Dies soll vorwiegend ein Reisetagebuch werden, mit den ErFAHRungen in aller Welt mit meinem W123!
Gut eingelebt hab ich mich mittlerweile in meinem blauen Heim. Sehr erholsam war die Nacht. Heute sollte es bis Marrakech durch gehen, es war auch nicht mehr weit. Als ich also munter wurde, wollte ich mir Kaffee machen. Das scheint der Typ in seinem Kabuff irgendwie mitbekommen zu haben. Denn der erschien mir dann und brachte mir frisch aufgebrühten Tee zum Auto. Ich war erstmal sprachlos, aber ein kurzes „Shukran“ brachte ich dennoch über die Lippen. Es gab also zum Frühstück mal keinen Kaffee, sondern Original-Berber-Tee.
Ich machte mich dann langsam abfahrtsfertig, brachte dem Arbeiter noch die Teetasse zurück, bedankte mich nochmal mit Händ und Füß für seine Gastfreundschaft und mein Schiff legte ab. Ab zur Passhöhe. Die Landschaft wurde auch immer schroffer, immer wieder plätschernden kleine Wasserfälle über die Straße. Das Schmelzwasser aus noch größeren Höhen… dann kam die Passhöhe. Dort war natürlich wieder was für Touristen geboten. Souvenirstände mit Bergkristallen, Teestuben… mann o mann. Der Markt ist allerdings da, Mietwagen hab ich hier schon zur Genüge gesehen. Agadir ist ja nicht weit… kann mir gut vorstellen, dass hier einige Pauschis mit dem Mietwagen von TUI mal in die Berge zu den Berbern fahren. Aber solche Erlebnisse, wie mein Frühstückstee, das werden die halt nie erleben.
Auf der Passhöhe hielt ich kurz an, um auch ein paar Fotos zu machen. Fantastisch, der Ausblick. Mal schauen, wie es auf der anderen Seite des Gebirgszugs ausschaut.
Und genau da hats mich schier umgehauen. Schneebedeckte 4Tausender Gipfel, kleine Bächlein aus Schmelzwasser, die die Straße querten, mehr und weniger Bewuchs… atemberaubend. Dazu kam noch die tiefstehende Morgensonne, die das Atlasgebirge in ein einzigartiges Licht tauchte. Genau das, was sich mir hier bot, erwartet man in der Regel nicht von Marokko. Erinnert schon mehr an die Hochalpen… nur ohne Steinböcke. Es ist unglaublich schwer, dieses Panorama, diese Landschaft in Worte zu fassen, deshalb gibt’s der Einfachheit halber ein Video. Der Link dazu hier: Fahrt durchs Atlas Gebirge, Marokko 2010
So kam ich immer weiter runter ins Tal in richtung Marrakech. Schnell fahren war aufgrund der vielen engen Kurven und des Straßenzustandes sowieso nicht möglich und normalerweise ist das ein Alptraum, mit 30-40 Sachen rumzukriechen, von einer Kurve in die andere und die Entfernungen nach Marrakech am Straßenrand werden und werden nicht geringer. Hier aber nicht… Die Landschaft ließ das Gekrieche sehr, sehr kurzweilig erscheinen. Eigentlich genau das Gegenteil… durch das langsame Fahren, war es möglich, die Landschaft richtig gut zu genießen.
Weiter unten im Tal, die schneebedeckten Gipfel waren nur noch zu erahnen, tauchten dann auch die ersten Berberdörfer auf. Jahrhundertealte Kasbahs, Bauten aus Lehm und das alles direkt am oder oberhalb des Flusses. Im Därr las ich, dass sich hier eine Moschee aus dem 12.Jh. befindet namens Tin-Mal, der Ursprung der Almohaden. Keine Ahnung, wer das war, aber es hörte sich interessant an. Also war der Plan, diese Moschee mal anzuschauen.
Ich wollte dann mal paar Fotos von den Dörfern da machen und fuhr deswegen mal rechts ran. Hier unten war die Straße auch wieder breiter. Da kamen auf einmal 2 Marokkaner aufm Moped vorbei und hielten ebenfalls an. Was die nur jetzt wollen? Wird sich gleich rausstellen. Die Konversation ging dann in etwa so (auf französisch):
Ich: Selam!
Er: Selam! Brauchst du Hilfe? Panne?
Nein, nein, ich mach nur ein paar Fotos von dem wunderschönen Tal hier…
Achso, wo willst denn hin?
Nach Marrakech, aber vorher noch nach Tin-Mal. Wo ist denn da der Abzweig?
Ach, mach dir keine Gedanken, fahr uns einfach hinterher, ich hab da nämlich eine Teestube. Da trinken wir einen Tee und du kannst dir die Moschee anschauen.
Wunderbar, shukran! Ich mach nur noch paar Fotos.
Ok, wir warten solang.
Wieder war ich von der Hilfsbereitschaft der Berber hier überrascht. Und ich hatte ein gutes Gefühl bei den Beiden, deshalb ließ ich mich darauf ein. Im Hinterkopf hatte ich sowieso Schwarzafrika, also könne mir hier eh nix passieren. Passt schon.
Ich fuhr dem Moped also hinterher, auf die andere Seite des Flusses und wir erreichten seine Teestube, direkt an der Tin-Mal Moschee. Es war ja noch früh am Morgen, deshalb machte er den Laden erst auf. Nebenher bereitete er Tee zu. Wir setzten uns dann hin und unterhielten uns. Natürlich sprach er auch seine Teppiche und sonstiges Zeug an, was er da verkaufte. Ich machte ihm aber gleich klar, dass ich vorerst eh nix kaufen will. Angeschaut hab ich trotzdem alles. Und da sah ich eine Kette, die gut zu meiner Sandra passen würde. Dann ging das Handeln los. Er erklärte mir, dass es üblich sei, bei den Berbern zu tauschen. Aber ich hatte nix zum Tauschen. Also gings nun um Preisverhandlungen. Natürlich verbarg ich mein Interesse an der Kette, so bekam ich den Preis ordentlich runter. Ich kaufte sie. Sie war orginal von Berbern aus Handarbeit hergestellt und nur mit Steinen, die der Hohe Atlas so hergibt. Jede Kette war einzigartig, unterschiedlich, also tatsächlich Handarbeit. Und hier kommen ja sowieso nicht so viele Touris vorbei, als dass man sofort von Abzocke sprechen könne. Das passt schon.
Dann schaute ich mir die Moschee, an traf dort noch Deutsche mit ihren Joghurtbechern. Natürlich wurde wieder gequatscht. Ach, dir gehört der Daimler da… jaja. Dann stellte sich heraus, dass einer der Camper in vergangener Zeit mit dem Motorrad nach Kapstadt runter ist… solche Dinge. Also wirklich mal andere Camper. Die machen das jetzt auch nur, weil in deren Alter andere Dinge nicht mehr so einfach von der Hand gehen. Und irgendwie ist’s ja gut, dass die nicht nur zu Haus rumsitzen und Zwei bei Kallwass schauen.
Dann wurds Zeit, weiter nach Marrakech zu fahren. Den Tee bezahlte ich übrigens nicht, ich war eingeladen, deshalb bedankte ich mich nochmal und fuhr davon. Mit Passagier. Ein Kumpel von dem Teestubenberber wollte noch in den nächsten Ort runter. Also nahm ich ihn mit.
Der Verkehr wurde immer dichter, auch weil ja Sonntag war. Viele Familien fuhren raus zum Grillen am Fluss. Und Marrakech kam immer näher. Ich kam durch den Kurort Asni durch, dann lag der Atlas hinter mir. Es ging schnurgerade weiter auf Marrakech zu. Nur noch 35 km.
Ich wollte zum „Camping Ferdaous“, der einzige Camping, der im Därr steht. Hotel stand nicht zur Debatte. Dazu musste ich durch ganz Marrakech durch, da der Camping in richtung Casablanca liegt. Ich kam dann mitten in der Stadt an. Mit GPS und Därr Stadtplan versuchte ich mich durch die Millionenmetropole durchzunavigieren. War nicht ganz einfach, weil der Verkehr natürlich auch entsprechend war. Ich bekam schon einen ersten Eindruck der alten Herrscherstadt, kam direkt am Königspalast vorbei, prachtvolle Moscheen und Geschäfte in allen Preislagen waren zu sehen. Was für eine Stadt!! Prachtstraßen mit mächtigen Kreuzungen, dazu der arabische Großstadtverkehr. Es machte einen Heidenspaß!! Orientierungsprobleme hatte ich kaum, auch weil die Ausschilderung erstaunlich gut war. So ne gute Wegweisung hatte ich schon seit Tausenden von Kilometern nicht mehr; südlich der Sahara.
So kam ich also irgendwann wieder richtung Casablanca raus und da kam er… der Marjane. Diese riesigen Einkaufszentren in Marokko und IMMER ist ein Mc Donalds dabei. Das musste sein! Es war auch schon lang Essenszeit. Also, noch bevor ich aufm Camping eincheckte, erstmal rein da und Burger fressen. Mann, war das geil! Diese Zivilisation… Frauen in knappen Klamotten, Werbung, Elektronik… unfassbar. Und die Burger… ein Traum.
Dann gings weiter zum Camping und die Tankstelle, wo ich abbiegen musste, war auch gleich zu sehen, U-Turn und da war ich. Ich checkte ein, fuhr zu den Zeltplätzen und baute mein Haus auf. Mitten im Heim der Pfauen, die da rumstolzierten und schon so an Menschen gewöhnt waren, dass die überhaupt keine Scheu mehr zeigten. Wieso hab ich denn davon kein Foto? Man verzeihe es mir… irgendwie vergessen.
Ich richtete mich also ein, fuhr dann nochmal zum Marjane, um paar Sachen fürs Abendessen einzukaufen und dann hieß es erstmal: Faulenzen und Eindrücke verarbeiten.
Gegen abend fiel dann noch eine Ladung Rotel-Tours Gäste ein und die parkten ihren Viehwagen natürlich direkt gegenüber von meinem Zelt. Na dankeschön. Das kann ja ne heitere Nacht werden. Dann wurde aufgebaut. Bierbänke, das Barbecue, der Rotel-Koch legte los und dann lief noch der Generator für die Festbeleuchtung. Dass soll Overland-Tourismus sein? Da wär mir jeder verdammte Cent zu schade für so einen Blödsinn. Hauptsache irgendwie auf Individualismus machen. Und ganz spontan und individuell steht auch schon das Besichtigungsprogramm für den nächsten Tag fest. Bravo.
Der Camping an sich war sehr gut besucht, auch ein paar Zelte waren da. Meine Nachbarn bekam ich allerdings nie zu Gesicht… keine Ahnung wo die rumhängen. Ich kochte jedenfalls dann mein Gulasch, wehrte mich erfolgreich gegen die gierigen Pfauen (ohne Böller!) und fiel dann bald ins Bettle. Ich freute mich auf Marrakech morgen.
Rkm 15 677 / 374 539