Dies soll vorwiegend ein Reisetagebuch werden, mit den ErFAHRungen in aller Welt mit meinem W123!
Ich hab sehr gut geschlafen in dem riesigen Bett in meinem riesigen Zimmer. Gestern Abend gabs sogar noch Strom per Generator. Wasser kam aus dem Brunnen auf dem Gelände; in Eimern. Ich bezahlte, bedankte mich nochmal und fuhr vom Hof. Hotel Bamala, tolle Adresse.
An der Hauptstraße sah ich dann die Frau wieder von gestern Abend, die kam wohl grad, um die Bar / das Restaurant aufzumachen. Kurz grüßen, Smalltalk und weiter. Ich fühl mich hier wirklich wohl. Die Straße war hervorragend, führte durch tolle Regenwaldlandschaft immer zu auf Nzerekore. Dort wollte ich auf jeden Fall bleiben, da gibt es wohl so eine Auberge, die gutes Steak anbietet. Mann, allein der Gedanke daran… herrlich. So glitt ich dahin auf guter Straße und Nze war nur noch 100 km entfernt. Da fiel mir die Tankuhr auf. Stimmt, ich vergaß zu tanken, aber ich hab ja noch einen Kanister. Ich suchte mir dann einen Platz, wo ich ungestört war. Das war gar nicht so einfach, denn überall sind kleine Dörfer oder Siedlungen, es sind mehr Menschen als Fahrzeuge auf den Straßen. Die Frauen balancieren alles Mögliche auf ihren Köpfen. Ist mir immer noch ein Rätsel, wie das funktioniert. Egal wie groß und schwer… sie laufen wie Gazellen dahin.
Zurück zum Kanister. Ich hielt also an und pumpte an. Da kam dann so lila-blaues Zeug raus… Hä? Versteh ich nicht… Kommt doch von derselben Tanke wie die anderen auch. Aber es riecht wie Diesel. Also rein damit. Ich denke, das ist der Kanister von meinem Vater, wo mal Altöl drin gelagert war. Das könnt sein… Altöl=schwarz, Diesel=gelblich hell, macht die Farbe. Allerdings ruckelte der Daimler dann immer bissel und an Steigungen kam ich kaum mehr hoch. Wahrscheinlich war das jetzt zuviel für den Dieselfilter. Der Vorfilter war ja schon zu als wir losgefahren sind und der Hauptfilter sollte auch gewechselt werden. Ich dacht mir halt, das passt schon, merkst schon, wenn den wechseln musst und fertig. Jetzt die Plörre, vermutlich kommt nicht mehr viel zur Einspritzpumpe. Muss ich halt mal die Filter wechseln, irgendwann.
Ich erreichte dann auch schon bald Nzerekore, die Hauptstadt der NGO’s, die Einrichtungen, die für Flüchtlinge aus Sierra Leone und Liberia arbeiten. Das siehst du schon an den x Fahrzeugen mit abartig riesiger Antenne, alles 4x4 und irgendwelche Logos drauf. UN, UNHCR, UNICEF und so weiter.
Nze jedenfalls gefiel mir. Machte einen tollen Eindruck. Der Lonely Planet Plan war auch gut und so fand ich gleich auch den richtigen Abzweig nach links. Ich hab nicht geblinkt, bin aber richtig um das Rondell gefahren. Wer da steht… die Bullen. Holen mich raus. Na, die können mich mal. Erst ganz freundlich, klar. Dann wollten die mir weismachen, ich wär falsch im Rondell abgebogen. Da hab ich angefangen zu diskutieren. Ja aber… blabla. Dann ist wirklich einer falschrum abgebogen und dann musste der Oberbulle natürlich seine Ehre retten. Den wollte er rausholen. Er hielt ihn an, den Fahrer, aber der hat einfach wieder mit einem Lächeln Gas gegeben. So musst das also machen hier… Na gut, jedenfalls war damit seine Autorität begraben, ich hab ihn auch nicht für voll genommen und immer weiter gequatscht, Scherzchen hier, Witzle da… das wurd ihm dann auch zu blöd und ich durfte unbehelligt weiter.
Ich kam dann zur richtigen Straße, aber ich fand die Auberge Golo nicht. Dann hab ich einfach einen offensichtlichen Schüler angehauen, ihn ins Auto gesetzt und er hat mich hingelotst. Als Dank hab ich ihn dann noch heimgefahren, wo er eigentlich hinwollte, und wir tauschten noch Adressen aus. Sehr aufgeschlossener junger Mann, ehrlich. Also ich werd mit Sicherheit einigen hier in Guinea schreiben, die meinen das ehrlich. In Gambia ist jeder gleich dein Frreeend aber hier kommt das von Herzen. Schwer zu beschreiben, du spürst aber den Unterschied.
So kam ich dann zur Auberge zurück und da war der Preis leider nicht verhandelbar… ziemlich saftig, die 100 000 Franc Guinee. Ich wollte noch ein Essen mit reinhandeln, aber nix. Hier geht’s anders zu. Dann zeigte er mir das Zimmer und mir zog es die Schuhe aus. Das ist ja ne richtige Suite… Sitzecke, TV, Schlafzimmer mit großem Bett, Bad mit fließendem Wasser… der Wahnsinn. Ok, scheiss auf das Geld, außerdem wollt ich eh das Steak und jetzt gönn ich mir den Luxus halt mal. Dann gings wieder auf zum kühlen Bier. Auch das gab es. Keine Ahnung wie, Strom gab es nur abends aus dem Generator, aber das Bier war kühl.
Ich saß da dann mit dem Besitzer, Desiré (ja, ein Mann!) und wir quatschten so über Gott und die Welt. Auch hier tauschten wir noch Adressen aus. Gefällt mir echt, das Land. Ich sagte ihm auch noch, dass Europa den Guineern den Tourismus komplett kaputt macht mit ihrer beschissenen Reisewarnung. Die können echt nur die Straßen teilweise meinen… Wahrscheinlich wissen die gar nicht, was die damit anrichten. Es kommen eh wenig Touristen ins Land und die wenigen bleiben jetzt auch noch aus. Nur ganz ganz wenige, wie ich, die auf diese Art von Reisewarnung einfach scheißen und sich lieber über lokale Internetseiten vorab ein Bild der Lage macht, die kommen noch. Aber das sind wenige. Man denke nur an das Gästebuch von Hassan…
Mittags wurde ich noch zu nem leckeren Essen eingeladen und danach wollten wir ins Internetcafe. Desire zeigte mir einige wichtige Dinge unterwegs und als wir ins Internet wollten, gab es keine Verbindung. Tja… so ist das hier eben. Aber davon geht die Welt auch nicht unter. Wir gingen wieder zurück und ich legte mich einfach bissel hin und entspannte mich.
Abends ging ich dann rüber ins Restaurant und bestellte mein Steak. Im TV, dem einzigen Sender (natürlich in Regierungshand), lief eine abartig lange Rede von General Konate, der den Juntachef nach dem Attentat abgelöst hat. Er redete ewig und drei Tage über die bevorstehenden Wahlen am 27. Juni und wie demokratisch dann alles ablaufen wird. Man wird sehen… ich werde jedenfalls mit Spannung die Ereignisse in Guinea weiter verfolgen, wenn ich wieder zurück bin.
Ich trank noch 2 Bier, schaute mir nebenher die französische Soap an, die im Anschluss kam und dann ging ich zu meiner „Suite“. Herrlich… Strom gabs ja jetzt, ich tippselte noch ein wenig, rief noch meine Schwester an und ging dann auch bald schlafen. Toller Tag heute, mit vielen netten Menschen, die ich kennengelernt habe und von Desire hab ich auch sehr viel über das Leben in Guinea, das Bildungswesen usw. erfahren, ist auch nicht einfach hier…
Rkm 9712 / 368 574