Dies soll vorwiegend ein Reisetagebuch werden, mit den ErFAHRungen in aller Welt mit meinem W123!
Ich hab sehr, sehr gut geschlafen in meiner Luxusunterkunft. Heute wollte ich noch in die Stadt rein, Geld tauschen und Wasser einkaufen. Ich bezahlte und mir fiel es wirklich schwer, zu gehen. Hier hats mir sehr gut gefallen, aber das noch ne Nacht… das kann ich mir finanziell nicht erlauben. Außerdem darf ich jetzt auch nicht mehr so weiter trödeln, ewig hab ich leider auch nicht mehr Zeit. Außerdem vermiss ich meinen Schatz… deshalb muss da ein Mittelweg gefunden werden und der heißt jetzt: Weiter zu den Schimpansen in Boussou an der liberianischen Grenze.
Ich fuhr in die Stadt rein, orientierte mich kurz anhand einer Stadtrundfahrt, was mit dem Lonely Planet Plan echt kein Problem war. Ich weiß auch nicht, letztes Jahr im Nahen Osten hat da ja irgendwie gar nix gestimmt. Ich parkte dann am Nimba-Supermarkt und stiefelte zu Fuß los zum großen Markt, wo die Geldwechsler sitzen sollen. Kaum da, kam auch schon einer an. Der freute sich, als er mit mir ein Geschäft machen durfte. Ich hab natürlich zuvor nochmal ausgerechnet, was ich für meine 50€ so kriegen sollte. Zuletzt in Labe hab ich CFA getauscht, deshalb hab ich rum und num gerechnet, ging aber, da der CFA Kurs ja fix zum Euro steht (1:650). Ich kam dann zum Ergebnis, beim gleichen Kurs wie in Labe, müsste ich dann so um die 355 000 FG bekommen. Erst hat der Wechsler gesagt, er tausche 1€ zu 4000 FG. Das wär weng wenig. Aber ich bekam dann 400 000 FG, also hat er 1:8000 getauscht. Gutes Geschäft, besser als in Labe… Wichtig bei den Aktionen ist immer, erst die Fremdkohle zählen und auf deine Euros aufpassen. Bloß nicht vorher die Euros geben. Abgezählt war korrekt, dann gab ich ihm die Euros und alle waren froh. Auf dem Weg zurück sah ich noch einen Supermarkt, da ging ich rein, hielt ein Schwätzchen und kaufte Wasser und eine Cola. Mann, das wird mir zuhause wieder fehlen. Hab mich schon richtig an dieses Blabla gewöhnt. Erst mal 10 min quatschen bevor man sein Anliegen vorbringt. Unvorstellbar in unserer hektischen Welt in Europa. Dann ging ich zum Auto und fuhr zur nächsten Tankstelle um voll zu tanken. Auch hier… gemächlich… quatschen… dann aber los richtung Lola / Boussou.
Die Straße war gut, die Landschaft langweilig mit abgeholztem Regenwald und vielen Dörfern dazwischen. Meine Laune war hervorragend ob des tollen Landes und auch, weil meine Sandra angerufen hatte, als wir grad am Tanken waren. Ich schob mal wieder, seit langem, ne CD rein. Bei der guten Straße kannst die ja anhören, fiel mir so ein. Dann kam Lola, ein geschäftiges Örtchen und Ende der Asphaltstraße. Nur wusste ich erst, dass es Lola ist, als der Asphalt aufhörte. Ortsschilder sind hier wirklich äußerst selten.
Am Ortsausgang kam eine Zollkontrolle, da ja Liberia nicht weit ist. Ich erklärte, mit meinen Dokumenten, dass ich nur nach Boussou will, nicht nach Liberia oder gar Cote d’Ivoire. Alles freundlich und korrekt, mit Scherzchen und Quatschen verbunden und ich fand mich auf der Buschpiste gen Liberia wieder. Links Elfenbeinküste, ich musste richtung Liberia. Die Piste war gut, ja sogar sehr gut, mit kleinen Brückchen, die nur aus Baumstämmen bestanden. Da hieß es dann balancieren mit dem Auto, bloß nicht runterrutschen. Sind aber erstaunlich stabil, die Dinger. Hier fahren ja auch 40 Tonner rum, total überladen… dass die Brückchen das aushalten… schon Wahnsinn. In Europa wiedermal unvorstellbar. In den Dörfern waren Weiße wohl auch nur selten gesichtet worden. Die Kinder fingen an, hinterm Auto herzurennen… irgendwie seltsam. Hier ist erhöhte Vorsicht angebracht. Wahrscheinlich viele Flüchtlinge aus Kriegszeiten in Liberia.
Es kamen dann noch einige dieser Checkpoints, an einem fragte mich der Militärfuzi nach Wasser. Ich gab ihm eine Flasche. Hier gebe ich gerne was, die Leute sind echt anders. Beim letzten Checkpoint fragte ich noch, welches dieser Käffer denn dann Boussou sei. Ja schon das nächste. Auch recht… Und prompt war da natürlich ein Ortsschild.
Ich fuhr durch und fand mich dann am Zollposten wieder, dem Ausreiseposten Guineas. Ich hielt an und fragte nach dem Schimpansenzentrum. Ja, der Direktor sei gleich dort vorne, bei dem Bretterkiosk. Also ging ich hin. Monsieur Soma lud mich auf einen Kaffee ein und wir warteten auf die Guides. Es sollte heute noch losgehen zu den intelligenten Affen. Wir fuhren dann hoch zum Forschungszentrum (die Japaner haben hier ein Zentrum eingerichtet), für mich wurde noch ein Zimmer reserviert in dem Monkey Nest Guesthouse und wir erledigten die Formalitäten. Fotoerlaubnis, die Führer, Eintrag ins Buch. Dann zog ich mich um, noch ne Flasche Wasser in den Rucksack und es ging los. Schon wieder Sport.
Mit drei Führern ging es auf den Mont de Gban hoch. Die Führer teilten sich und blieben per Walkie Talkie in Kontakt. Ich schwitzte wie ein Roß mit meinen langen Hosen und langen Ärmeln. Aber brauchst wirklich, denn Pfade gibt’s da nicht wirklich, du rennst halt durch den Urwald. Mein Guide schnitt teilweise den Weg frei, wenns zu zugewachsen war. Und wir sahen die Schimpansen. Ein fantastisches Erlebnis. Wie die gucken… du siehst denen richtig die Intelligenz an. Auch die Laute waren zu vernehmen. Einfach herrlich. Lohnt sich schon, die Schwitzerei. Den Mount Nimba bekamen wir auch noch zu Gesicht, es war herrlich. Und die anderen Viecher sind hier halt wirklich etwas größer. Heuschrecken, so lang wie mein Handteller, Insekten in Übergröße… andere Welt, dieser Urwald.
Wir kamen zurück zur Station und ich musste mich erstmal ausruhen. Aber es war es wert, die Mühe. Dann fuhr ich wieder runter und bezog mein „Loch“. Anders kann man das nicht nennen. Aber bequemes Bett. Morgen geht’s eh weiter. Ich sollte es noch bereuen.
Ich wusch mich noch und futterte meine Bananen als Abendessen. Kochen konnte ich hier nirgends und unten, am Kiosk, gabs nur Bohnen mit Mayonnaise und die wollt ich nicht essen. Wer weiß, ob ich das vertrag… dann lieber meine Bananen aus Nze, ich ließ noch 3 übrig zum Frühstück. Dann wollte ich schlafen. Doch das ging nicht. Es war eine furchtbare Nacht. Es ging zu wie auf dem Hauptbahnhof und ich hegte den Verdacht, dass die Zimmer hier als Stundenhotel vermietet werden. Ab und an waren entsprechende Quieklaute zu vernehmen. Dazu die Musik, die von sonst woher dudelte… Mann o mann, ich hatte das Gefühl, die Schimpansen sind jetzt vom Berg runter gekommen und stellen das Dorf auf den Kopf. Die Tür konnt ich auch nicht absperren, dann hat sich noch so ne blöde Schlampe in der Tür geirrt… ich fand keine Ruhe. Ich hätte echt oben beim Forschungszentrum im Zelt schlafen sollen, das wurde mir auch angeboten. Aber ich Depp dachte mir, naja, in nem richtigen Bett, keine Arbeit… Außerdem wurd das Guesthouse im Lonely empfohlen.
Ich nutzte die Zeit und notierte mir mal, was ich am Fahrzeug noch weiter optimieren möchte, z.B. für die irgendwann geplante Kapstadt-Fahrt, ich machte mir einen Zeitplan, wie lang wo zu sein vertretbar ist… so zogen die Stunden in die Nacht, ich fand keine Ruh und ich war froh, dass ich genug Zigaretten gebunkert hatte.
Rkm 9778 / 368 640