Dies soll vorwiegend ein Reisetagebuch werden, mit den ErFAHRungen in aller Welt mit meinem W123!
Wieder begann mein Tag ziemlich früh. Zelt abbauen etc musste ich ja nicht, also war die Morgenprozedur ziemlich schnell erledigt. Die Besatzungen der Joghurtbecher schlummerten noch, die einzigen, die neben mir schon munter waren, waren die Spanier. Die wollten wohl auf Offroad-Tour gehen heute. Ich übrigens auch. Etappenziel heute: Erg Chebbi. Mit Sandfahren, versteht sich. Ich beschloss dann auch, die Werkstattvisitenkarte als Souvenir mitzunehmen und mir ne Benz-Werkstatt in Rissani zu suchen. Die geflickte Manschette hält ja noch… Wird schon passen.
Das Auschecken zog sich allerdings etwas hin, die Spanier waren einen Tick früher bereit als ich, so war ich das vierte Fahrzeug. Dazu ein Araber, der von nichts Ahnung hatte. Es gab noch Unstimmigkeiten über die Rechnung der Spannokel, bei mir hats dann gepasst und 90 Minuten nach dem Aufstehen war ich wieder auf der Straße. Ich ließ dann auch besagte Werkstatt rechts liegen und nahm sofort Kurs auf Agdz. Dort sollte es dann mal nach rechts in richtung Rissani gehen. Den Abzweig fand ich auch sofort. Auch wenn die Straße verdammt eng wurde und ich mich schon fragte, ob das auch wirklich besagte R108 sein soll. Der Wegweiser wies nur nach Nekob. Und zu dem Kaff könnte auch ein anderes Pistlein führen. Aber das GPS bestätigte: Kurs nach Osten, Straße: R108.
Die Straße wurde immer schlechter, fast schon pistenähnlich. Es waren stellenweise nur noch 60 km/h drin. Ich fing schon langsam an zu zweifeln, ob ich mein Tagesziel überhaupt schaffen würde. Schließlich waren es vom Abzweig nach Osten immer noch 233km bis Rissani, das Tor zum Erg Chebbi. Das macht schon irgendwie keinen Spaß. Immer dieser Druck. Versicherung läuft ab, Arbeit beginnt, du solltest, nach Möglichkeit, dann und dann wieder im Heimathafen einlaufen… nervig. Wo war das muntere „sich treiben lassen“ aus Schwarzafrika geblieben? Das Problem hier ist nun wirklich, dass es wirklich so viel zu erleben gibt. So tolle, schöne Ecken bietet dieses Land. Und ich heiz irgendwie trotzdem nur durch. So fühlt sichs zumindest an.
Jedenfalls war die Landschaft wunderbar. Schon ziemlich wüstenhaft, auch immer Sand tauchte auf. Die Straße wurde auch wieder besser und die Zweifel über das Tagesziel schmolzen immer mehr. Das passt. Da kann ich in Ruhe noch zu nem Schrauber gehen, der so ne Manschette aufstellt und dann schnell einbauen kann. Ich hatte kein Bock, da das Differential auseinanderzunehmen (Getriebeöl hatte ich ja eh nicht an Bord) und den Dreck da selber aufzuschieben. Nönö, bei den Werkstattpreisen in Marokko lass ich das lieber mal machen. Es passierte nichts unterwegs. Nur… die arabischen CD’s passten jetzt schon langsam perfekt, mit der Wüstenlandschaft.
So erreichte ich also gegen mittag, so 13 Uhr bereits Rissani. Ich sah da so eine Werkstatt, suchte aber noch weiter. Es kam nix gscheiteres mehr… also fuhr ich zur Erstsichtung und brachte mal mein Anliegen vor. War gar nicht so einfach, denn die waren da nicht mal des Französischen besonders mächtig. Wird echt Zeit, dass ich mal Arabisch lern. Ich bin viel zu oft und gern in solchen Regionen unterwegs. Jedenfalls hat der Meister es dann auch begriffen, hatte sogar Manschetten da und es ging los. Allerdings hatte ich immer mehr das Gefühl, dass er nicht weiß, was er da tut. Einfach mal auseinanderschrauben und gucken was passiert. Ich schaute ihm ganz genau auf die Finger, auch wenn er in der Grube war… so gut es ging eben. Es zog sich dadurch ewig hin, aber, er hats geschafft. Und als kleines Zubrot hat er auf die Gelenkwelle noch Ersatzmanschetten gezogen, so dass bei einem erneuten Ausfall einfach die Kaputte mit nem Messer aufgeschlitzt werden kann, Gelenk einfetten, Neue rüberziehen, festschrauben, fertig. Das ist ja mal ne Idee. Sowas lernst auch nur hier… auf so ne Idee würde ne deutsche Werkstatt wohl nie kommen. Könnt ja was passieren mit den Ersatzmanschetten. Dann saßen wir, wie üblich in diesen Breiten, noch zusammen beim Tee und unterhielten uns, soweit das aufgrund der Sprache eben möglich war.
So kam es also, dass ich mich optimal vorbereitet fühlte für ne Tour in den Erg Chebbi. Vorräte, Diesel, alles da. In Rissani selber… wieder Tourifang. Hey, ich hab da ein Camping! Mit Beduinenzelt und fantastischem Sternenhimmel!! Jaja, war dann meine Antwort, ich bin mein eigener Camping. Ohne Strom=noch besserer Sternenhimmel. Und mal schauen, ob das hier überhaupt mit Mauretanien mithalten kann. Lasst’s mich einfach in Ruh!! So gings da ab.
Ich verließ Rissani richtung Merzouga, dann hielt ich mal an, um die Koordinaten wichtiger Punkte ins GPS reinzuhämmern. Ich hatte im Därr eine Sonderkarte „Erg Chebbi“, Rundfahrtbeschreibungen und eben die Koordinaten. So ließ sich gut navigieren. Die beschriebene Wellblechpiste allerdings nach Merzouga war mittlerweile glatter Asphalt… alles wird immer weiter für die Massen erschlossen. Irgendwann gibt’s wohl auch ne Autobahn vom Nordkap nach Kapstadt, so dass jeder Depp da runter brausen kann. Es verliert dann halt immer mehr an Reiz und Abenteuer. Bestes Beispiel ist die neue Asphaltstraße durch Mauretanien. In der heutigen politischen Lage mit den Entführungen vielleicht nicht verkehrt, aber der Reiz, die Sahara zu durchqueren, ist eben nicht mehr da. Einfach fahren, paar Fiche abgeben unterwegs, und zack, willkommen in Dakar. So ist das nunmal. Aber hier, da wird’s wohl mal ne Möglichkeit geben, das Weichsandfahren mit dem Blauen zu testen. Ich wollte eben die „ausschließlich 4x4“ Route aus dem Därr nachfahren. Ich hatte ja in meinem imaginären Zeitplan einen Tag gut gemacht. Sollte ich also einen kompletten Tag mit buddeln verbringen, ist das nicht weiter tragisch.
Diese Straße hier… sie wollte einfach nicht zur Piste werden. Ich zweifelte schon langsam… aber die Orientierungspunkte aus der Därr-Karte stimmten. Ich war also auf der Strecke. Nach einigen Kilometern wurds mir zu bunt. Ich wollte endlich auf unbefestigtem Untergrund weiter. Nachtplatzsuche stand ja auch noch auf dem Programm für heute. Ich ließ mich einfach mal treiben und per Zufallsprinzip wählte ich eine Piste aus, die nach links von der Straße abzweigte und augenscheinlich auf die Dünen zuführte. Sie war ziemlich hart und somit sehr gut zu fahren. Plan hatte ich immer noch keinen im Hirn, einfach mal auf die Dünen zu, dort wird’s schon sandiger werden. Und irgendwo dort, am Fuße der Sandhäuflein, soll ja auch die 4x4 Piste verlaufen.
Ich erreichte die Dünen, probierte mal dies und das aus… bis ich ein paar Spuren entdeckte, die laut GPS wieder nach Merzouga führen müssten. Die Richtung schlug ich mal ein. Es sah auch so aus, als ob sich hier irgendwo ein nettes Plätzchen zum Nächtigen auftun würde. Diese Spuren waren schon fast keine Piste mehr, einfach nur Spuren und es wurde schwerer zu fahren. Nach Augenmaß kamen nun ein paar Weichsandpassagen. Ich hielt, ging mal vor und ich täuschte mich nicht. Also: Kompressor raus, Luft ablassen auf 0,2bar und Vollgas dann weiter.
WAHNSINN!!! Es fährt sich wie auf befestigtem Untergrund, immer schauend, nicht in die Spuren reinzugeraten. So pflügte ich durchs Sandfeld, ein Riesenschweif hinter mir her. Dann sandete ich doch ein. Also buddeln. Und auf einmal waren sie da… Von allen Seiten kamen die Berber raus und meinten, mir helfen zu müssen. Sie waren des Französisch sehr mächtig, also war es kein Problem, denen unmissverständlich klar zu machen, dass ich hier keinen einzigen Penny zahlen werde und dass ich sogar beabsichtigte, in diese Situation zu geraten. Die schauten mich vielleicht an… Wieso ich denn hier einsanden wolle. Ganz einfach, weil ich daheim keine Wüste habe. Ich besuche den Erg Chebbi nicht wegen ner Scheiss Kameltour, sondern des Wüstenfahrens Willen. Verstanden sie nicht. Aber gut, so ist
das bei mir daheim ja auch… Ich kanns auch nicht verstehen, warum manche Norddeutsche mit ihren Autos oder Motorrädern einfach so die kurvigen Landstraß en im Schwarzwald langheizen… Das vor der Haustür gelegene reizt eben nicht so sehr…
Und trotzdem halfen sie mir. Von mir aus, ich lass denen ihren Spaß. So kam ich schneller als erwartet raus aus dem Sandkasten und als der Daimler wieder härteren Untergrund hatte, sah ich, dass dies ein nettes Örtchen zum Schlafen wäre. Das Angebot, auf irgendeinem Camping in Merzouga zu bleiben (bei den Helfern) schlug ich aus. Ich wollte ja in der Wüste schlafen. Mein eigener Camping. So trollten die Marokkaner sich auf ihren Mopeds und Mofas und ich machte mich ans Kochen, nachdem ich Sandbleche und Spaten wieder eingesammelt hatte.
Es war eine schöne Nacht. Sternenklar, das Essen schmeckte auch. Ich genoss noch ein Weilchen die Stille und schlief dann bald in meinem Motorhome ein. Nachts war es immer noch ziemlich frisch. Also zog ich das Schlafen im Auto vor.
Rkm 16 429 / 375 291