Dies soll vorwiegend ein Reisetagebuch werden, mit den ErFAHRungen in aller Welt mit meinem W123!
Wir verließen das Bounty sehr früh, es war noch kein Mensch da. Folglich gab es auch noch keinen Kaffee… deshalb fuhren wir durch den Ort und suchten nach einer Kaffeegelegenheit, hatten allerdings Pech. Und überall, wo du anhältst, belagern dich Kinder. Furchtbar. Weg jetzt hier.
Wir nahmen die Straße über Fatick wieder nach Kaolack. Unterwegs war ein Heidenverkehr mit LKWs und ganz und gar im Unterschied zum Nahen Osten fahren die hier nicht 130 sondern nur 50… wir kamen nicht voran. Dann wieder die Schlagkraterorgie vor Kaolack. Und durch diesen Moloch mussten wir jetzt durch. Es galt, die Straße nach Süden, nach Gambia zu finden. Es gab eine Baustelle mit einer sogenannten Umleitung. Aber auch hier darf nicht europäisch gedacht werden, mit Schildern und so. Da ist halt die Straße zu und jeder sucht sich kreuz und quer „seine“ Umleitung. Ich folgte einigen LKWs, von denen ich dachte, die könnten vielleicht richtung Süden fahren. So verkehrt war das gar nicht. Die Himmelsrichtung stimmte auch und bald schon hatten wir die richtige Straße. Sowas merkst du aber immer erst, wenn es schon zu spät sein kann… Wir hatten Glück, es war die richtige. Ich deutete das auch an den Autos, die mit BJL Kennzeichen entgegen kamen. Ich dachte mal, das bedeutet bestimmt Banjul.
Dann kam eine Abzweigung, auf der wir nach rechts abbogen richtung Barra, geradeaus gings in die Casamance; der Trans-Gambien-Hochweg. Da waren auch schon wieder Bullen und auf die hatte ich mal, nach dem Chaos in Kaolack, überhaupt kein Bock. Ich nahm die große Reise-Know-How-Karte in die Hand, Sandra stellte sich schlafend, ich tat bissel irritiert und konzentriert und bog im Schleichtempo, mit den Augen auf der Karte, ab. Sehr wohl hab ich den Affen da mit seiner Trillerpfeife wahrgenommen, von wegen wir sollen anhalten. Aber meist haben die hier eh kein Auto und was soll er schon machen? Ich hab geschaut wo es langgeht, meine Freundin schläft… Hat funktioniert. Es kam uns niemand hinterher.
Die Straße wurde bald zur sehr guten Piste und dann kamen die Pistenarbeiter. Wir folgten dem UN-Konvoi unauffällig auf die Umleitungspiste. Ging ganz gut zu fahren… Der Senegal scheint grad irgendwie Truppen in die Casamance (südlich von Gambia) zu verlegen, wer weiß, ob dort wieder geschossen wird. Deshalb die ganzen Militärs… Wir machten dann noch im Schatten eines großen Baobabs Mittagspause, aßen eine Kleinigkeit und schüttelten mit „nix verstääääääähn“ so einen lästigen Kerl ab, der unbedingt einen Reifen vom Dach kaufen wollte für seine Eselskarre.
Die Piste führte wieder zur Straße und da hatten wir wieder Schlaglöcher. Nicht ganz so schlimm wie Gossas, aber es reichte. Später wurde das wieder besser und wir erreichten früher als gedacht die Grenze.
Senegalesischer Posten, Ausreise. Du fährst hin und gleich rennen geschätzte 20 fette Frauen auf dich zu und wollen dir zeigen, wo du hinmusst. Geld sollst am besten da auch noch tauschen. Ich hab die einfach ignoriert, mir selber ein Bild gemacht, wo was ist und gut. Dann hab ich noch einen leicht angefahren, weil die hier einfach zu blöd sind, ihre Augen für den ursprünglich gedachten Zweck zu verwenden. Was sie damit machen, weiß ich nicht, aber auf Verkehr schauen die jedenfalls nicht. Wer nicht sehen will, muss den Daimler spüren. Da is er aber erschrocken und war schneller weg, als ich gucken konnte. Gut so. Die Weiber hätt ich auch beinah über den Haufen gefahren, war mir aber egal. Ich parkte vor dem Zollgebäude. Dort saß ein Offizieller drin zwischen sehr, sehr vielen Leuten. Den fragten wir, ob wir hier jetzt unbedingt warten müssten, oder erst die Ausreise machen könnten. Wir gingen dann zur Polizei, Ausreise stempeln lassen. Lächeln, begrüßen, locker fragen wie es denn geht, bissel Geduld und wir hatten schon unsere Stempel im Pass. Kein Geld bezahlt. Dann rüber zum Zoll. Ich kam dann ziemlich schnell dran und gab einfach mein Laisser-Passez ab und fertig. Einige Meter weiter kam bereits der gambische Einreiseposten.
Da fuchtelte einer rum und sagte, wir sollen hier parken. Sandra fragte, warum? Da sei doch eine Ausfahrt. No probläm war die Antwort, wir würden eh etwas länger hier sein müssen. Wie sollen wir das nun verstehen? Man wird sehen. Wir gingen zur Polizei und holten mit derselben Masche wie vorher unsere Einreisestempel, kostenlos. Wir bekamen mit, dass heute Nationalfeiertag in Gambia ist und somit hatten wir was zum Arschkriechen. „Happy Independence Day, Gambia is great!!“ So unsere Begrüßung. Dann gings ans Auto. Im Gebäude nebenan war der Zoll. Dort waren grad zwei Holländer in Arbeit, die nach Norden unterwegs waren. Ich fragte die beiden, wie es denn mit der Fähre nach Banjul aussehe. Ob die fährt, oder wie oder was. Ja, wär alles kein Problem, nur sollten wir die Fährtickets vorher kaufen (er beschrieb die Stelle), sonst gibt’s Probleme am Hafen. Gut zu wissen…
Dann kamen wir dran. Er checkte die Versicherung und stellte mir dann ein Laisser-Passez aus, für 4 Tage und 5000 CFA. Saftig… Damit wärs das eigentlich. Aber irgendeiner sollte das Ding auch noch abstempeln und wollte dann noch Geld haben. Sandra hatte eine sehr gute Idee. Sie erzählte ihm, der Polizist hätte gesagt, wir müssten nur das Papier bezahlen, nix extra. Wir würden ihn gerne dazu holen, damit er das bestätigte. Dann war auf einmal alles in Ordnung… Herrlich, langsam machts Spaß. Dann fuhren wir nach Gambia rein.
Nach einigen Kilometern kam der beschriebene Polizeiposten, wo die Fährtickets gekauft werden. Das taten wir auch. Dann kamen noch so paar Kinder und eine Frau, die was wollten. Ich dachte, jetzt kannst mal den scheiß Tee loswerden, der uns in Guelmim angedreht wurde und den kein Mensch haben will. Der ging weg wie warme Semmeln. Nur fingen die Balgen noch an, selber in die Tüte im Kofferraum zu greifen und das ging zu weit. Ich schlug den Kofferraumdeckel auf die Ärmchen, wir brüllten sie an und dann war gut. Wenn die einen Weißen sehen, echt, denken die, bei uns zu hause fällt alles vom Himmel und alles was wir dabei haben bringen wir für Afrika mit. Die Toubabs selber brauchen ja nix, die leben von der Luft und der Liebe… Es scheint sich langsam zu bewahrheiten, was Peter Kohle in „Afrika, Patt Problämm!“ schreibt. Der Unterschied zwischen einem Touristen und einem Rassisten in Afrika sind lediglich zwei Wochen. Bei uns ist auch bald soweit.
Dann erreichten wir eine Ansammlung von Durcheinander, was sich als Ort bezeichnet. Kein Hinweis, wie das Loch heißt. Es war Barra. Da parkten x Autos links, ich fuhr halt vor und stand auf einmal am Fährterminal. Da liefen unzählige Gestalten rum, die alle helfen wollten und durcheinander brüllten. Ja das seh ich selber, dass das der Hafen ist, da brauch ich keine Halbaffen dafür, die das noch durch die Gegend schreien. Wir vergewisserten uns noch bei dem Polizeimann, ob wir echt ganz hinten anstehen müssen und dann gings ans Ende der Schlange.
Hier bekam ich wirklich einen Hass auf die ganzen Penner . Jeder will dir irgendwas verkaufen, jeder hilft dir und schreit und brüllt, das kotzt dich an. Du bist nur damit beschäftigt, die ganzen Affen um dich rum loszuwerden. Du hockst im Auto, wie in einem Käfig. So müssen sich die exotischen Tiere in europäischen Zoos fühlen. Alles gafft dich an, jeder brüllt irgendwas. Ist auch nicht so, dass die normal reden, nein, es muss geschrien werden. Dann kommt nur immer hinterher, dass alle in Gambia ja nur freundlich sind, immer lachen und keiner was will. Ich merks… Dreckspack, elendiges. Wir flüchteten dann mal in den Schatten, da hatten wir Ruhe und es war nicht ganz so heiß. Hinter uns in der Schlange war noch eine französische Familie, die natürlich mit der Sprachbarriere (in Gambia spricht man Englisch) konfrontiert war und die waren genauso am Rudern mit den ganzen Affen, wie wir. Da war der Senegal ja direkt mit scheuen Menschen bestückt im Vergleich zu dem Zirkus hier.
Insgesamt verbrachten wir 6 Stunden hier, was aber wohl noch ginge, denn wir hörten von Leuten, die hier bis zu 4 Tage standen. Da hätt ich dann umgedreht und wär über den kleinen Übergang gefahren… Das Angequatsche nahm nicht ab, aber gott sei dank wurde es langsam dunkel und kühler, dann konnten wir wenigstens die Scheiben zumachen. Dann, eben nach 6 Stunden, wir mochten es kaum glauben, standen wir auf der Fähre. Es ging los, wir erreichten das andere Ufer noch vor Mitternacht. Wir hatten schon die Hoffnung aufgegeben.
Es schaukelte ganz schön, diese „Fähren“ würden nicht mal auf dem Bodensee ne Zulassung bekommen. Unvorstellbar klein, auf so einer Hauptroute. Kein Wunder, dauert das ewig in der Schlange, wenn jedes mal nur 8 Fahrzeuge mitkommen. Dann noch ein LKW, dann ist das Chaos perfekt. Organisieren können die hier einfach nicht, deshalb funktioniert auch nix hier unten in Afrika. Unglaublich…
Dann kam der Hafen von Banjul in Sicht und ich fragte mich, was der Herr Kapitän jetzt wohl vor hat. Es gab zwei Anleger und beide waren besetzt. Er fährt trotzdem hin. Erst als er beide Schiffe gerammt hatte, scheint bei ihm im oberen Stübchen ein Schalter gaaaanz langsam umgeklappt zu sein. Ach, da pass ich ja gar nicht hin. Wir warteten dann, bis eine Fähre weg war und wir waren dran. Der scheint das zum ersten Mal zu machen. In der Zeit hätt ich den Kahn wahrscheinlich selber so hingesteuert bekommen. Mann mann mann, Gambia geht mir bis jetzt tierisch auf den Sack. Die Kinder mit Frau beim Ticketkaufen, das Hafenchaos Barra, der Captain hier mit seinem sogenannten Anlegemanöver… sind wohl nicht die Hellsten hier.
Dann war unser Seelenverkäufer endlich fest und wir konnten runter. Dachten wir zumindest. Da hat wieder irgendso ein bescheuerter Affe Autos hergeschickt zum Drauffahren. ERST müssen die Autos vom Schiff RUNTER, DANN können neue drauf. Die blicken echt gar nix hier. Dann endlich wurden wir in das Banjul-Chaos entlassen.
Wir fuhren einfach mal den anderen hinterher und kamen so auch raus aus der Hauptstadt. Wir wollten jetzt zur Sukuta Lodge, aber im Dunklen nicht so einfach. Ich machte alle Funzeln an, die der Daimler hat, so sah ich wenigstens die Schlaglöcher. Wegweiser existierten keine. Wir gurkten hin und her und waren auf einmal am Flughafen. Da fragte ich einen Polizisten, der uns anhielt, wo um alles in der Welt dieses Sukuta sein soll. Er erklärte mir den Weg. So kamen wir zur Hauptstraße, wo die ganzen Touristenbunker stehen. Jetzt noch die Lodge finden… Tausendmal hab ich gefragt, den Plan im Führer konntest auch kein Glauben mehr schenken und ich war am Fluchen wie ein Rohrspatz.
Dann endlich fanden wir es, und wir hofften, dass da noch jemand da ist. Es fuhr tatsächlich grad ein Minibus raus und der Insasse erinnerte stark an Heinz (Reisepartner Rudi), die wir ja schon zweimal getroffen hatten. Die Besitzerin kam dann an und wir einigten uns darauf, morgen alles zu machen. Beide Parteien sind zu müde. Wir schliefen dann im Auto, um halb zwölf wird kein Zelt mehr aufgebaut… vor allem nicht nach so einem Tag.
Insgesamt befand ich Gambia bis jetzt als Scheisse, nur die Polizei war korrekt. Kein Anzeichen von Korruption und wir wurden oft angehalten. Aber immer korrekt. Der Rest… einfach nur nervig. Mal schauen, ob sich das bestätigt.
Rkm 7267 / 366 129