Dies soll vorwiegend ein Reisetagebuch werden, mit den ErFAHRungen in aller Welt mit meinem W123!
Wir starteten früh, die Rechnung hatten wir auch schon am Vorabend bezahlt. Ab jetzt werden wir wieder billiger leben müssen… hat aber mal gut getan, etwas ausspannen. Es ging los, diese Holperpiste wieder vor und wir erreichten noch nicht mal Samba Dia, da machte es „kraaaach“ und es war nur noch ein Schleifen hörbar. Ich hielt an und sah die Bescherung. Der linke hintere Stoßdämpfer schleifte nun am Boden. Auch der wurde wohl schlampig wieder reingezimmert in Agadir. Ich hätte höchstens mit einer Panne rechts hinten gerechnet, aber der hielt noch.
Gut, erstmal Auto aufbocken und den gebrochenen Stoßdämpfer da rauszwirbeln. Das war einfach, hilft aber nix. Was machen wir jetzt? Bis Banjul nur mit einem Stoßdämpfer und der noch kaputt? Nee, das ist mir zu riskant, vor allem, weil ich weiß, wie die Straße noch wird um Kaolack… dann halt richtung Dakar. Im Därr steht eine Mercedes-Werkstatt drin, allerdings mitten in Dakar. Bleiben wir halt da für ne Nacht und hoffen, dass die Bullen da nicht so teuer und anstrengend werden. So, dann mal vorsichtiges Weiterfahren. Wir vernahmen noch ein lautes Geräusch, wohl tierischen Ursprungs… was das war, wissen wir bis heute nicht. Jedenfalls hat uns nix attackiert. Samba Dia und dort dann genau da langfahren, wo wir gestern nach Norden falsch gefahren sind. Die Piste ist wenigstens gut. So müssten wir auf der Küstenstraße rauskommen über Mbour nach Dakar. Das war auch der Fall…
Kaum am Pistenende am ersten Ort angekommen, der erste Bulle. Mal gucken, wieviel der jetzt will. Er schaute sich die Papiere an, kurz in den Kofferraum und gut war. Wir hatten von Jean-Paul den Tipp bekommen, immer die Hand zu geben, ganz offensiv an die Sache ranzugehen. Aussteigen, wie geht’s? Alles ok, ja? So auf die Art. Und das machten wir jetzt auch. Hat funktioniert, er wollte nix. Dann gings weiter über hervorragende Asphaltstraße Mbour entgegen.
Unterwegs kamen wir an x Hotelanlagen vorbei, Touristenbusse kamen uns entgegen… hier ist wirklich das Pauschaltouristenzentrum Senegals. Wenn ich mir hier anschaue, wie die Pauschis da hausen… furchtbar. Abgeschottet bis zum geht nicht mehr, schwer bewaffnete Wachen vor den großen Hotels… die kommen nach Hause und haben keine Ahnung vom Senegal. Die werden nie verstehen, wie ich von schlechten Straßen schreiben kann, ist doch alles wunderbar da. Klar, die Küstenstraße runter, ja. Aber im Landesinneren… das kriegen die wahrscheinlich nie zu Gesicht.
Der Daimler schaukelte wie eine Piroge auf dem offenen Atlantik. Bei jeder kleinen Bodenwelle schwangen die Federn nach… klar so ganz ohne Stoßdämpfer. Manchmal setzten wir im Nachschwingen auch auf. Ich versuchte, das so gering wie möglich zu halten durch geringe Geschwindigkeit zum Einen und immer wieder Gas geben, so schubweise, zum anderen. Damit bekam ich wieder Druck auf die Hinterachse und das Schwingen war nicht ganz so schlimm.
So erreichten wir schaukelnd Mbour, ein großer Touristenort. Wir fuhren nur durch, bis nach Rufisque, ein Vorort Dakars. Die Bullenkontrollen häuften sich, der Verkehr wurde dichter, aber alles in allem war alles ok, die Bullen wollten nix. Die Masche scheint zu ziehen… die prüften immer nur die Papiere, da ist ja alles in Ordnung und gut. In Rufisque selber war dann schon Stau und ich hatte kein Bock, mich bis zur angegebenen Werkstatt zu quälen, um dann festzustellen, dass die gar nicht mehr existiert. Muss nicht so sein, kann aber. Deshalb drehten wir um und fuhren zu einem Schrauber, der auch grad einen 123er aufm Hof hatte und versuchten dort unser Glück.
Ich fuhr auf den Hof und lief mit meinem durchbrochenen Stoßdämpfer durch die Gegend. „Problääääm“. Das wurde verstanden… ja sie könnten das reparieren, die Teile würden neu gekauft. Preis: 35 000 CFA. Für 2. Sind ca 50 Euro. Das ist ok. Teile sind so weit weg von Europa immer teurer, und besser, die sind neu statt gebraucht… bei den Straßen hier. Also los. Die machten sich sofort ans Werk, ich half die Rückbank auszubauen, sie benutzten meine Wagenheber, weil nix Eigenes da war… das ist Afrika. Es war interessant. Wir machten Späßchen mit den Mechanikern, die wollten wissen, wie weit es denn war hierher, wieviel Zeit wir gebraucht hätten und wieviel KM das waren. Keiner ging uns auf den Sack oder belästigte uns, Kinder von weiter hinten kamen vom Unterricht, da muss wohl ne Schule sein oder so, die winkten einfach nur, ab und zu mal „Toubaaab“ aber eher zurückhaltend. Hier kennt man eben keine Touristen.
Über Mittag wurden wir zum Essen eingeladen, ein sehr leckeres, scharfes Gericht. Reis mit Fleischsoße. Hmmmmmm… wunderbar. Wir zwei Toubabs inmitten der Schwarzen und alle fressen aus einer Schüssel. Ich fands geil. Dann kam noch ne Frau rein und grüßte. „Selam a leikum“. Ich sagte wie aus Reflex: „ A leikum selam“. Die schauten mich an… ob ich denn Wolof (die hiesige Sprache) verstehe. Ich sagte: „Ups, nöö, aber ist genau dasselbe wie im Arabischen…“ Lustig.
Bald schon waren die fertig, die Rückbank wieder drin, wir verabschiedeten uns und dankten für das leckere Essen. Keiner wollte ein Kadooh. Deshalb versorgten wir sie mit ein paar Süssigkeiten zum Dank. Wenn die schreien KADOOOOH gibt’s höchstens mit der Fliegenpatsche auf die Finger, aber mehr nicht.
Wir fuhren zurück und schmiedeten Übernachtungspläne. Doch zuvor, an der Ortsausfahrt von Rufisque, hat uns ein korrupter Bulle gecacht. Da hat alles Hände schütteln nix geholfen. Er hatte meinen Führerschein und zitierte mich zum Auto herbei. Er wollte mir weismachen, mein Führerschein sei nicht in Ordnung, weil Ausstellungsdatum, Geburtsdatum und Erteilung des Führerscheins auf der Rückseite alles unterschiedlich sei. Ich hab ihn dann auf Deutsch zugelabert, ihm lang und breit erklärt, dass ich 1980 geboren bin und DAS da ist mein Geburtsdatum. Meinen Führerschein habe ich 98 gemacht, aber wissen Sie, Herr Polizei, anfangs hatten wir nur Papier!! Keine Karte!!! Ich hatte also, 98, Papier, dann kam 200x (weiss ich nicht mehr), da kam dann die Karte für ganz Europa. Wir haben in Europa jetzt nur noch die Karte, in allen Ländern, verstehen Sie oder soll ich das nochmal erklären? Wie gesagt, alles auf Deutsch. Dann kam Sandra noch dazu und fuchtelte herum und erklärte es ihm auch nochmal. Das war zuviel… Wir durften weiter. Aber wir gaben ihm noch ein Mamba in die Hand. „Ah, Bonbon“ Ja. Er schob sich das Teil natürlich mit Papier in den Mund und meinte „ooh boooon“, wir erklärten ihm, dass das ohne Papier noch viel mehr „boooon“ sei. Er popelte das Papier runter und war derselben Meinung. Hatte was von ner Ziege, wie er das Papier mitfressen wollte…
So landeten wir dann in Mbour, wo wir noch zum Geldautomaten gingen und dann das Hotel Coco Beach suchten. Wir fragten nach und es wurde uns gut erklärt. Überall in diesem Touristenkaff Toubabs… unglaublich. Im Supermarkt waren wir auch noch, Vorräte fassen. Dann kamen wir zum Coco Beach, es ging über Sandstraßen durch den Ort dahin. Uns hielten zwei Jungs an und sagten, das hätte geschlossen. Sah auch so aus… aber wir hatten schon ne Alternative. Wir ließen die lästigen Schweißfliegen einfach links liegen und fuhren weiter. Da sollte noch das Bounty kommen. Es kam auch gleich. Und so sandig, wie die taten, wars auch nicht. Ich kam mit dem Benz gut durch… Hier wirst du wieder an jeder Ecke belästigt. Tourismus versaut echt den Charakter und das Verhalten der Leute. Unglaublich.
Wir gingen rein und ließen uns ein Zimmer zeigen. Das war ok, für 1 Nacht. Gott was solls, es ist billig. Parkplatz ist auch bewacht, sehr gut. Wir aßen noch am Strand unten zu abend, die hatten extra noch für uns gekocht, unterhielten uns dann noch mit einem anderen Gast an der Bar. Lustig war, dass er für Aldiana gearbeitet hatte, Techniker. Und der, der so gut deutsch konnte und da saß, als wir reinkamen, ist tatsächlich Reiseleiter bei Neckermann… mann mann mann, ich hab Urlaub, aber trotzdem irgendwie lustig. Dann gingen wir, nach einem Bier und einem Pastis, schlafen. Die Mechaniker in Rufisque haben übrigens sehr gute Arbeit geleistet. Alles wieder ruhig… allerdings ist jetzt meine Höherlegung im Eimer, weil das ganze Gewicht ohne Stoßdämpfer wohl die gestreckten Federn wieder runtergeschaukelt hat… na mal schauen, ob ich da noch was mache.
Kurze Anekdote noch vom Parkplatz vor dem Bounty. Da lief so ein Typ rum, behauptete, er arbeite im Bounty als Gärtner. Erzählte Stories von seiner Frau und die würde ein Baby bekommen. Deshalb gibt er uns kadoooh. Jaja, und hinterher wollte er auch kadoooh, Milch für Baby. Ach leck mich doch Arsch, linker Hund. Furchtbar. Dreckskadoohs ich kanns nicht mehr hören. Mal schauen, ob die in Gambia auch so kadoohgeil sind…
Rkm 6984 / 365 846