Overblog Alle Blogs Top-Blogs Reisen & Veranstaltungen
Edit post Folge diesem Blog Administration + Create my blog
MENU

Dies soll vorwiegend ein Reisetagebuch werden, mit den ErFAHRungen in aller Welt mit meinem W123!

Werbung

02.04. Tag 67 von der Sahara in den blühenden Anti-Atlas

Es war bitterkalt diese Nacht. Dennoch habe ich ziemlich gut geschlafen und ich freute mich auf das Frühstück im Camping. Gestern abend waren ja noch zwei französische Pärchen beim Essen, mit denen ich mich kurz unterhielt. Das Übliche eben… Das Woher und Wohin… die staunten nicht schlecht, als sie meine Geschichte hörten. Aber wenigstens waren die nicht mit irgendwelchen HighTech Joghurtbechern unterwegs sondern mit normalen Fahrzeugen. Zwei mit nem Hyundai Accent Mietwagen und zwei mit nem Landcruiser. Beim Frühstück allerdings traf ich die 4 nicht mehr.


Nachdem ich dann bezahlt hatte und mich abfahrfertig gemacht habe, liefen sie mir doch noch über den Weg. Wir wünschten uns gegenseitig gute Reise und es ging weiter. Ich holperte nochmals über die Wellblechpiste zur Asphaltstraße und ab die Post in richtung Tan-Tan / Guelmim. Die letzten Wüstenkilometer… Wie geht es nun weiter? Ganz grob hatte ich einen Plan in meinem Kopf. Die Versicherung für Marokko gilt 10 Tage, Arbeitsbeginn auf Kos wird der 1. Mai sein und dazwischen wollt ich auch noch einen Puffer haben, um nicht wieder von der freien, individuellen Art zu Reisen in den Pauschaltourismus zu geraten. Das galt es zu vermeiden. Ich wollte heute irgendwie mal so in den Anti-Atlas rein, dort übernachten und auf diesem Wege irgendwie nach Marrakech. Das war so die Idee.


Unterwegs passierte nicht viel. Die Straße zog sich so dahin und in Sidi Akhfennir wurde nochmal Sprit gefasst. Einfach super hier… Zollfreies Gebiet der Westsahara. Diesel billiger als Milch. An dieser Tankstelle traf ich lustigerweise die zwei Franzosen wieder vom Camping mit ihrem Landcruiser. Wir quatschten noch ein wenig, begutachteten nochmal die Fahrzeuge und dann ging es wieder weiter.


El Ouatia kam wieder in Sicht und das ist wirklich ein Schandfleck hier. Der Inbegriff der Hässlichkeit. Laut Därr gibt’s hier ne Raffinerie und genauso siehts auch aus. Hier muss man nicht verweilen… Weiter durch Tan-Tan. Hier gab es nochmals einen Checkpoint, die aber mittlerweile alles andere als zahlreich auftraten. Durchgewunken wurde ich sowieso. Ist ja klar, hab ja keine „Fiche“ mehr… Die werd ich wohl noch bis Deutschland mitführen…


Der Sahara geht die Puste aus... kurz vor GuelmimAb Tan-Tan ist schon langsam zu erkennen, wie der Sahara die Puste ausgeht. Die Vegetation nimmt zu, auch wenn von grün zu sprechen immer noch vermessen wäre. Aber es fällt auf… Noch 80 km nach Guelmim, dem inoffiziellen Ende der Sahara. Das wars nun also. Das Abenteuer Wüste. Ich werde auf jeden Fall noch in den Erg Chebbi fahren, aber ob das mit der Westsahara oder sogar Mauretanien vergleichbar sein wird… das wage ich mal zu bezweifeln, zählt doch der Erg Chebbi zu den bekanntesten Touristengegenden von ganz Marokko. Wir werden sehen…


Erst mal gings jetzt auf Agadir zu, wo ich allerdings nicht hinwollte. In Tiznit gings irgendwo dann rechts in den Anti-Atlas rein. Auf die Strecke war ich schon gespannt. Die Strecke von Guelmim nach Tiznit war schon wieder richtig von Zivilisation umgeben. Kaum mehr Wildnis, alles erschlossen mit Olivenhainen, Landwirtschaft und größeren wie kleineren Orten. An einer Tankstelle in Tiznit holte ich nochmal Cola, die war mir ausgegangen. Und genau da hatte ich das erste mal wieder Kontakt mit Marokkanern. Ich muss wohl ziemlich fertig ausgesehen haben, denn der Typ an der Kasse fragte mich noch, ob es mir denn gut ginge. Ich solle doch hier ein Nickerchen machen, bei ihm an der Tanke wär das kein Problem, ich könnt mich ruhig dahinstellen. Ich erklärte ihm, dass ich grad aus Laayoune komme, ohne Unterbrechung, das erklärte in ihm dann wohl einiges. Aber ich lehnte dankend sein Angebot ab, denn ich wollte in schöner Umgebung im Anti-Atlas nächtigen, schön ruhig, ohne Verkehr. Das werd ich schon noch packen. Also fuhr ich weiter.


Dank des GPS fand ich auch sofort den Abzweig in Tiznit. Beschildert war das ganze Anti Atlaszudem sehr gut. Tafraoute, so hieß das Fernziel. Die Straße führte aus Tiznit heraus und ich tauchte nach nur wenigen Kilometern in ein Marokko ein, das ich so nun auch nicht erwartet hätte. Es wurde bergiger und vor mir tauchten dann die verhältnismäßig hohen Bergzüge des Anit-Atlas auf, das Ganze eingebettet in eine frühlingshafte Landschaft mit blühenden Blumen in allen Farben und dazu noch die mediterrane Vegetation mit Palmen und Dornsträuchern. Alles blühte und ich bekam so etwas wie einen Grünschock, waren doch für mich schon die verschiedenen Braunstufen in der Wüste und dazu der blaue Atlantik das Kontrastreichste, was ich für tausende von Kilometern zu Gesicht bekam. Nicht dass mich das stört, nein, ganz im Gegenteil, aber der Unterschied zu dieser fruchtbaren Gegend hier ist gewaltig.


Meine Laune stieg schlagartig an und ich freute mich schon auf die kommende Zeit im Royaume du Maroc. Ich hatte jetzt schon so eine Ahnung, dass ich hier nur sehr schweren Herzens wieder ausreisen würde. Der einzige Nachteil in dieser Gegend war, neben der frühlingshaften Vegetation, auch die frühlingshaften Temperaturen. Ich fror auf dem Camping Roi de Bedouin… was würde ich dann HIER machen? Mit steigender Höhe wurden nur noch knapp zweistellige Plusgrade erreicht. Aber wahrscheinlich wird das einfach nur eine Gewöhnungssache sein.


Langsam wurde es Abend. Das heißt: Nachtplatzsuche, so lang es noch hell ist. Auch das ist wieder eine Umstellung. In der Wüste findest du immer ein schönes, einsames Plätzchen. Hier wird’s schwieriger. Landschaft bergig, immer wieder Orte, dazu die Vegetation… querfeldein fahren ist hier nicht mehr drin. Also beschloss ich, die Hauptstraße zu verlassen und mein Glück an einer Nebenstraße zu versuchen. Da wird weniger Verkehr sein und vielleicht gibt’s ja mal ein geschütztes Plätzchen.


So nahm ich also die nächstbeste Nebenstraße nach Süden runter. DieAnti Atlas - mein Nachtplatz (nicht bearbeitet!!) führte wieder durch ein Kaff durch und danach gings bergab in eine Ebene. Dort gab es dann noch einige Hügelchen und ich war der Meinung: Jawoll, hier lässt sichs nächtigen. Ich verließ dann die Straße und testete einfach mal das Gelände. Nein, in der Ecke zu steil, dort zu sichtbar… so landete ich geschätzte 30 Meter unterhalb des Straßenniveaus in einer Senke, dadurch auch geschützt vor der Straße. Da stellte ich den Daimler ab und genoss erstmal die frische Bergluft, bevor ich meine Bordküche aufbaute. Es war eine fantastische Gegend. Beinah menschenleer… Ich kochte mir irgendwas zusammen, was mir grad so in die Hände fiel und beobachtete dann die Sonne, die hinter den Bergkuppen versank. Der Himmel färbte sich von rosa zu pinkfarben und rot… ein unglaublicher Sonnenuntergang. Und nachdem die Sonne versunken war, erstrahlten Milliarden von Sternen am Himmel, ein Sternenhimmel,  den ich bisher eigentlich nur aus der Wüste kannte.


Zufrieden baute ich mein Bett im Daimler auf und freute mich auf die kommenden Tage. Mächtige Herrscherstädte, uralte Lehmdörfer, Wüstensand, schneebedeckte Hochgebirgsgipfel, fruchtbare Ebenen… all das wartete noch auf mich im Royaume du Maroc.


Rkm 15 142 / 374 004

Werbung
Zurück zu Home
Diesen Post teilen
Repost0
Um über die neuesten Artikel informiert zu werden, abonnieren:
Kommentiere diesen Post