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Dies soll vorwiegend ein Reisetagebuch werden, mit den ErFAHRungen in aller Welt mit meinem W123!

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03.04. Tag 68 Sackgasse für den Daimler...

Ich wurde wieder zeitig wach, auch aufgrund der Temperaturen. Heute morgen warens grad mal gute 8 Grad… das bin ich nimmer gewöhnt. Sowieso wird sich jetzt einiges ändern, grade in puncto Städte. So banale Dinge, die in unserer Konsumgesellschaft selbstverständlich sind, werde ich jetzt auch wieder genießen können. Seien es Städte mit Kulturdenkmälern / alten Vierteln, Restaurants mit Speisekarten, Shopping-Zentren und, und, und… All das ist in sehr, sehr vielen Teilen südlich der Sahara alles andere als selbstverständlich. Wie werde ich darauf reagieren? Noch fühle ich mich der Einsamkeit näher hingezogen als der Gesellschaft. Wie hier… an diesem wunderschönen Ort. Kein Mensch, Einsamkeit.


Nach dem Frühstück gings dann weiter, zuerst mal wieder hoch zur Hauptstraße, die mich nach Tafraoute führen sollte. Die Strecke ist einfach der Wahnsinn. Zwar verfranste ich mich noch kurz. In irgend so nem Kaff bin ich falsch abgebogen. Eigentlich bin ich überhaupt nicht abgebogen, aber es war  die falsche Strecke. Ein kurzer Blick aufs GPS reichte, ich drehte und fuhr richtig rum weiter. Dieses komische Tock-Tock-Geräusch von achtern her, was ich ja schon in Laayoune hörte, war auch wieder und unterhielt mich. Keine Ahnung was das sein soll… ich konnte einfach nix Verdächtiges finden. Und das Auto fährt. Also weiter ignorieren.


Unterwegs tauchten aAnti Atlas - uralte Kasbah vor Tafraouteuch jetzt die in der Michelin-Karte verzeichneten Kasbahs auf. Rechts und links der Straße… und ich war froh, schon so früh gestartet zu sein, denn das frühe Morgenlicht, mit der noch relativ tief stehenden Sonne tauchte die Landschaft in ein einzigartiges Licht. Vor allem, als dann noch diese Felsformationen auftauchten, kurz vor Tafraoute. Diese Oase wird im Därr als in „wunderschöner Umgebung“ gelegen beschrieben und jetzt wusste ich auch, warum.


Dem Ort an sich konnte ich jetzt nix abgewinnen, nutzte ich einfach als Transit. Ich wollte von Tafraoute aus üb er die R106 nach Igherm weiter in richtung Hoher Atlas, dort rüber nach Marrakech. Diese kleine Nebenstraße war sogar im GPS drin, sollte also kein Problem sein. Ich sollte mich täuschen.


Ich bog dann in Tafra selber rechts ab, wo die Straße wieder aus dem Ort raus ging. Vorbei an schroffen Felswänden gings weiter, bis zu einer kleinen Siedlung. Da stand ein Wegweiser nach links. Agadir. Grob sogar die richtige Richtung. Allerdings war da keine Straße mehr, sondern vielmehr eine schmale Piste. Aber gut, mich beunruhigte das alles relativ wenig, denn diese schmale Nebenstraße… weiß Allah allein, ob die tatsächlich asphaltiert ist. Anscheinend nicht. Also weiter.


Verkehr war kaum mehr, nur einige Baraber kamen mir entgegen, auf Mopeds und Fahrrädern. Sie schauten mich entgeistert an, ich grüßte einfach nur freundlich. Die Gegend war atemberaubend. Felsformationen, karge Vegetation und je weiter ich kam, je einsamer wurde es wieder. Nicht mal Ziegen waren zu sehen.


Die Piste wurde immer schmaler, die Landschaft spektakulärer. Langsam hatte ich so meine Zweifel, ob das wirklich die richtige Strecke war. Aber die Umgebung trieb mich dazu, einfach weiter zu fahren. Wenn ich nachher in Agadir rauskomm, ist das auch kein Beinbruch. Es kam ein weiterer Abzweig. Ein Wegweiser wies nach links, der nach rechts war nur ausländisch. Also links. Allerdings war das jetzt auch keine Piste mehr. Mehr ein Feldweg oder Eselspfad. Der Daimler rollte aber immer weiter. Es kamen noch einige schwierigere Passagen durch Furten hindurch, bis ich in einer Sackgasse landete.


Marokko---jetzt-bereist--2173.JPGHier gings zwar weiter, aber diese eine entscheidende Furt war nicht mehr befestigt. Hier war Schluss, es ging für meinen Blauen nicht mehr weiter. Unglaublich eigentlich, nach insgesamt 15.249km quer durch Schwarzafrika, mit Ländern wie Guinea, wo Asphalt ein rares Gut ist, durch Nationalparks, wo logischerweise auch keine Autobahnen durchführen… und hier, im westlichen Marokko, mit an sich sehr guter Infrastruktur, ist Sackgasse. Sehr schade. Aber ich kanns nicht ändern. Ich wage sogar mal die Aussage, dass dieses Wadi nicht mal mit einem Seriengeländewagen zu machen wäre. Wenn, dann nur Unimog oder höhergelegter Ländi / G Modell… sowas wär vonnöten. Nix für meinen Blauen.


Allerdings war die Landschaft so geil, dass ich einfach hier blieb. Kaffee, Zigarette, Zweites Frühstück… ich breitete mich aus. Mit Verkehr war sowieso nicht zu rechnen, also genoss ich einfach die Sonne und die tolle Umgebung. Das witzige war nur… Laut GPS war ich auf der R106… versteh wer will. Ich tu’s nicht.


Pause vorbei, selber Weg zurück. Jetzt verstand ich auch, warum mich die auf den Mopeds vorhin so entgeistert angeschaut haben. Die wussten wohl, dass es da oben heißt: Nix geht mehr. Mir wars wurscht, es war ein wunderschöner Abstecher. Zurück in Tafraoute schloss ich einfach mal, dass ich da falsch abgebogen war. Also in die andere Richtung. Das sah schon besser aus. Und das Tock-Tock war auch wieder verschwunden. Das kann ich mir auch noch nicht erklären. Nunja, es kam dann tatsächlich der Abzweig auf die richtige R106 nach Igherm. Und da gings dann auch schon los… die ersten Joghurtbecherkolonien. So werden im Folgenden die Franzosen mit ihren Hymer Mobilen bezeichnet, die auf Sat-TV etc nicht verzichten können. Also, wenn die da lang fahren, kann die R106 nicht so schlecht sein. Wenn ich da an die Piste denke, von der ich dachte, das sei die R106… nix für Joghurtbecher.


Ich kam dann heile in Igherm an, allerdings wollte ich noch Brot haben. Ich fand ums Verrecken keinen Brottandler. Das gibt’s doch nicht. In dem Kaff da gabs hundert und ein Läden aber keiner hat Brot. Ich will ja auch kein Dinkelkorngrünzeug oder so, einfach nur ein verfluchtes Fladenbrot! Es war unglaublich. Ich wurde einfach nicht fündig. Bullenkontrolle gabs auch noch, aber der war einfach nur freundlich. Nix mit Korruption oder Schikane… sehr angenehm. Ich fuhr unverrichteter Dinge raus aus Igherm, grüßten den Bullen nochmal (würd mir in Deutschland nie einfallen) und begab mich auf den Weg nach Taroudant.


Unterwegs fuhr ich noch auf eine Anhöhe rauf, machte mir was zu essen und stellte mir Anti Atlas - die Regenschattenseitedas Brot einfach vor. Ich fraß die Eier und den Speck halt ohne. Bei der Gelegenheit, nach dem Essen, schaute ich wieder mal nach dem Tock-Tock. Und, kaum zu glauben, ich wurde fündig. Steuerbordseite, die Gelenkwellenmanschette muss irgendwo leck geschlagen haben. Das schwarze Schmierfett war säuberlich verteilt am Chassis zu sehen. Übeltäter gefunden. Ich bockte den Blauen also mal bissel hoch, suchte den Riss in der Manschette und sprühte da einfach mal bissel Schmieröl rein. Dann das Ganze noch mit Silikon abdichten, fertig. Allerdings muss das erstmal ordentlich trocknen. In der Zeit beschäftigte ich mit dem kleinen Jungen, der auf seinem Fahrrad vorbeikam und mich neugierig beobachtete. Was zum Teufel treibt denn der verrückte Europäer da unter dem Auto? Ich konnte es ihm nicht erklären, denn des Arabischen bin ich immer noch nicht mächtig und er nicht dem Französischen. Aber ein freundliches Kerlchen. Natürlich wollte er helfen und ich ließ ihn dann den Wagenheber runterkurbeln. Das freute ihn. Bis jetzt hatte ich wirklich nur angenehme Begegnungen, gut, es waren noch nicht viele, aber… der Eindruck ist ein ganz anderer als in den Tourigegenden von Agadir und vor allem dem Drecksloch Tanger. Ich fuhr weiter.


Ich kam dann in der Flussebene des Sous an, der Verkehr war dramatisch angestiegen, das Tock-Tock verschwunden… also alles bestens. Kleine Anekdote noch von der Überquerung des Flusses Sous. Da wird grade eine neue Brücke gebaut. Ich hatte so einen durchgeknallten Marokkaner in seiner Plastikkarre hinter mir, der mich halsbrecherisch überholte, noch vor der Baustelle. Dann kam es… das Terrain meines W123. Der Verkehr wurde quasi unter / neben der neuen Brücke hergeleitet und das eben auf einer improvisierten Piste. Das war mein Moment der Rache für das Überholmanöver vorhin.


Der Typ bremste runter auf 30 Sachen, meine Beurteilung der Piste lautete: mind. 90km/h machbar. Als genügend Platz war, zog ich an der Plastikkarre vorbei und hüllte den da in eine Staubwolke ein, die ihresgleichen sucht. Natürlich fuhr ich nicht viel schneller als er, denn ich wollte ja, dass er noch was von der Staubwolke hat. Depp, da. Rumrasen wie ein Bekloppter, aber kaum unbefestigten Untergrund unter den Rädern, schon hat er Angst um sein zweites Frauchen namens Toyota. Erinnert mich schon sehr an Mitteleuropa… dieses Verhalten.


Auf der Fernstraße N10 schlug ich dann die Richtung „Marrakech“ ein. Da kam endlich ein Tandler, der alles zu verkaufen schien. Endlich bekam ich mein Brot. Und Cola. Und Wasser. Sprit wurde auch  noch gefasst und bald kam schon die im Därr hochgelobte Strecke über den Pass „Tizi-n-Test“ im Hohen Atlas. Dort oben wollt ich dann irgendwo übernachten. Schon die schmale Straße, die direkt auf die Berge des Hochgebirges zuführte war beeindrucken. Ständig sah man schon die noch schneebedeckten 3- und 4Tausender. Der Verkehr nahm auch immer mehr ab, die Sonne neigte sich… es wurde Abend im Hohen Atlas.


Hoher Atlas - der Weg zum Tizi n Test PassDer Blaue und ich, wir erklommen Kurve um Kurve die Berge, erst noch durch waldige Abschnitte, auch das änderte sich dann immer mehr, je höher wir kamen. Die Temperatur sank auch entsprechend. Immer wieder gab es unglaubliche Aussichten zu genießen; runter ins Tal des Flusses Sous. Die Beschreibung im Därr war, so finde ich, sogar noch untertrieben. Und warum die Strecke auf der Michelin-Karte mit dem Zusatz „gefährlich oder schwierig“ versehen ist, weiß ich auch nicht. Aber dafür hab ich wahrscheinlich in Schwarzafrika zuviel erlebt und durchgemacht, so dass mir die Strecke hier keine Probleme bereitete. Nur bei Gegenverkehr wird’s halt manchmal eng. Gut und Leitplanken an den Steilhängen darf sich der Fahrer auch nur vorstellen. Aber sonst… 1A.


Als es dann wirklich langsam dunkler wurde, war es wieder an der Zeit, einen NachtplatzHoher Atlas - mein Nachtplatz; unromantisch, aber gut verst zu suchen. Ich sah dann auf einmal, nach einer der zahlreichen Kehren, eine Piste nach rechts hochführen. Die probierte ich einfach mal aus. Ich landete an irgendeinem Minenschacht oder was weiß ich, was. Jedenfalls standen da noch Baumaschinen rum. Ich dachte mir, das ist der perfekte Platz. Nachts arbeitet hier ja doch kein Mensch, ich kann mich neben dem Radlader sehr gut verstecken und obendrein hab ich noch ne super Aussicht ins Tal runter. Hervorragend. Für Zelt wars eh zu kalt, also brauchte ich auch kaum Platz. Ich parkte den Daimler rückwärts neben dem Radlader und kochte mir mein Abendessen. Nach dem Essen tauchte dann doch ein Arbeiter auf. Wieder nur Arabisch. Kann ich aber nicht. Mit Händ und Füß fragte ich, ob ich denn hier störe. Nach seinen Gesten her zu urteilen, störte ich ihn nicht, er wäre eh da drin, in dem Kabuff. Hm. Ok. Patt Problämm, sagte ich, Tamam. Alles ganz freundlich, mit viel Lachen… sehr angenehm. Im Senegal hätte er wahrscheinlich ne Parkgebühr verlangt oder so. Nicht so in Marokko…


Diese Aussicht… unbeschreiblich. Ich liebe Marokko, soviel kann ich schon jetzt sagen. Die Menschen, mit denen ich bis jetzt zu tun hatte sind alle unbeschreiblich nett und freundlich und auch hilfsbereit. Und zwar von Herzen, nicht weil sie dein Geld wollen. Das Land an sich ist schon jetzt so facettenreich, dass ich es kaum in Worte fassen kann. Für mich stand schon jetzt fest: Ich hab, wieder mal, zu wenig Zeit. Hier muss ich nochmal her. Für einige Wochen. Und dieser Eindruck sollte sich noch verfestigen.


Nachtplatzkoordinaten: N 30°50,702‘            W 08°22,959‘


Rkm 15 487 / 374 349

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