Dies soll vorwiegend ein Reisetagebuch werden, mit den ErFAHRungen in aller Welt mit meinem W123!
Heute stand mal wieder ein Fahrtag auf dem Programm. Getreu dem Motto: Gestern war ich dran in Marrakech, jetzt darf der Blaue mal wieder. Und in diesem Fahrzeug ist ja sowieso der Weg das Ziel. Das Ziel hieß mal grob: Draa-Tal. Wieder eine Atlas-Querung, was natürlich auch wieder zur Folge hat, dass da unten dann die Landschaft wieder wüstenhafter sein dürfte. Dazu uralte Kasbahs, Lehmdörfer… wir werden es sehen.
So gings also nach der allmorgendlichen Prozedur und dem Checkout auf dem sehr angenehmen Camping erst mal wieder in Richtung Marrakech, um dort dann die Straße nach Fes/Ouarzazate zu nehmen. Ich kam noch an der heutigen Königsresidenz und dem königlichen Golfplatz vorbei und schon war ich raus. Dann kam noch der Abzweig rechts Ouarzazate, geradeaus Fes. Also rechts halten und langsam dem Blauen mal was zu trinken spendieren. Der Verkehr war einigermaßen dicht und auch von den Fahrzeugen mit ausländischen Kennzeichen her wurde schnell klar, dass ich hier nicht mehr in Sierra Leone, sondern in Marokko durch die Gegend rollte. Die reinsten Truppen aus Holland, Belgien und Spanien zogen mit ihren höhergelegten Landcruisern inklusive modernstes Navi, überhohe Funkantennen an mir vorbei… Das wären eigentlich Fahrzeuge für das tropische Afrika. Aber für Marokko? Nunja, um ins tropische Afrika zu kommen muss man ja durch Mauretanien durch, wo man zu 100% entführt wird und, um Gottes Willen, Guinea mit der Reisewarnung!! Die Hölle auf Erden. Soviel dazu. Ich bin durch beide Länder 2mal gefahren. Ohne weitere Probleme. Soviel dazu.
Dann kam mal eine sympathische Tankstelle, wo ich gleich mal den Dieselvorrat ergänzte, auch in den Kanistern. Damit ich nicht ständig an den Tanken rausfahren muss. Kleinigkeit zu trinken, Schwätzchen mit dem Tankwart und weiter. Der hat sich nur leicht aufgeregt, dass noch kein Marokko Aufkleber auf dem Heck zu finden ist. Ich beruhigte ihn einfach: Jaja das kommt schon noch! Ich genieße doch erst dieses wundervolle Land.
Dann wurde die Landschaft etwas hügliger. Und grüner. Sah toll aus. Der Verkehr war auch so gut wie verschwunden… Ich fühlte mich wohl. Laut aufgedreht im Radio begleiteten mich die neu erworbenen CD’s. Ein herrliches Fahrgefühl…
Mit den Kilometern, die da gen Ouarzazate dahinflogen, wurde die Gegend wieder richtig bergig. Hoher Atlas, die zweite. Rein aus Interesse schmiss ich mal das GPS an, um die Höhe im Blick zu haben. Auf der Strecke selber zum Pass Tizi-n-Tichka (2260m) passierte an sich nicht viel. Mir fielen nur die verdammt vielen Mietwagen auf. Dazu… Ausflugsbusse. Diesmal allerdings nicht Rotel, sondern die Pauschis. Und die logische Konsequenz daraus wieder… Belagerung. Überall an der Straße stehen sie rum und wollen ihre „original“ Mineralien aus den Bergen verkaufen. Ein Beispiel: Ich sah, zu meiner Überraschung, an einem tollen Aussichtspunkt mal keinen dieser Jungs. Also fuhr ich raus, um mal ein paar Fotos zu machen. Die Blase drückte zudem a uch noch. Es vergingen keine 5 Minuten, da kamen sie angerannt; von weiter oben. Das ist nunmal die negative Begleiterscheinung von Pauschaltourismus und das hier scheint wohl eine beliebte Strecke für die Pauschis im Mietwagen oder Bus zu sein. Seis drum. Ich hatte mit denen keine Probleme, ignorieren und wegschubsen hilft. Da sind die in Schwarzafrika wirklich gscheiter… hartnäckiger.
Die Passhöhe kam immer näher, das GPS zeigte mir das Geklettere an, schon bald über 2000m. Die schneebedeckten 3Tausender zauberten ein tolles Panorama. Jenseits der 2260m gings dann wieder abwärts und es wurde wieder klar, dass dieses Gebirge eine Klimazonengrenze darstellt. Schlagartig wüstenartiger, kaum mehr Vegetation und brache Landschaft. Ich fands schön.
Der letzte größere Ort vor dem Draatal war dann die Oasenstadt Ouarzazate. Und da tauchte dann auch wieder ein mir vertrautes Geräusch auf… tock, tock, tock in schnellem Rhythmus von achtern. Verdammte Scheisse!! Was zur Hölle ist denn da wieder los? Mein geflicktes wieder aufgebrochen? Oder was anderes. Schau mer mal. Weiter richtung Zagora. Nach dem Ort Agdz gings dann los… mit den Lehmdörfern, den Kasbahs, dazu der Fluss Draa mit seinem fruchtbaren grünen Streifen rechts und links vom Wasser. Sah aus wie der Nil, nur in viel kleinerem Maßstab.
Auf einer leichten Anhöhe über dem Fluss, mit toller Aussicht, ging mir das Getockere auf die Eier. Ich hielt an und bockte den Boliden mal hoch. Ich untersuchte die bereits geflickte Manschette an der Antriebswelle. Mein Geflicke hielt weiterhin, allerdings war ein neuer Riss drin. Da muss mal die ganze scheiß Manschette weg. Aber erstmal flickte ich wiedermal den Riss mit Ölspray und Silikon. Die Trocknen-Pause nutzte ich zum Essen und Kaffee trinken. Und wieder tauchte ein kleiner Berberjunge mit Fahrrad auf. Wie schon letztes Mal… Lustig. Ich ließ ihn auch mal wieder ein paar Handgriffe machen. Damit machst den Jungs hier echt eine Riesenfreude. Der wird erzählen, bei seinen Freunden, wie er an einem MERCEDES rumgeschraubt hat, auch noch dazu das Auto von einem „Weißen“. Und weiter gings.
Ich wollte jetzt echt mal langsam ankommen. Camping hab ich mir auch schon einen im Därr rausgesucht. Ich kam dann in Zagora an, eine quirlige kleine Stadt mit allem drum und dran. An einer Ampel quatschte mich ein Typ mit seinem Moped an. Wo ich denn hinwolle. Ich sagte zum Campingplatz. Ob ich nicht in ein Hotel wolle… NEIN. Camping d’Amazrou. Ach, da kenne er jemanden, ich solle ihm einfach folgen. Gut, so kam ich gleich an, checkte dann ein und ließ mich noch fürs Abendessen eintragen. Ich war zu faul zum kochen. Ich suchte mir, nach dem Begrüßungstee dann ein nettes Plätzchen und zog noch mit dem Mopedtypen los in die Stadt. Ich fragte ihn halt mal, wo ich denn einen MA-Aufkleber herkrieg. Natürlich kannte er auch da wieder einen.
In Zagora selber war alles schon ziemlich auf den Tourismus ausgelegt und der Aufkleber-Latschi hatte natürlich noch Geschirr und Teppiche. Aber es lief sehr arabisch ab… Wir setzten uns, tranken Tee und ganz nebenbei schaute ich die Aufkleber durch. Es kamen dann noch 2 spanische Chicas dazu und es wurde irgendwie eine lustige Runde. Auf die anderen Kaufangebote reagierte ich freundlich ablehnend und dann fiel mir auf, dass ich ja mal langsam zum Essen wieder auf den Camping sollte. Also machte ich mich langsam los, überließ die Spanierinnen den Arabern und fuhr wieder runter zum Camping. Meinen Aufkleber hatte ich übrigens dabei. Plus eine Visitenkarte von einer Werkstatt, weil ich mich noch nach der Manschette erkundigte.
Das Essen war dann sehr gut, der Camping an sich sehr empfehlenswert. Liegt sehr schön, mit vielen Bäumen, auch Grasstellflächen für Zelte, gutes Essen und freundliches Personal. Neben mir waren noch einige andere da. Viele Franzocken mit ihren Joghurtbechern, eine Truppe Spanier mit 3 hochmodernen, zu Expeditionsmobilen umgebauten, Geländewagen… Es war was los. Ich schlief im Hotel „Zum Blauen Daimler“. Hatte mich immer noch nicht an die neuen Temperaturen gewöhnt und ich war zu faul, das Zelt aufzubauen.
Rkm 16 095 / 374 958