Dies soll vorwiegend ein Reisetagebuch werden, mit den ErFAHRungen in aller Welt mit meinem W123!
Am nächsten Morgen gab es erst einmal Kaffee. Natürlich Nescafe-Pulver. Werd ich nie verstehen, warum es hier keinen gscheiten Kaffee gibt. Der wächst hier doch und die Hauptanbaugebiete in der Elfenbeinküste sind auch nicht fern. Aber seis drum. Wir fressen zuhause ja auch irische Butter.
Ich machte mich fertig und Hassan stellte mir das Tagesprogramm vor. Erst ging es zu den großartigen Felsformationen mit Wasserfall und nachmittags auf den Indiana-Jones-Track. Hab ich auf den Bildern gesehen, muss fantastisch sein. Wir gingen also los, ich bewaffnet mit einer 1,5 Liter Flasche Wasser. Hätten besser zwei sein sollen, wie sich später herausstellte. Es war bullenheiß und ich fragte mich, warum ich mir das eigentlich antat. Aber die Ausblicke, die Felsen, das entschädigte für alles. Ich sah ein Kamel, einen Elefanten, alles in Form der Felsen. Es fehlen mir immer noch die Worte, dies zu beschreiben. Muss man gesehen haben. Allerdings ging ich echt am Stock, ich musste mir mein Wasser einteilen. Die Hitze, das Gekraxel… das schlauchte einen Mitteleuropäer wie mich. Hassan grinste nur. Unglaublich. Er trank nicht einen Schluck unterwegs… Das Bad unter dem Wasserfall war fantastisch. Herrlich erfrischend. Hassan machte auch immer fleißig Bilder von mir, so dass auch mal paar mit mir drauf existieren. Am Ende, als wir wieder zurück kamen, war ich froh, dass Andi und Lena mir ihren Dextro-Energen-Traubenzucker mitgegeben haben. Der rettete mir vermutlich das Leben. Ich schnaubte wie ein altes Brauereiross und war froh, endlich wieder im Dorf zu sein. Ich ruhte mich aus…
Am Nachmittag gegen 4 gings dann los auf den Indiana-Track. Ich war gespannt. Wir stiegen die Schlucht runter und die Fotos im Buch versprachen nicht zu wenig. Einmalige Dschungellandschaft, steile Felsen, klare Bächlein, die in der Regenzeit natürlich deutlich mehr Wasser führen… Wir hangelten uns an den zahlreichen Lianen rum, machten Kunststücke zwischen den Felsen, zwängten uns durch enge Felsenritze durch, bis wir an einer Quelle ankamen, wo wir rasteten. Dort gab es einen natürlichen Jacuzzi, und ich hing mich da ganz entspannt rein. Wunderbar. Auf dieser Tour lernte ich, über meinen eigenen Schatten zu springen, der Natur zu vertrauen (die Lianen!!) und Hassan war ein fantastischer Lehrmeister. Ich hab übrigens keinen Tropfen Wasser getrunken, es war herrlich kühl inmitten des Urwaldes und als wir zurückkamen, schnaubte ich nicht wie ein Brauereiross. Na gott sei dank.
Zum Abendessen gab es dann lecker Reis mit Süßkartoffeln und einer würzigen Soße; danach Tee. Sehr gute Köchin, Hassans Frau. Dann ging ich auch bald schon schlafen, ich war kaputt vom Tag und morgen wollte ich weiter in den Süden des Landes.
Ich muss allerdings noch das Dorfleben beschreiben. Es ist unglaublich, ja sogar unvorstellbar für unsereins, wie man so leben kann. Aber es geht… ich habs ja selber mitgemacht und ich bin in gewisser Art und Weise auch traurig, dass ich nicht noch länger hier verweilen kann. Die Menschen leben hier ohne Strom, ohne fließendes Wasser. Das Wasser wird aus Pumpbrunnen in Eimern hergeschafft und so wird dann geduscht, mit Kelle ab über den Kopf unter freiem Himmel. Hassan, der die Idee mit der Gästeunterbringung hatte, konnte sich sogar einige Solarzellen leisten. So hat er Strom für sein Haus. Einen Fernseher auch, mit Satellitenschüssel. Die Kinder wachsen hier noch ganz anders auf. Unfassbar, an was sich die süßen, kleinen Knirpse erfreuen. Die Jungs spielen mit irgendeinem Stück Schaumstoff Fußball, einen richtigen Ball hat hier niemand. Und bei uns drehen die im Alter von 4 schon am Rad, wenn unter dem Weihnachtsbaum nicht die neueste Playstation liegt. Abartig. Das gefällt mir hier wirklich sehr, sehr gut. Die Menschen leben noch MIT der Natur. Der Lebensrythmus wird bestimmt von Trocken- und Regenzeit. Wenn die Sonne untergeht, ist es dunkel und es wird ruhig im Dorf. Dafür geht es frühmorgens, mit dem Sonnenaufgang, schon wieder los. Wasser holen, Essen beschaffen, Gras schneiden (in der Trockenzeit), um die Hütten zu decken. Unvorstellbar bei uns! Aber die Leute sind glücklich und fröhlich. Ich hab noch keinen einzigen ausgehungerten Körper gesehen, ihnen geht’s auf ihre Weise sehr gut.
Guinea zählt international zu den ärmsten Ländern der Welt. Mag richtig sein, rechnet man das Einkommen. Aber diese Menschen brauchen nicht viel Geld. Sie leben MIT der Natur, was sie ihnen eben gibt. Da muss nicht viel eingekauft werden und deswegen finde ich es wirklich vermessen, die Bevölkerung Guineas als „bettelarm“ abzustempeln, nur weil es kein Strom gibt, das Wasser nicht in Massen verschwendet wird und die Kinder sich noch an den kleinsten Dingen des Lebens erfreuen können. In näherer Betrachtung könnte man genauso gut die westliche Welt als „bettelarm“ bezeichnen, weil wir viel zu abhängig geworden sind von Elektrizität, Mobilität usw. Wir haben keine Ahnung mehr von der Natur. Fragst du heute Kinder in Mitteleuropa, wo die Milch herkommt, könnt es passieren, dass die Antwort lautet: „Die wächst im Supermarkt“. Da könnt ich jetzt noch ewig weiter erzählen, würde jetzt aber den Rahmen sprengen.
Jedenfalls genoss ich die Zeit bei Hassan und ich kann nur sagen, wenn jemand Guinea besucht, der sollte sich diese Gelegenheit im Fouta Djalon nicht entgehen lassen. Mehr als eine einmalige Erfahrung mit herzlichen Menschen, exotischem Dorfleben, afrikanischem Essen und fantastischer Natur. Scheiss auf die Reisewarnung, auf nach Guinea, es lohnt sich!!!
Keine Kilometer