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Dies soll vorwiegend ein Reisetagebuch werden, mit den ErFAHRungen in aller Welt mit meinem W123!

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08.03. Tag 42 Hassan und sein Dorf Doucki

Ich war, wie vorgehabt, zeitig wach. Dann gings los, nach der Morgentoilette den ganzen Krempel zusammenpacken. Das ganze natürlich, wie mittlerweile schon gewohnt, unter den Augen der Affenfamilie, die mich jeden Morgen neugierig beobachtete. Als es dann ans Zelt abbauen ging, tauchten auf einmal ein paar Rinder auf. Mann, hier geht’s ja heute zu wie im Zoo, wird Zeit, dass ich verschwinde. Dann war endlich alles verstaut, die Rinder auch wieder weg und ich machte mich auf den Weg zurück zur Hauptstraße. Die Urwaldpiste machte wieder Spaß und ich erreichte schon bald die Kreuzung, wo ich nun rechts abbog, in richtung Labe.

Die Straße wurde erst auch nicht besser, erst als ich Labe erreichte, war wieder Asphalt unter dem Daimler. Labe gefiel mir irgendwie, machte einen netten Eindruck. Das ist die erste größere Stadt nun in Guinea und der Unterschied ist echt gravierend zum Senegal beispielsweise. Alles macht einen viel ärmlicheren Eindruck, aber auf sympathische Art und Weise. Das heillose Durcheinander von Wellblech- und Bretterbuden, die die Geschäfte darstellen, ist noch intensiver als im Nachbarland. Mehrstöckige Häuser darf man natürlich erst recht nicht erwarten. Aber die Bevölkerung ist von einem ganz anderen Schlag, überall wird dir zugelächelt, jeder ist von Herzen freundlich. Bestes Beispiel war der Bulle, der mich erst anhielt und ALLE Papiere, inklusive Impfpass, kontrollierte. Sogar den internationalen Führerschein wollte er sehen. War nix zu machen, ich hab meine Papiere in Ordnung. Mit der Gelbfieberimpfung im Impfpass. Nach der Kontrolle fragte ich ihn, wo ich denn am besten Geld tauschen könne. Da hockte er sich in den Daimler rein und lotste mich zum Markt hin, wo die Schwarzmarkttauscher rumsitzen. Und das von einem „Offiziellen“… Da tauschte ich nochmal ordentlich Geld und dann wollte ich noch ins Internet. Auch da brachte er mich hin. Anschließend wollte er nix, aber auch gar nix haben, obwohl er vom Internetcafe aus mit dem Moto-Taxi zu seiner Arbeitsstelle fahren musste. Ich gab ihm als kleines Dankeschön eine Ladung grünen Tee (man erinnere sich, der aus Guelmim/Marokko) mit. Da freute er sich.

Dann ging ich ins Internetcafe und wartete geduldig auf einen freien Platz. Auch da. Keiner belästigt dich, jeder behandelt dich überaus freundlich, wo man denn herkäme und so. Wunderbar. So mag ich das. Dann war ich dran und kaum ein paar Berichte online gestellt und meine Mails gelesen, fiel der Strom aus. Das ist eben Guinea… Nix wars mehr mit Internet für die nächsten 4 Stunden. Ich ging zum Auto.

Dort erwartete man mich schon, ich parkte direkt vor dem Zoll. Die wollen die Papiere sehen. Na meinetwegen… ist ja alles in Ordnung. Dann gings los. Erst in das Büro rein, oh, da störte man den fetten Zöllner beim Kohle zählen. Das bedeutete, schnell wieder raus und warten. Patt Problääm. Wir sind in Afrika. Dann, nach nicht allzu langer Wartezeit, ging das Gerenne los. Von einem Büro ins nächste, dahin, dorthin, wieder dahin… jeder wollte irgendwas sehen. Dann „musste“ natürlich mein Laisser-Passez gestempelt werden. Stempel war nicht da. Wieder in ein anderes Büro. Und so weiter. Aber ich bin schon lang genug in Schwarzafrika, das bringt mich nicht aus der Ruhe. Sollen die ruhig machen… Geld wollte übrigens keiner haben, nur neugierige Fragen, warum ich hier sei und so, was ich hier wollte. Ich schleimte und lobte Guinea in den Himmel, was auch nicht gelogen war, vielleicht etwas überzogen. Das gefiel und wir scherzten noch, man gab mir noch den Tipp, im Grenzgebiet zu Liberia unter keinen Umständen nachts zu fahren und so… immer sehr freundlich. Passt wirklich dieses Land. Hier waren sogar die Beamten freundlich…

Noch kurz ein Wort zu der Geldwechselei. Dort, auf dem Markt, ein Mordstrubel aber keiner schreit rum, will was von dir… Fantastisch. Dieses Land hat wirklich was. Und die Reisewarnung des Auswärtigen Amtes beschränkt sich wohl auf die Straße von der Grenze nach Labe… sonst kann ich dahingehend nix feststellen.

Dann gings weiter in richtung Pita, Ortsausgang war schnell gefunden und die Straße war sehr gut. Tadelloser Asphalt… tat das gut, nach dem Gerumpel von über 200 km bis Labe. Ich erreichte Pita und ich suchte nach dem Abzweig. Im Därr ist das mit KM-Angaben beschrieben, passte nicht ganz, deswegen fuhr ich erst noch ein Stück weiter, da kam aber nix. Ich sah noch 2 Weiße auf ihren Fahrrädern, schwer bepackt und ich fuhr beim Wegweiser „Kinkon“ ab in richtung Telemele. Die Piste war gut, die Beschreibung im Därr auch, nur stellte sich nun noch die Frage, welches Kaff Doucki ist, wo Hassan zu finden ist. Im Lonely Planet steht was von ca. 45 km. Deshalb behielt ich den km-Zähler auch mal im Auge.

farbenfrohes Haus an der Piste nach TelemeleIch fuhr durch kleine Dörfer mit ihren Rundhütten, afrikanischer geht’s wohl nicht. Und überall freundliche, zurückhaltende Dorfbevölkerung, die sich tierisch freuen, wenn du ihnen zuwinkst. Ich fühlte mich richtig wohl. In jedem Ort war ein Schildchen, das auf irgendeine Schule hinwies und da konnte man den Ortsnamen auch ablesen. Als ich dann ziemlich genau 45 km seit Pita hinter mir hatte, las ich „Doucki“. Ach, wunderbar. Jetzt nur noch den Hassan mit seiner Unterkunft finden. Kein Mensch auf der Straße… Ich hielt an und dann tauchte ein Mann mit seinem kleinen Sohn auf. Den haute ich mal an. Der kleine war ganz verdutzt über den Toubab, den er zu Gesicht bekam. War wohl sein erster… Jedenfalls wies mich der Mann hier, den Abzweig, immer gradeaus fahren. Gut, los geht’s. Dann erreichte ich nach ca 2 km ein Törchen. Vielleicht ist es das… mal schauen. Ich stoppte und da kam auch schon ein kleiner Herr mittleren Alters angesprungen und hieß mich willkommen. Ich fragte noch schnell, ob er Hassan Bah sei und er bejahte. Ja wunderbar, das klappte ja wie am Schnürchen.

Ich fuhr rein und hielt das ganze immer noch für eine Unterkunft, bis ich dann feststellte, bzw Hassan mir das erklärte, dass das sein Dorf sei und ich hier wohnen würde. Ja hervorragend. Besser könnts doch nicht sein, um die Lebensgewohnheiten hier mal kennenzulernen.

Ich bekam dann eine schöne Rundhütte, eine der drei, die er für Gäste nutzt, in direkter Nachbarschaft der Dorfbevölkerung. Das ganze kostete mich 20€ die Nacht inklusive afrikanischer Verpflegung (3x täglich) und natürlich den Trekkingtouren. Kann man nicht meckern. Wir hockten uns hin und er zeigte mir ganz stolz sein Gästebuch. Voll mit Einträgen, nur was auffiel, seit Ende September 2009 kaum mehr Gäste. Jaja, die Reisewarnung nach den Ereignissen hier am 28. September… spürt auch Hassan deutlich. Ich schaute mir noch die Touren an und ich freute mich schon auf die ein oder andere. Muss ja fantastisch sein…

Dann gingen wir eine Runde durchs Dorf zum Grand Canyon von Guinea. Hassan zeigte mir meinen ersten Kaffeebaum, den Kolanussbaum und vieles mehr. Echt interessant. Wir genoßen einen fantastischen Ausblick, es ging steil ca 500m abwärts und wir hockten da auf einem Felsen und beobachteten die Geier, die in der warmen Strömung über den Canyon gleiteten. Leider vermieste mir der dunstige Wüstenwind „Harmattan“ die Sicht… normalerweise sieht man viel weiter, meinte Hassan.

Hassan ist echt ein super Typ, spricht sehr gutes Englisch und auch Spanisch, das er übrigens in Las PalmaGrand Canyon Guinea mit Hassans gelernt hatte. Wir sprachen noch über die Kanaren, denn selbstverständlich wollte er auch wissen, warum ich so gut spanisch spreche. Fantastisch, ich war froh, hier zu sein und den Zirkus an der Grenze auf mich genommen zu haben.

Dann gab es Essen, Hassans Frau tischte auf, leider Reis mit Erdnusssoße. Ich hab doch eine Allergie… hab ich vergessen, ihm zu sagen. Es schmeckte aber sehr lecker, so aß ich halt einfach. Dann kam die allergische Reaktion, mir gings nicht so toll und als wir so in Hassans Haus saßen, verdrückte ich mich dann in meine Rundhütte und ging schlafen.

Rkm 8913 / 367 805

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