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Dies soll vorwiegend ein Reisetagebuch werden, mit den ErFAHRungen in aller Welt mit meinem W123!

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30.01. Tag 5 Überfahrt nach Afrika & scheiss Tanger

Ich hab irgendwie schlecht geschlafen die Nacht, war um 5 mal wach und hab mir den Fastvollmond vom Badfenster aus angeschaut. Auto auch noch da mit Beladung. Gut. Am nächsten Morgen haben wir noch en Kaffee getrunken und ich wollte jetzt die Hupe in Ordnung bringen. Ab heute brauch ich da Power und der scheiss Wackler am Umschalter von Standard- auf Zusatzhupe geht mir auf die Nerven. Das kann in Marokko schon einen Unfall provozieren. Deshalb nahm ich die Innenverkleidung unter dem Lenkrad ab und versuchte einfach mal die Stecker zu tauschen. Test: Erfolgreich. Und zwar so erfolgreich, dass die Hotelwirtin gleich in der Tür erschien, um zu schauen, was denn da draußen so vor sich ging. Meinem Schatz gings nicht so blendend, die Erkältung und die Fahrerei machten ihr bissel zu schaffen, aber während ich die Hupe umpolte, ging sie runter zum Meer, hat noch ne Muschel gefunden und dann gings ihr schon besser. Dann fuhren wir los zum Hafen.

Wir machten noch einen kleinen Abstecher nach Tarifa, wo wir dann am südlichsten Punkt Europas standen, so wie ich alleine mit dem Mazda 2004, jetzt mit Frau und Mercedes. Durch eine unglückliche glückliche Verfahraktion fanden wir sogar noch eine Bank mit Parkmöglichkeit und bei der Gelegenheit sah ich, dass Tarifa doch ein ganz nettes Städtchen ist. Wusst ich gar nicht, obwohl ich schon dort war. Ich war der Meinung, da ist einfach nur die Fähre von Interesse. Naja.

Wir erreichten dann Algeciras und fuhren zum Hafen. X zwielichtige Gestalten lungerten dort rum. Wir folgten den Schildern zum Ticketverkauf. Sandra wartete im Auto, ich ging rein und alle fangen sie an zu brüllen: Hola, need Ticket, good price! Jaja, klar ich weiß schon was ich will. Mit der Trasmediterranea will ich rüber. Die saß im anderen Gebäude. Also da rein, die Tickets geholt für 112€ alles zusammen und warten. Es war jetzt 13.10 Uhr, die Fähre ging um 14.00 Uhr. Wir stellten uns schonmal an und warteten auf das Boarding. Dann kam das Schiff, wir fuhren drauf und gingen hoch in den Passagierraum. Die Überfahrt war ruhig, ich schaute mal, wo man denn des nachts so bleiben könnte, Grenzformalitäten nochmal durchgehen usw. Ein ekliges Sandwich gabs auch noch an Bord und nach einer Stunde erreichten wir Ceuta, die spanische Exklave. Dort versteckte ich sicherheitshalber noch die Knaller und das Riesenmesser. Müssen die Grenzer ja nicht gleich beim ersten Blick sehen sowas. Dann gings an die Grenze und zu den Formalitäten. Die Spanier winken sowieso nur durch, aber dann geht’s los.

Der erste springt dir fast auf die Motorhaube mit nem Bündel komischer Zettel und brüllt irgendwas von „Auto Auto“. Ja, leck mich am Arsch, du Depp, die Zettel fürs Auto sind grün, nicht weiß wie deine. Also weg da! Überall Schlepper, Helfer und Helfershelfer aber insgesamt nicht so aufdringlich wie teilweise letztes Jahr in Syrien. Die begreifen das Wort nein in der Bedeutung halt noch.

Sandra blieb im Auto sitzen und verscheuchte einige lästige Parasiten, die sich an den Radkappen zu schaffen machten und ich machte den Bürokram. Ich suchte diese Gebäude. Es gab aber nur Container. Hm, stell ich mich mal da an, wo die meisten sind. Ich fragte einen Franzosen, was das hier sei, er hatte auch keine Ahnung. Naja, on va voir, wie man hier sagt. Wie sich herausstellte, gab es hier das grüne Autoformular. Das füllte ich aus und streckte es ihm wieder rein. Beim Ausfüllen bequatschte mich schon wieder einer, er wolle mir helfen. Bei was denn?? Beim Schreiben?? Wenn er das mal selber überhaut kann… Also echt, so ein übersichtlicher Grenzübergang, keine Riesenanlage, da ergibt sich von selbst, wo du hinmusst. Wie bei mir.

Ich streck ihm also meinen Pass und das ausgefüllte grüne Papier hin, dann sagt er, ich müsste erst zur Polizei, Pass stempeln. Genau, hab mich schon gefragt, wo das ist. Ach nur ein Häuschen weiter? Mein Gott… ja dann… aber ich schau mal noch, wo das Versicherungsbüro ist. Ich geh also zu einem der Container und frag da einfach mal einen. Gesundheitsamt ist das wohl. Irgendwas mit „Santé“. Er meint, es gäbe keins hier. Wer denn von mir ne Versicherung verlangt hätte. Ich sage: Niemand, aber ich hab keine und brauch doch eine… dann sagt er: Aber wenn doch keiner eine verlangt hat, dann soll ich mir doch keinen Kopf machen und das dann in Marokko selber machen. Ja, richtig, ich war schon wieder zu lang in Deutschland. Klar… was mach ich mir en Kopf? Der Zöllner wird mir schon sagen, was noch fehlt und was dann zu tun ist. Also: Pässe stempeln lassen und wieder zum Zoll. Alles klar, keine Frage nach Versicherung oder so… Gut. Zurück zum Auto und rein ins Land. Endkontrolle war ganz easy, kurze Frage was da drin ist, was da… kurze Blicke, sehr korrekt und freundlich. Und dann waren wir drin… ohne Versicherung. Muss ich aber wirklich noch eine abschließen, das gibt spätestens in der Westsahara bei eventuellen Checkpoints richtig Ärger. Das riskier ich mal nicht.

Wir fuhren dann die Küstenstraße nach Tanger durch tolle Berglandschaft und derarabische Sicherung.... Besold hatte wiedermal recht. Wenn du in Tarifa drüben stehst, erscheint dir das alles so unerreichbar, so besonders, dieses andere Land da, der Kontinent Afrika. Bist aber drüben, siehts genau gleich aus, nur eben umgekehrt, du schaust auf Europa. Was sofort auffällt sind die unzähligen 123er, die da noch rumfahren, immer noch meist als Taxi. Scharen von diesen Autos bevölkern die Straßen. Die Art zu fahren ist sehr human, habs mir schlimmer vorgestellt, kommt vielleicht noch in den Städten. Ab und zu gibt’s Schlaglöcher, einmal fehlte ein ganzes Stück Straße, aber sonst nix besonderes. Wir werden in Tanger versuchen zu übernachten. Im Därr steht das „Marco Polo Hotel“ drin, allerdings wenig Parkmöglichkeit.

Wir stellten den Blauen vor dem Hotel ab und fragten mal nach dem Preis, 35€ sind ok, pro Zimmer versteht sich. Und es gäbe einen Privatparkplatz hier, wo das Auto sicher steht. Da kam auch gleich einer an und sagte Auto not seiif Auto not seiif la bas seiiif. Ich verstand ihn schon, gehört zu der Garage dort. Sandra trug das GANZE Gepäck nach oben, ich sollte schonmal das Auto parken. Ok. Wir fahren in die Garage rein und er will dann 50 DH = ca 5 Euro haben. Das ist ok. Dann begeh ich allerdings zwei dumme Anfängerfehler… dazu später mehr.

Ich fragte den Abdul (so hieß er wirklich) noch, ob er ein Versicherungsbüro hier kenne, denn ich hätte keine Versicherung. Er sagte ja klar, müssen wir aber jetzt machen, weil es ist Samstag und morgen hat alles zu. Scheiss Timing… aber ich möchte nicht ohne Versicherung rumfahren, vor allem, weil hier viel Polizei rumlungert. Dann rannten wir durch Tanger. Abdul fand tatsächlich noch ein Büro, das auf hatte. Jetzt braucht die Tante noch den grünen Wisch vom Zoll. Der liegt natürlich im Auto gut. Wieder zurück gerannt zum Daimler, dann wieder hochgespurtet… mann war ich kaputt. Ich überzeugte die Tante und Abdul davon, dass mir 10 Tage reichen. Bei den Preisen… ich hätts gerne so gemacht wie in der Türkei letztes Jahr, dass auf dem Rückweg die Versicherung noch gilt. Aber nee, das ist mir zu teuer. Also 10 Tage. 650 DH = 65 €. Gut, das wär erledigt.

Mir war klar, dass der Abdul das nicht aus Jux und Dollerei und Nächstenliebe macht, sondern weil er Geld will. Jetzt zu meinen Fehlern. Ich hab zu offen vor ihm Geld getauscht. Er wusste, dass ich viel Bargeld bei mir habe. Das war Fehler 1. Fehler 2 war der, dass ich DEN von der Parkgarage gefragt hab, versicherungstechnisch. Denn nun gings los. Er wollte 30€ haben für seine „Dienste“. Hätt ich nicht so offen getauscht, wärs wohl weniger gewesen. Ich fragte ihn, ob er wahnsinnig sei, ob er wüsste, wie lang ich für 30€ arbeiten müsse. Ich hielt ihm einen 10€ Schein hin. Er sagte 20. Ich sagte NEIN. Dann wurd er langsam sauer, ich blieb hart, aber dann fiel mir ein, dass der ja mit meinem Auto noch rummacht in der Garage da. Wir einigten uns auf 15, ich hatte keine 15 passend, gab ich ihm halt 20. Dann passiert wenigstens dem Blauen nix. Ich hätt mich so schlagen können, ehrlich. So 2 dumme Fehler… aber gut, man lernt ja bekanntlich daraus und immerhin hab ich ne Versicherung.

Ich versuchte während dem ganzen Gerenne noch mein Schatz anzurufen, dass es länger dauert bei mir, nicht dass sie denkt, ich werde entführt oder so. Sie ging aber nicht ans Telefon. Naja. Ich kam dann ins Hotel und wir einigten uns, dass wir noch was essen gehen sollten. Also los. Wir gingen keine 20 Meter, hängt schon der nächste Parasit an mir dran und bettelt um Zigaretten. Der ander fragt nach paar Dirham. Herrgott, ich wusste, warum ich nicht in Tanger ankommen wollte. Soll laut Reiseführer ja ne schöne Stadt sein, ich halts für ein Drecksloch. Gesindel überall, jeder will was von dir, einfach abartig. Die Araber in Jordanien würden sich dafür schämen.

Der erste Eindruck war also von Marokko nicht der beste, ich schob es aber auf die Tatsache: Hafenstadt, Ausflugsziel=Touristen… das verdirbt die Menschen. Weil von Touris eben Geld zu holen ist. Wir werden sehen.

Das Essen jedenfalls war gut und sehr günstig, auch angenehme Menschen. Wir gingen zurück ins Hotel. Morgen werden wir hier abhauen. Diese Drecksstadt nervt mich. Eigentlich sagt man ja, und das hat sich bisher auch bestätigt, ist die Grenze die beste Visitenkarte eines Landes. Das lief, von den Helfern mal abgesehen, sehr gut und korrekt und auch freundlich. Also will ich nicht glauben, dass ganz Marokko so ist wie Tanger. Das MUSS eine Ausnahme sein…

Rkm 2566 / 361 394

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