Dies soll vorwiegend ein Reisetagebuch werden, mit den ErFAHRungen in aller Welt mit meinem W123!
Ich schälte mich also, wie mittlerweile schon üblich, mit den ersten Sonnenstrahlen aus dem Bett. Frühstück, Abwasch… all das dauerte so seine Zeit. Die Rotel-Meute war auch schon unterwegs. Das ist doch wirklich kein Urlaub… nur Stress. Zack hier, zack da und das End vom Lied ist, dass du eigentlich vom Land selbst nix gesehen hast. Nur die Sehenswürdigkeiten. Und das ist nicht meine Reisemotivation. Ich will die Länder kennenlernen und wenn das noch so problematisch und nervenaufreibend sein mag wie in Guinea an den Kontrollposten. Aber das vermittelt dir einen authentischen Eindruck über das Land mit seiner Bevölkerung.
Nach der morgendlichen Prozedur schmiss ich mal das GPS an. Dank der Sonderkarte von Marokko war es möglich, auch mal nach Parkplätzen suchen. Und ich wurde fündig. Sollte einfach sein, dahin zu kommen und alles andere war dann ohne große Umwege zu Fuß zu erlaufen. Gewaltmärsche hatte ich nicht vor. Wozu hab ich denn ein Auto? Parkplatz bei der Kutubiya Moschee, das war das Ziel.
Ich genoss ein mal mehr den arabischen Großstadtverkehr und kam ohne Probleme da an. Der Wächter wies mich ein und meinte dann nur, ich solle erst bezahlen, wenn ich zurück komme. Um 8 abends macht er zu. Na von mir aus, das reicht dann auch. Ist ja noch der ganze Tag.
Ich stiefelte also los, bewaffnet mit dem Stadtplan im Därr. Punkte wie „Königspalast“ wollte ich links liegen lassen. Reicht mir von außen. Ich wollte das authentische Marrakech entdecken. So kam ich also durch ein Gewerbeviertel, wo ein Autoteilehändler neben dem anderen zu finden war, immer mal wieder Werkstätten und natürlich jede Menge Taxen. Allerdings waren da nicht alle Automarken vertreten. Eher nur eine… und die trägt den Stern auf der Haube. Ein wahres 123er Paradies. Kollegen in allen Variationen… höher, tiefer, T-Modell… hier war einfach alles vertreten. Und als ich da so die höhergelegten Kollegen sah, wurde mir einmal mehr klar, dass das mit meinem Blauen so nicht weiter gehen konnte. Der braucht auch mehr Bodenfreiheit. Im Herbst soll das spätestens geschehen. Ich bezweifle, dass ich das noch nach der Rückkehr auf die Reihe bringen werde.
Ich stiefelte weiter, an den Mauern des Palastes entlang und was mir hier auffiel, waren die vielen Gewürz- und sonst was Händler, die mit aller Macht die Massen an Touristen in die Läden reinziehen wollten. Mich bekamen sie nicht. Einer war ganz besonders hartnäckig. Ich sagte ihm dann einfach: „Ja, nachher, inshallah“. Ich liebe diesen arabischen Ausdruck. Es erlaubt dir einfach immer freundlich abzulehnen und wenn Gott es will, dann trifft man sich eben wieder. Wenn nicht, wars das. Herrlich. So kam ich also, leicht genervt von der Touriinfrastruktur, am Eingang des Palastes vorbei. Rein wollt ich ja nicht. Ich wollte mal in die Gassen dahinter. In die Mellah, also das Judenviertel. Rein in die mittelalterlichen Gassen, fernab vom Tourifang am Palast. Doch da machte ich schon die nächste Begegnung. Aber, ich muss sagen, im Vergleich zu Schwarzafrika ist das hier sowas von angenehm… Man wird die auf Wunsch einfach immer mit einem Lächeln und Freundlichkeit los. Dieser hier, ich nenn ihn mal Achmed, gab sich als Führer aus. Der war etwas hartnäckiger als die anderen und klebte an mir wie eine Klette. In einer Tour laberte der auf mich ein, dass es doch zum Palast DA lang ginge. Ja, du Depp, das weiß ich selbst, da komm ich doch grad her. Wenn ich da rein wollte, wär ich schon längst drin.
Unbeirrt stiefelte ich ins Gassengewirr der Mellah rein. Und genau so stell ich mir das vor. Mit einem Schlag war kein Europäer mit Rucksack und 1000€ Canon Kamera auf dem Bierbauch mehr zu sehen. Nur noch ich und Achmed. Ich ließ mich einfach treiben… mal da rein schauen, mal da… oh, Sackgasse, egal… imposant. An den Häusern waren Ornam ente aus dem Judentum zu finden. Davidssterne, die typischen Kronleuchter. Und das war dann wieder der Startschuss für „Achmed“. Er erklärte mir, dass das alles jüdisch sei. Echt?? Oh mann, gott sei dank hab ich dich getroffen. Sonst wär ich da nie drauf gekommen. Dann wieder Achmed: „Zum Palast geht’s da lang“. Ja sag mal. Stellt der sich nur so blöd? Das kann unmöglich echt sein. Wie oft hab ich dem schon erklärt, dass ich da nicht hin will?? Davon mal abgesehen weiß ich selber, wo der Palast ist. Wer alleine durch Schwarzafrika fährt, braucht ein gewisses Maß an Orientierung. Die Klette ließ sich einfach nicht abschütteln. Es wurde mir langsam zu viel. Also musste ich mal einen Gang höher schalten.
Ich stoppte und es begann folgende Konversation:
Ich: Also, du bist Reiseleiter? Touristenführer?
Achmed: Ja, natürlich!
Ich: Bis jetzt hast mir aber noch keine gscheiten Informationen gegeben. Zeig mal deinen Ausweis.
Achmed (kramt in der Tasche): Ohhhh, den muss ich wohl zuhause vergessen haben. Oublieeeee!!!
Ich (laut lachend): Na sooooowas! Dann zeig ich dir mal was. Hier, das ist MEIN Reiseleiterausweis. SO sieht sowas aus. Und nun nochmal: Ich will nicht in den Palast und ich bin mein eigener Reiseleiter. Kapiert? Oder soll ichs dir nochmal aufschreiben?
Achmed (nur Schweigen): ….
So das wars. Er trollte sich und suchte nach weiteren Opfern. Ich war ihn jedenfalls los. So einfach ist das in Schwarzafrika nicht…
Ich traf dann noch eine Chinesin, die da ganz alleine umherwandelte, natürlich bewaffnet wie alle Fernostler, mit Stativ und teurer Digitalkamera. Das sollte das nächste Opfer für Achmed sein, aber nach dem Erlebnis mit mir, gab er hier recht schnell auf. Gesprächig war die auch nicht grad, deshalb ließ ich sie dann auch links liegen und zog meiner Wege.
Ich kam dann wieder bei dem hartnäckigen Gewürzhändler vorbei. Und weil ich einen Tee vertragen konnte und Gott anscheinend es so wollte, ging ich mit in den Laden. Der junge Typ hieß jetzt tatsächlich Ahmed. Das war schon interessant da drinnen. Diese Gewürzberge. Und dann fiel mir ein, dass Marokko ja ein Safranparadies ist. Das Zeug gibt’s hier zum Schleuderpreis, gemessen am Preisniveau in Mitteleuropa. Ich dachte dann an die Zeit, die mich in Griechenland als Reiseleiter wieder erwartete und dachte so bei mir, dass ich hier zum Kochen ja mal bissel Safran mitnehmen könnte. Muss es nur geschickt anstellen.
Der Tee kam und wir unterhielten uns. Ich erzählte von meinem Trip, sie von den Gewürzen. Der Tee war vorzüglich. Und so läuft das ja im arabischen Raum. Wir befanden uns bereits in inoffiziellen Verhandlungen. Ich ließ mein Interesse für Safran durchblicken und der Besitzer des Ladens fuhr alle möglichen Arten auf. Roter, gelber…einfach alles. Als Hobbykoch wollte ich ein bissel von dem roten Zeug haben. Beim dritten Glas Tee ging es schon langsam um den Preis. Natürlich war mir alles zu teuer. Ich erzählte immer wieder von meiner Low-Budget Tour und wie teuer doch Schwarzafrika mit den ganzen Schmiergeldern war. So kam es also, dass ich den Preis nach 40 Minuten schon um 60% runter hatte. Das sollte aber noch nicht das Ende sein.
Schließlich verließ ich den Laden, mit meinem Safranbeutel, Preis um 80% gedrückt. Ich zahlte dann noch so um die 45 Dirham, macht ca 4,50€, für über 10 Gramm. Das passt. Das war eine nette Begegnung. Anfangs dachten die halt auch, ich sei ein normaler Touri, aber dann ließen die beiden, der richtige Ahmed und der Besitzer des Ladens, ihr arabisches Gesicht durchblicken. Es gab dann noch ein Foto mit Ahmed, draußen auf der Straße, was ich ihm via Facebook zuschicken soll.
Mein weiterer Weg führte mich in die vollen Gassen der Medina, zu den Souqs. Auch da wieder… Voll, voller am vollsten. Stört mich nicht im Geringsten, solang da Marokkaner rumgehen. Aber hier waren Busladungen mit Europäern unterwegs… Und viele der Stände boten einfach nur Bullshit an. Berberprodukte. Jaja, made in Taiwan wahrscheinlich. Wenn ich Berberzeug kaufen will, mach ich das auf irgendwelchen abgelegenen Routen im Hohen Atlas. Wie die Kette für meine Sandra. Deshalb zog ich es auch hier vor, etwas in die Gassen zu schnuppern, wo teilweise nur geduckt ein Vorwärtskommen möglich war. So bekam ich die Hintereingänge der Schreinereien etc zu sehen. Die Bewohner ebenso. Die guckten zwar etwas verwirrt, dass jetzt da ein Europäer rumirrte… aber gut. Auf dem Rückweg aus den Gassen der Medina kaufte ich dann noch ein paar CD’s. Und dann war ich wieder auf der Av. Mohamed V. Jetzt noch ein Internetcafe und dann was essen.
Internet war gleich gefunden, es wurde schon langsam dunkel und ich spazierte die Haupteinkaufsmeile hoch. Eine moderne Einkaufstraße mit Leuchtreklame, jungen knapp bekleideten und natürlich nicht verschleierten Marokkanerinnen und Geschäfte aller Marken. Ich fand ein nettes Restaurant, wo ich mich hinpflanzte. Dort gabs dann noch ne leckere Tagine und es war einfach herrlich, die ganzen Touristen zu beobachten. Mit dem jungen Kellner unterhielt ich mich auch noch. Wo ich denn herkomme. Aus Deutschland. Oh, da wolle er auch unbedingt hin!! Das Paradies! Ich schaute ihn dann etwas verwirrt an und fragte ihn, warum er denn dahin wolle. Ich komm da zwar her, bin aber nicht scharf drauf, wieder dahin zurück zu kommen. Er will wegen des Geldes hin. Da kann er mehr verdienen als hier. Ich schlug ihm einfach vor, die Idee ganz schnell zu vergessen. Er hat doch hier, grade in DIESER Stadt alles. Allen Komfort, es gibt Internet, freundliche Menschen, tolle Frauen… und ich erklärte ihm mal, WARUM in Deutschland mehr verdient wird. Ich rechnete ihm mal vor, was an Miete zu bezahlen ist, was ein Auto kostet, was Essen gehen kostet usw. Da fiel er fast um. Hat er nicht gewusst.
Nach dem Zahlen gings zurück zum Auto. Mittlerweile wars schon richtig dunkel und die Kutubiya Moschee war wunderschön beleuchtet. Mein Auto stand noch unversehrt da rum, ich zahlte denn Parkplatzwächter und stellte fest, dass ich vergessen hatte, abzuschließen. War aber noch alles da. Sieht man mal wieder. Sich immer nur Sorgen machen, typisch deutsch. Passiert doch sowieso nix.
Ich fuhr dann zurück zum Camping und ging bald darauf auch schlafen. Die Rotel-Meute war weg, kam auch nimmer zurück. Die waren wahrscheinlich schon in Fes und haben sich dort bereits die halbe Stadt angeschaut.
Fazit des Tages: Marrakech ist eine wunderschöne, alte Stadt mit allen Vorzügen des Westens. Freundliche Menschen, wenn man sie mal näher kennenlernen darf. Allerdings müssen dafür die Touristenpfade von Sichtsehenspunkt zu Sichtsehenspunkt verlassen werden. Wunderbarer Tag. Gute Nacht.
Rkm 15 713 / 374 575