Dies soll vorwiegend ein Reisetagebuch werden, mit den ErFAHRungen in aller Welt mit meinem W123!
Heute wollten wir weiter, endlich rein in die Sahara. Wir standen auf und gingen frühstücken. Ging so… Reichhaltig sieht anders aus. Aber man will ja nicht meckern, bei dem Preis, den wir bezahlen. Vorräte mussten noch gefasst werden. Deshalb gings erstmal noch zum Marjane, den es wohl in jeder größeren Morro-Stadt zu geben scheint. Wir kamen zurück zum Hotel und der Sandra gings überhaupt nicht gut. Magen-Darm-Probleme. Kann ja passieren, in diesen Ländern. Wir Europäer sind ja nix mehr gewöhnt. Aber die Krux an der Geschichte ist die, dass wir gestern im ITS Büro mit Wolfgang noch genau über die Sache gesprochen hatten. Als hättens wir herbeigeredet. Deshalb wollte ich dann nochmal zu Wolfgang ins Büro fahren, um zu fragen, ob wir das Hotel um eine Nacht verlängern könnten, und zwar genau zu dem Preis. Danach wollte ich dann mal zur Garage Allemand fahren, um den Blauen mal pistentauglich zu machen, in Form von höherlegen. Mein Schatzi legte sich derweil mal hin, um sich zu erholen.
Das mit dem Hotel war kein Problem, ich fuhr zurück und bezahlte die zweite Nacht auch gleich. Dann machte ich mich daran, die Garage Allemand zu suchen. Ich gab noch die Koordinaten ins GPS ein und fuhr los.
Dann stand ich da, am Eck, genau auf Position (GPS), aber da war nix. Ich sah, dass da zwei in so ner Art Waschstraße standen und die fragte ich einfach mal. „U eskilja la garasch allmooon?“ Die hatten keine Ahnung was ich wollte. Dann kam so ein anderer Baraber an und fragte mich, was ich wolle. Der kannte wenigstens die Garasch und zeigte auf geschlossene Tore. Genau da, wo sie laut GPS sein sollte. Gibt’s nicht mehr, geschlossen. Scheisse. Und jetzt? Der Baraber war von der Werkstatt gegenüber und meinte nur: Höherlegen? Patt problääm. Es geht los, mit dem Patt Problääm. Na gut, da so viele 123er hier rumfahren, wird der so ein Auto auch nicht zum ersten mal in der Kur haben. Wir verhandelten den Preis. Er wollte 500 DH für die Teile, 100 DH für die Arbeit. Macht 60 €. Perfekt. Es war so um die halb 2 mittags, um 5 wollt er fertig sein. Na mal schauen.
Es ging also los. Hinterräder runter, Achse abschrauben, Rückbank raus, Stoßdämpfer raus, Federn raus. Das alles dauerte natürlich. Ich hab mich richtig wohlgefühlt, das marokkanische Treiben dort zu beobachten. Der Baraber hatte noch so 2 Kinder da, die er ab und an auf arabisch zusammenschrie. Er meinte nur: Fatigue. Die seien müde. Na wenn er meint… Ich fand sie nett. Die brachten mir einen Stuhl, von wo aus ich mir das Treiben noch besser anschauen konnte, einen Tee bekam ich auch noch. Irgendwie wars witzig, aber bis 5 werden die hier nie fertig, da würd ich wetten. Als dann die Federn raus waren, hieß es scherscheee lee piäs. Teile suchen. Das bedeutet in arabischen Ländern, zu Fuß durch die Gegend zu marschieren und alle möglichen Tandler zu fragen, ob die die Teile da haben, die man eben braucht. Warum können die das nicht am Anfang machen?? Nein, da muss erst das ganze Auto auseinandergebaut werden und dann hast die Scheiße. Es wurde immer später und ich war bei Gott nicht gewillt, meinen Daimler in ausgeschraubtem Zustand dort stehen zu lassen; über Nacht. Na dem werd ich helfen. Ein hin und her… aber ich blieb schön ruhig und lachte nur. Denn sonst… was passiert, wenn du ausflippst, zeigte ein Beispiel von Franzosen, die mit ihrem Wohnmobil dahin kamen. Nur den Auspuff schweißen. Ok, keine große Sache, aber hier nicht so einfach. Es dauerte Stunden und ich beobachtete, wie die Frau anfing auszuflippen. Das war deren Todesurteil… dann ging auf einmal gar nix mehr vorwärts, die standen, wie ich, ewig da rum. Tja, selber schuld. Hinterher schimpfen, das ist klüger. Wir sind hier nicht mehr in Europa, da gehen die Uhren eben anders.
Der Baraber, Said heißt er, hatte immer noch keine Teile aufgestellt. Federn strecken. So solls gehen. Warum nicht gleich so? Egal… Er fand keinen mehr, der das machen konnte, es war schon bald viertel nach 6. Ich hatte inzwischen noch mein Schatzi angerufen, dass es später wird. Nicht dass sie denkt, es sei was passiert… Letztendlich machte ich einen kleinen Zwergerlaufstand und machte dem Said klar, dass das Auto nicht bis morgen hier rumsteht. Ich zwang ihn dazu, eine Lösung zu finden. Wir fuhren ins 20km entfernte Ait Melloul, dort könnte noch was aufhaben. Ich fuhr mit. Endlosstau…. Ich fluchte innerlich die ganze Welt zusammen, blieb aber nach außen hin gelassen. Er erzählte viel unterwegs. Unter anderem hörte ich von ihm: Chitler, guud mään. Ja gut, freundlich lächeln, ok. Jedenfalls kamen wir wegen dem Verkehrschaos auch hier zu spät und nun hatte ich keine andere Wahl, als den Daimler halt über Nacht dort oben im Werkstattviertel von Agadir stehen zu lassen. Wird schon gut gehen, mashallah.
Auf dem Rückweg fand Said noch einen, der auf hatte, aber der wird die Federn auch erst morgen machen. Na immerhin… Wir kamen zurück zur Werkstatt und er wollte mich dann noch zum Hotel fahren, was ich natürlich nicht ausschlug. Er stellte dann noch einen Typen an, der die Nacht über auf das Auto aufpassen sollte. Ich solle ihm 20 DH zahlen, damit er aufpasst. Aber nicht mit mir. Geld gibt’s, wenn ich morgen wieder komme und noch alles am und auf dem Auto drauf ist. Das machte ich unmissverständlich klar. Said redete zwar immer was von confiance, was wohl Vertrauen bedeutet, aber ich war auf der Hut. Du bist hier immer schnell „my frreend“ doch dahinter stecken oft andere Absichten. Deshalb: Bezahlung erst morgen. Hat ihm zwar nicht gefallen, war mir aber wurscht.
Said fuhr mich dann zum Hotel zurück, wo Sandra schon die Einkäufe vom Marjane verwertete und zwar zu einem leckeren Essen. Wurd auch Zeit menschenskind, es war ja schon 8 Uhr. Später gingen wir schlafen und ich musste morgen ja wieder um 9 bei der Werkstatt sein…
Rkm 3799 / 362 661