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Dies soll vorwiegend ein Reisetagebuch werden, mit den ErFAHRungen in aller Welt mit meinem W123!

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05.02. Tag 11 Die Farce um Bou Jerif

Zeitig wurde aufgestanden, weil ich endlich das Auto haben wollte. Das macht mich einfach wahnsinnig, wenn mein Blauer nicht da steht, wo ich übernachte. Da hab ich immer ein ungutes Gefühl. Auf Frühstück verzichtete ich heute, nur schnell en Kaffee oben aufm Zimmer und los. Ich ging runter und wollte mir ein Taxi rufen lassen, weil ich hier noch nie eins von den Petit Taxi gesehen habe. Diese Taxen sind so kleine Fiat Unos oder Peugeots, die mit 5 oder 6 Fahrgästen erst voll werden. Die freundliche Dame an der Rezeption sagte mir aber, sie könne kein Taxi rufen, sei auch nicht nötig, weil genug hier rumeiern. Na gut, versuch ich mal mein Glück…


Tatsächlich kam auch bald eins, das ich stoppte. Der Fahrer fragte mich, wohin ich wolle. Ich sagte ihm: Quartier Industriel, Rue 2 Mars. Er schaute mich an, als hätte er en Ufo gesehen. Ich wiederholte. Dann fuhr er los. Klar, auf den ersten Blick schau ich aus, wie so ein Pauschaltourist, der wahrscheinlich zu irgendeinem Kamelmarkt oder zum Marjane Shopping Center oder zum Strand will. Damit hat er nicht gerechnet. Was will denn ein Europäer aus einem Hotel in Agadir im Industrieviertel?? Das fragte er mich auch. Ich sagte ihm, dass dort mein Auto stehe und ich das jetzt abholen müsse. Etwas komisch hat er schon geschaut…


Am Eck der Werkstatt sagte ich Stopp!. Da war ich nun, aber kein Said. Ich checkte das Auto. Alles noch da. Also doch confiance? Scheint fast so. Oder einfach nur Glück. Naja, ich denk mir sowieso, wenn hier einer was gewollt hätte, hätte der wohl den fetten Camper geknackt, der 50m weiter bei ner Werkstatt stand. Auch Deutsche. Mir wurde dann erklärt, dass Said grade die Federn abhole. Na immerhin. Dann kam er zurück, sagte mir, dass der ander erst um halb 11 fertig wird. Verdammt nochmal, hier wird meine Geduld aber wirklich strapaziert. Aber noch lächle ich, setze mich wieder auf mein Stühlchen und schau dem Treiben zu. Dann tauchten so paar Pinguine mit ihren Kopftüchern auf und wollten am laufenden Band Geld haben. Die kamen mir grad recht. Ich hab sie auf deutsch angeflucht, dann hauten sie ab. Die brauch ich grad noch…


Endlich waren dann die Federn da und es ging los. Dann staunte ich nicht schlecht und zwar darüber, dass die Franzosen von gestern mit ihrem Wohnmobil schon wieder auftauchten. Na denen haben sie es wirklich gegeben. Ich sags ja, mit rumschimpfen kommst hier net weiter…


Dann war der Daimler endlich fertig und das Ergebnis konnte sich sehen lassen. Unter der ganzen Volllast war die Heckstoßstange auf Kniehöhe. Wunderbar. Hat sich die Warterei ja gelohnt. Wir machten noch eine kleine Probefahrt, irgendwas schepperte, ich sagte „Problääm“, Said sagte „patt probläämm“ sei das Bagaasch. Ich konnte dann auch tatsächlich nichts verdächtiges erkennen. Wird wohl recht haben, immerhin fehlen unsere Rucksäcke und die Aluboxen quasi lose im Kofferraum sind... ich hab denen ja die ganze Zeit auf die Finger geschaut, ob die auch ordentliche Arbeit machen. Und das war der Fall. Dann gings ans bezahlen und er forderte nicht mehr als ausgemacht. Sehr fair. Hundertmal noch Confiance gesagt und gut war. Dann gab ich ihm noch das Geld für den Wachtypen, weil ja alles noch da war, und dann ab zum Hotel. Ich testete noch die Klimaanlage, funktionierte.


Sandra wartete schon mit dem ganzen Gepäck in der Lobby, wir räumten ein und machten los. Kurzer Stopp noch an einer Apotheke, Penicillin ohne Rezept einfach so gekauft für die Bronchitis von Sandra und dann ab richtung Guelmim. Wir wollten heute noch zum Camping Fort Bou Jerif fahren, Treffpunkt für Saharafahrer, wo sich sicher wertvolle Informationen sammeln lassen.

Wir fuhren raus aus Agadir, über Tiznit nach Guelmim. Immer schön an die Geschwindigkeit halten, das hab ich gelernt. Nochmal zahl ich hier nix, kannst dir aber sicher sein. Die Strecke war unspektakulär, es wurde nach Tiznit bergiger und vor allem dünner besiedelt. Ganz angenehm… Allerdings kosteten diese Berge Zeit, denn die Anstiege waren ganz schön. Und wir mit unseren 60 PS… das geht nicht so schnell. Es wurde immer später und später und Fort Bou Jerif war immer noch weit weg.


Wir erreichten Guelmim, das auch als Tor zur Sahara bezeichnet wird. Wir mussten mal nach dem Weg fragen, denn im Därr ging das nicht ganz so eindeutig hervor, wo in Guelmim man abzubiegen hat. Dann waren wir richtig, fanden auch den beschilderten Abzweig nach Labsaki. In dieses Kaff gerieten wir rein. Laut Därr-Beschreibung da durch. Aber da war dann Ende. Man muss dazu sagen, dass es schon stockfinster war mittlerweile. Macht alles natürlich nicht einfacher. Wir drehten um und fuhren am Abzweig eben anders. Das sah gut aus. Die Straße war sogar im GPS drin. Das war nun Gold wert. Wir fuhren immer weiter, irgendwann soll die Teerstraße aufhören. Wir fuhren durch Käffer durch, ernteten verwirrte Blicke. Dann kam ein Fluss, ein Oued. Führte auch Wasser. War aber nicht so tief, das ließ sich an den Steinen an der befestigten Furt gut ablesen. Ab und durch. Das Wasser spritzte. Weiter oben hörte die Teerstraße auf, ziemlich genau da, wo 3 Wohnmobile standen. Hm. Wo geht jetzt die Piste weiter? Wir fanden sie. Dann gings aber nicht mehr weiter. Steiler Abhang, total ausgewaschen, selbst mit 4x4 ne Herausforderung. Das packen wir nicht. Was tun jetzt? eigentlich wollten wir zu Fort Bou Jerif....Mitten in der Pampa, stockdunkel. Umdrehen. Gott, wo kamen wir noch gleich her? Wo standen die Camper? Ich sah dann bei meiner Pinkelpause einen schwachen Lichtstrahl, was nur von den Wohnmobilen kommen konnte. Gott sei dank. Also, da lang. Wir sind wieder auf Kurs. Nur was jetzt? Zurück nach Guelmim? Aber steht da der Daimler sicher? Eher nicht. Wir waren schon wieder auf dem Weg, den Fluss schon wieder durchquert, da entschieden wir uns, umzudrehen und bei den Womos zu klopfen, ob es in Ordnung wäre, sich da mit hinzustellen. Also nochmal umdrehen, wieder durch den Fluss. Wir hielten an und klopften am Wohnmobil mit Licht.


Es waren 3 Franzosen. Die waren ganz nett. Die wollten auch zum Fort Bou Jerif aber die Straße sei kaputt. Das haben wir gesehen… Natürlich könnten wir uns dahin stellen und wenn wir was bräuchten, dann einfach melden. Sehr liebenswürdig. Na, das war doch die richtige Entscheidung. Sie sagten noch Bescheid, dass sie morgen früh schon los wollten auf den Kamelmarkt in Guelmim. Patt Problääm, wir wollten ja auch früh los.

Wir richteten uns unsere Betten im Auto her und gingen dann auch schlafen.


Rkm 4021 / 362 883

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