ich nicht. Dann könnte mein Auto nicht einreisen. Ich solle bitte weiter, weil mein Pass ist ja ok. Aber das Auto nicht. Ich sagte: Nö. Ich will ein Laisser-Passez, wie in allen normalen Ländern Westafrikas auch. Das gäbe es nicht. Gut, sitz ich das eben aus. Genau deswegen wollte ich nicht so spät nachmittags da ankommen. Gut, dass ich vorher übernachtet hab. Ich setzte mich einfach dahin und glotzte blöd. Was die können, kann ich schon lang. Ich hab über 8000km hinter mir, davon 5500 auf afrikanischem Boden. Mit mir nicht. Als sie nach einer halben Stunde merkten, dass ich nicht weiche, tat sich auf einmal was. Ich solle ins Büro kommen. Es wurde ein Papier ausgestellt und der Latschi da wird mich nach Sombaila begleiten. Dort würde ich ein Laisser-Passez bekommen. Na also. Aber ich freute mich noch nicht, denn noch hatte ich kein Papier.
Es ging weiter nach Sambailo. Nebenbei bemerkt fiel mir auf, dass hier die Menschen, also die zivilen, sehr, sehr freundlich waren. Ich wurde immer sofort begrüßt, wie es mir ginge, mit einem richtig herzlichen Lächeln. Dazu war die lange Zeit (seit der Unabhängigkeit) in Militärdiktatur zu spüren. Alles Militärfetischisten, Tarnanzüge, Springerstiefel, das waren die bevorzugten Kleidungsstile. Nach kurzer Fahrt erreichten wir Sambailo.
Abartig viele LKW standen da rum, ich solle bis vor fahren. Da war wieder ein Seil. Nochmal Formalitäten. Störte mich wenig, ich musste ja eh noch mein Laisser-Passez bekommen. Nochmal Personalienaufnahme, nochmal Autopapiere… aber kein Laisser-Passez. Die Sache wurde jetzt einer Zöllnerin übergeben und ich bezahlte den Latschi für seine Ordre de Mission. 30 000 FG, das sind 6 Euro. Geht ja noch. Nur lief jetzt die Zöllnerin schon wieder mit so nem Wisch rum. Wir gingen zum Auto. Ich dachte, die will das jetzt kontrollieren. Auch die, im übrigen, arrogant. Nein, wir werden jetzt nach Koundara fahren. Hääää? Langsam reißt mir aber der Geduldsfaden. Geht das jetzt bis nach Sierra Leone so? Nur in Begleitung? Wir erreichten Koundara.
Da war das Hauptzollamt. Ich solle da rein fahren. Fragt der mich schon wieder nach einem Carnet. Nein, den Dreck kenn ich nicht. Er solle mir bitte erklären, was das ist. Das machte ich nur, um die Nerven zu strapazieren von dem Zöllner, natürlich weiss ich, was das ist. Er erklärte es mir aber lang und breit. Dann sagte ich, nein, das habe ich nicht. Was machen wir jetzt? Er nannte mir eine zweite Möglichkeit, nachdem ich ihm den Durchschlag aus Marokko gezeigt habe. Gut, dass ich alles aufbewahre. Siehst du, du arroganter Hund? So macht das ein richtiges Land. Die zweite Möglichkeit: Ich solle eine Zollkaution hier an der Grenze lassen und bekäme diese wieder bei der Ausreise. Ich ließ mir das alles vorwärts, rückwärts, seitwärts, hoch und runter erklären, nur um Zeit zu schinden. Die Zöllnerin aus Sambailo wurde schon ungeduldig. Der Zeitfaktor scheint auf meiner Seite zu sein. Die Zollkaution würde also 100 000 CFA betragen (153€) und ich müsste wieder über Koundara ausreisen. Wenn ich aber nach Mali weiter will?? Dann brauch ich ein Carnet. Hm. Gut, ich müsste mir das überlegen.
Ich zog mich in mein Auto zurück und studierte die Karten. Nur um Zeit zu schinden. Natürlich wollte ich kein Geld an der Grenze deponieren. Das siehst doch nie wieder. Als sich länger nix tat, ging ich zum Zöllner hin und sagte, wortwörtlich auf französisch: Gut, wenn ihr mein Geld nicht wollt in eurem Land, dann fahre ich halt wieder zurück in den schönen Senegal. Die freuen sich, dass ich da bin und dass ich dort Geld ausgebe. Ich schreibe übrigens ein Buch über die Reise, auch Live-Berichte im Internet, dann wird ganz Deutschland erfahren, was für ein Scheiss hier abläuft. Da hat er aber gschaut, der Gute… Er hatte immer noch meine Autopapiere in Beschlag und ich verkroch mich zurück in den klimatisierten Daimler.
Da kam die Zöllnerin an und war richtig ungeduldig. Sie müsse arbeiten und zwar in Sambailo, wir sollen jetzt zurück, wenn ich wieder in den Senegal fahr. Ich sagte nur kurz, dass ich ohne Papiere nirgendwo hinfahr und dass hier auch übernachte, wenn es nötig werde, basta. Dreckspack, geht mir echt aufn Sack. Da hat auch die blöd gschaut. Ich ließ sie links liegen und ignorierte ihr Gejammer. Innerlich freute ich mich, ich habs gelernt. Ich habs geschafft, zwei afrikanische Beamte zu stressen. Ich war immer ruhig… Ich bin stolz auf mich.
Während ich da so wartete, interessierte es mich, was im Därr zur Einreise steht. Und da stand tatsächlich, dass ohne Carnet diese Regelung mit der Kaution greift. Man bekäme eine „Quittance de Transit“. Mit Zollkaution hinterlegen. Oha. Hm… ich stieg aus und rannte zu dem Zöllner. Ich sagte, dass ich mich jetzt umentschieden hätte. Ich mache das mit der Kaution. Gut. Ab ins Büro. Das Papier wurde ausgestellt, musste aber noch vom Oberboss signiert werden. Ich solle schonmal die Kaution zahlen. Da war ich dagegen. Nene, Freundchen, erst wenn ich das Papier in Händen hab. Gut, hat der Affe begriffen. Dann bezahlte ich noch die Tante aus Sambailo für ihre sogenannte Mission, um die sie keine Sau gebeten hat, weitere 50 000 FG. 10 Euro. Teure Grenze… Ich wünschte sie zum Teufel.
Dann hatte ich endlich das Papier, die Kaution hinterlegt und ich fuhr vom Zollhof. Die waren bestimmt froh, mich los zu sein. Freut mich. Elendes Dreckspack. DIE gehören wirklich auf die Bäume, so wichtig rumtun, da könnt jeder der Affen aus Niokolo den Job hier machen. Abartig. Ich war sauer.
Ich fuhr weiter und die Piste, die bis dahin sehr gut war (Bautrasse) wurde nun häufig unterbrochen von Umleitungspisten wegen Bauarbeiten. Das war schon anspruchsvoller. Unterwegs ging ich so meine Pläne durch. Jetzt MUSS ich wieder über Koundara ausreisen, dann fällt Mali flach, weil es im Senegal nur Kidira als Grenze gibt. Über Kayes nach Bamako durch Mali und alles wieder zurück? Schwachsinn. Dann versuch ich jetzt Guinea zu genießen, nach Sierra Leone zu kommen und gut. Und schon haben wir ne völlig andere Situation. Mit dem Wissen hätte ich Marc im Niokolo-Park gesagt, klar komm ich vorbei, liegt eh am Weg. Schau mer mal… vielleicht mach ich noch einen Abstecher in die Casamance. Soll auch nicht mehr gefährlich sein, wie ich schon mehrfach gehört hab. Außer Nachtfahrverbot (offiziell) nix. Und das fällt schon seit Marokko flach, das Nachtfahren, allein wegen den Eseln und Straßenschäden.
Die Piste jedenfalls wurde schlechter und schlechter, aber die Leute waren super nett. Man wird gegrüsst, ein entgegenkommender LKW hat angehalten und gefragt woher ich komme. Toll dass ich hier sei. So gings zu… Wow. Genau das Gegenteil von den Beamten. Mein Blauer hatte langsam immer mehr zu kämpfen und die Schnittgeschwindigkeit sank. Ca 18 km/h. Labe wird heut nix mehr. Die Landschaft war allerdings grandios. Je bergiger, je schöner. Ich begab mich auf Nachtplatzsuche und fand ewig nix. Schwer… hier im Wald, dann sollte kein Dorf in der Nähe sein, weit weg von der Piste… unmöglich. Ich fand dann aber einen Unterschlupf hinter einer monströsen Baumwurzel. Zwar nicht weit weg von der Piste, aber nicht einsehbar. Dacht ich jedenfalls. Dann kamen doch paar Fahrzeuge und die Piste war näher als gedacht. Aber egal… Bei den Verhältnissen stiert sowieso jeder auf die Straße und nicht in den Busch, ob da irgendein Deutscher rumsteht und nächtigt. Höchstens sieht man, dass da was steht, aber woher ich komm… das sieht keiner. Passt. Was besseres find ich eh nimmer.
Ich machte mir noch was zu essen und ging dann auch bald schlafen. War ein anstrengender Tag…
Rkm 8622 / 367 484