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Dies soll vorwiegend ein Reisetagebuch werden, mit den ErFAHRungen in aller Welt mit meinem W123!

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11.03. Tag 45 von Schlammlöchern zu nagelneuem Asphalt

Der Wecker ging um halb 7, denn ich hab im GPS noch nachgeschaut, wann denn hier die Sonne aufgeht. Das ist eine äußerst lustige, wenn auch manchmal praktische Funktion. Das Gerät errechnet den exakten Sonnenauf- und Untergang, dasselbe für den Mond und zwar für deine aktuelle Position. Hervorragend. Die Info war 6.55 Uhr Sonnenaufgang, deshalb Wecker auf halb 7. Es war allerdings schon heller als ich dachte, wann es hell wird, errechnet das Teil leider nicht.

Aus dem Busch kamen gestern Abend schon so komische Geräusche, ich schob es mal auf den Mobilfunkmasten in unmittelbarer Nähe, aber ich könnte schwören, es kam aus der entgegengesetzten Richtung. Egal. Nix vorgefallen. Nur des Morgens war das Geräusch weg… vielleicht besser, ich weiß nicht, was es war. Genau aus dem Grund werde ich hier das wild campen im Auto gestalten. Es läuft hier halt doch so allerhand Getier rum und vor allem kriecht… Die Viecher, die ich dann wieder zu Gesicht bekam, waren die Kühe, die mich verwundert beim Zähneputzen beobachteten. Jetzt aber los…

Ab auf die Straße und ich holperte Faranah entgegen. Ich schaute unterwegs mal im Därr nach, ob da ne Angabe zu finden ist mit dem Abzweig gen Süden. War aber negativ. Naja, wird sich schon finden… zur Not hab ich immer noch das GPS. In Faranah war um die Uhrzeit noch der Hund begraben und ich fuhr auf eine T-Kreuzung zu. Ja wunderbar! Rechts nach Süden, links nach Norden. Also rechts. Dann überquerte ich den Niger, dieser Fluss voll von Mythen und Legenden schon seit den Entdeckerzeiten. Man hielt ihn für einen Quellfluss des Nil. Es gibt dazu auch ein gutes Buch, in das ich reingelesen habe in der Sukuta Lodge. Nennt sich Regenzauber, geht um eine Reise auf dem Fluss Niger von der Quelle bis zur Mündung, alles auf dem Wasser. Wahnsinnig fesselnd… und Faranah kommt auch drin vor, nun bin ich selber auch da. Allerdings überquerte ich den Niger lediglich, am Wasser sah ich nur einige Frauen, die Wäsche wuschen.

Es ging dann weiter gen Süden, richtung Kissidougou, dann weiter über Gueckedou nach Macenta. Das war mein Tagesziel. Nun bin ich doch schon eine Weile hier in Afrika unterwegs und ich bin mal gespannt, ob ich das gut eingeschätzt habe. Gott allein weiß, wie die Straßen noch werden. Hier jedenfalls, bis Kissidougou, war sehr guter Asphalt und ich konnte ordentlich zu fahren. Dann erreichte ich dieses quirlige Städtchen, es war grade Markt und ich zog wie immer alle Blicke auf mich. Hat mir sehr gut gefallen, wenn ich die Zeit auf dem Rückweg habe, werde ich hier mal noch ein bissel durch das Markttreiben schlendern. So aufdringliche Burschen wie in Serrekunda / Gambia gibt’s hier bestimmt nicht, die dir alles zeigen wollen.

In richtung Ortsausgang existierten sogar Wegweiser. So war die Orientierung kein Problem. Aber die Straße… die wurde zum Problem. Beziehungsweise das, was von der Straße noch übrig ist. Als asphaltiert kann man das sicher nicht mehr durchgehen lassen. Es war schrecklich. Ich kam nicht vorwärts. Schnell mal einen Blick auf die Karte. 78 km bis Gueckedou… dann weitere 85 km bis Macenta. Um gottes Willen, wenn das so weitergeht bis Nzerekore runter, ja dann prost Mahlzeit. Ich hielt die Beschreibungen im Därr für überholt, sind von anno 98 aber da hat sich nix getan. Genau derselbe Quatsch. Die Diktatoren hier haben sich wohl schön ihre eigenen Taschen gefüllt und das Straßennetz verkommen lassen. Nur die Straße Conakry – Faranah ist gut, bezeichnend dafür kommt der Ex-Präsident Conte, der verstarb, aus Faranah. Irgendwie auffällig.

Ich beobachtete jedenfalls so den Tacho und stellte fest, dass ich immerhin so um die 30 km/h machen konnte. Na dann ist ja ein Ende erst einmal absehbar. So erreichte ich, Daimler schindend, Gueckedou. Grenzort, viele Militärs, allerdings nicht in Form von Checkpoints. Ist aber logisch… Dreiländereck Guinea-Sierra Leone-Liberia. Ich hielt mich in Grenznähe und als die Straße strikt gen Osten abzweigte, traf mich der Schlag. Der Zustand wurde noch schlimmer. Es war noch eine Regenrinne sichtbar, das ist aber wohl schon lange her. Jetzt wars vorbei mit den 30 Sachen auf dem Tacho. Marschtempo runter oder Daimler kaputt.

Das ganze wurde noch verschlimmert durch den Umstand, dass es hier riesige Schlammlöcher zu überwinden gibt. Da die richtige Passage finden, nicht zu wissen, wie hoch das Wasser da drin steht… Wow. Das hat jetzt wirklich was von „Durch Afrika“ Anders kanns im Kongo auch schon fast nicht sein. Ich wunderte mich nur, warum das hier so nass ist. Es ist doch Trockenzeit. Hm. Ich hoffe nicht, dass die Regenzeit zwei Monate zu früh dran ist… dann hätte ich ein Problem von Labe zur Grenze Senegal. Aber ich hoffs mal nicht. Ich ging nochmal im Geiste meine Ausrüstung durch. Ja, die Schneeketten hab ich an Bord. Gut. Dann kann ja eigentlich nicht viel passieren. Hört sich jetzt vielleicht blöd an, aber im Schlamm sind die Dinger auch ganz nützlich, hab ich zumindest gelesen. Ich werds nicht drauf anlegen, das auszuprobieren.

der Regenwald kommtDie Landschaft war im Übrigen fantastisch, auch wenn du so gut wie gar nicht dazu kommst, sie zu bewundern. Es wurde seit Kissidougou immer bergiger und der Regenwald war zunehmend zu erkennen. Ich schob die Feuchtigkeit auf den Umstand „Regenwald“. Das sind also die richtigen Tropen… Und ich mit meinem kleinen Blauen mittendrin auf dieser Horrorpiste. Es kam dann eine Passage, da dachte ich schon: Umdrehen und nach Hause. Aber das laß ich mir nicht bieten. Nee, ich hab alles dabei, zur Not Ketten drauf, buddeln, was weiß ich, aber der ehrgeizige Steinbock wird hier bestimmt NICHT umkehren! Aufgeben gibt’s nicht. In Gegenrichtung kam auch ein PKW an, Marke Opel Astra. Und so standen wir, jeder auf der jeweiligen Seite, grüßten uns kurz und schauten uns an, wie man da wohl jetzt durchkommt. Die Piste war ca 10 Meter breit und in der Mitte war eine Schlammgrube, etwa einen halben Meter tief ausgefahren von den schweren LKW. Entsprechend war in der Mitte der Schlammgrube ein Absatz, der unter das Fahrzeug gehört. Nur passt dieser Absatz nicht unter einen PKW. In den ausgefahrenen Spuren stand Wasser, keine Ahnung wie tief. Rechts und links der Schlammgrube war schon mit bloßem Auge zu erkennen, dass wohl nur noch ein Sumpf weicher wäre. Da war also erst recht kein Durchkommen.

Der mit seinem Opel stand weiter rum und wusste nicht, was er tun sollte und ich vertraute einfach mal auf die Qualität aus dem Hause Daimler-Benz in den 80er Jahren. Wieder einsteigen, Stück rückwärts, und Anlauf nehmen. Was soll schon passieren, unten kanns nix aufreißen, ich bleib höchstens stecken. Und ich hab Ketten, Bleche, Schaufel, alles dabei. So. Anlauf, erster Gang, bloß nicht hochschalten, Rechte Räder schräg an den Absatz in der Mitte und beten, dass das Wasser für die linken Räder nicht zu tief ist. Es rumpelte und schepperte am Unterboden, ich dankte Gott, dass MB Specialist noch diesen Unterfahrschutz hatte, der Schlamm spritzte bis zum Dachträger hoch, der Motor jaulte hochtourig… aber ich war durch. Wow. Das war ein Adrenalinkick… Der Opelfahrer schaute nur deppert, ich gab Zeichen „Daumen hoch, c’est booooon!!!“ und brauste weiter. Vielleicht steht er heut noch da mit seinem Astra, vielleicht hat er ihn aber auch versenkt in der Schlammgrube, ich hab keine Ahnung. Sollte zweiteres der Fall gewesen sein, hoffe ich, dass er geborgen wurde, bis ich wieder an der Stelle bin. Ein Hoch auf das Hause Daimler. Im Übrigen scheinen die Schläge das Motorlager wieder eingerenkt zu haben, der Diesel lief, auch im Stand, wieder ganz ruhig, hehe. Ich klopfte meinem Blauen auf das Armaturenbrett und war stolz auf uns. Guinea ist echt ein Erlebnis, in jeder Hinsicht.

Aber wie es der Teufel wollte, bin ich einige Kilometer weiter steckengeblieben. Ich hielt den Schlammstreifen für fest, war er aber nicht, unterm Auto ein Felsstück… aufgesetzt. Ein LKW kam hinter mir und wir versuchten zusammen, den Daimler wieder auf die Füße zu kriegen, aber vergebens. Dann holte ich das Seil aus dem Kofferraum, war natürlich auch ganz unten, und der Truck zog mich raus. Als Dank gab ich den Fahrern noch 2 Beutelchen von dem grünen Tee, den ich eh loswerden will. Erst wollten sie nicht, das wäre schon ok. Ich wollte aber, dass sie es nehmen. Einfach als Dankeschön. Da freuten sie sich. Unglaublich. Im Senegel hätte man wahrscheinlich 100 000 CFA von mir gefordert oder so, in Tanger / Marokko wahrscheinlich noch das Doppelte. Ganz anders die Leute hier…

2 Stunden und 40 km weiter begannen Bauarbeiten. Brücken und so. Sollten die etwa… ich hatte den Gedanken noch nicht ausgedacht, da wurd ich schon zum Anhalten gezwungen. Auf der neuen Trasse. Tatsächlich. Sie bauen. Herrlich. Hier jetzt wechselseitiger Verkehr, in Europa wär ne Ampel, hier stehen Leute. Einer der Arbeiter kam an und gab mir zu verstehen, dass das länger gehen könne. Ich machte den Motor aus. Patt Problääm! Dann fragte er mich noch, wo ich hinwolle. Ich sagte Nzerekore, heute noch bis Macenta. Die folgende Auskunft brachte meine Augen zum Strahlen. Die Straße ist neu gemacht bis Nzerekore. Ja das sind doch mal Neuigkeiten. Wir quatschten noch so bissel dahin und als es weiterging, nahm ich ihn noch bis nach Macenta mit. Er erklärte mir dann auch unterwegs, warum es hier so nass ist. Hier regnet es IMMER. Die Berge, der Wald… da hats immer Niederschlag. Und prompt fuhren wir in einen Schauer rein. Aber in was für einen… Das war ne Gratis-Autowäsche. Scheibenwischer im Schnellgang, Tempo bei 40 km/h und ich sah null, nix, zero, nada. Heilige Maria, was kommt da dann nur in der Regenzeit runter… dachte ich so bei mir.

Dann erreichten wir Macenta und der Arbeiter kannte sogar das Hotel, wo ich hinwollte. Er lotste mich hin. Hätt ich allein wohl nie gefunden, an der Ortsausfahrt nach Nzerekore, dann noch ne Piste rein, dann da noch ab und und und. Wir verabschiedeten uns und ich war wieder erstaunt über die Freundlichkeit und Aufgeschlossenheit der Menschen hier.

Ich erreichte das Hotel, handelte den Preis noch runter und wollte was zu essen. Der Chef oder so da telefonierte in der Weltgeschichte rum und stellte eine Frau auf, die was zu essen machen würde. Ich solle in 30 min dort erscheinen. Sehr gut. Ich brachte meine Sachen ins Zimmer und wartete. Dann fragte ich noch, wo ich eigentlich hinsolle. Vor zur Hauptstraße. Ok.

Da ging ich dann zu Fuß hin, es regnete grade nicht mehr, und orderte erstmal ein kühles Bier. Die Atmosphäre war fantastisch. Der WKD zu Hause würde die Bretterbude sofort dicht machen. Aber uriger geht’s wohl nicht. Es lief Musik, die Stereoanlage war an eine LKW-Batterie angeschlossen. Ich genoß mein Bierchen. Dann kam mein Essen. Sehr lecker. Putenschenkel mit Nudeln, Kartoffeln und Salat. Hervorragend. Später kam dann noch ein Typ rein, setzte sich hin und wir unterhielten uns. Monsieur Bari hieß er und arbeitete für die Straßenfirma hier. Ob ich denn Strabag kenne. Klar… Strabag habe hier auch die Finger mit drin. Ich solle doch morgen vorbeikommen, zum Hauptquartier, er stelle mich dann seinem Boss vor. Ja mal schauen… Auf meinen Besuch wartet er vermutlich heute noch. Es war allerdings ein echt toller Abend, guineeischer als Guinea selber und ich hab an den Leuten hier wirklich gaaar nix auszusetzen. Wunderbar. Mir wurde dann sogar noch angeboten, mich zum Hotel zu begleiten, weil es ja dunkel ist und Laternen sucht man hier, wie Strom auch, vergebens. Ich lehnte allerdings dankend ab und sagte, ich finde den Weg schon, das ist ok. So stiefelte ich im Stockdunkeln, nur mit der Leuchte in meinem Handy, zum Hotel zurück und ich lebe immer noch. Ich frag mich immer noch, warum hier eine Reisewarnung existiert. Macht den wenigen Tourismus noch ganz kaputt. Das Land könnts gebrauchen…

Rkm 9574 / 368 436

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