Dies soll vorwiegend ein Reisetagebuch werden, mit den ErFAHRungen in aller Welt mit meinem W123!
Noch vor Sonnenaufgang war ich wach und ich machte mich abfahrtbereit. Dann gings los, wenn möglich, bis nach Forecariah, nahe der Sierra Leone Grenze. Sollte zu schaffen sein, wenn die Straßen mitspielen. Ich fuhr also die Schlaglochstraße bis Mamou, wo sich majestätisch wieder das Fouta Djalon-Massiv vor mir erhob. Ich musste an die schöne Zeit bei Hassan denken und die Erlebnisse dort. Echt toll…
Ich war schneller als vermutet und so erreichte ich schon bald den Abzweig nach Conakry in Mamou. Abbiegen und auf die Straße gespannt sein. Zustand: Sehr gut. Einige kleine Löcher, aber das ist hierzulande ja normal. Ich kam gut voran, die Landschaft war allerdings ziemlich langweilig. In der Regenzeit vermutlich wunderschön. Aber so… könnte überall sein. Ein paar Berge, bissel grün… von Regenwald nicht viel zu sehen. Kurz nach Mamou passierte ich das Örtchen Linsan. Da war eine Polizeikontrolle, sogar mit Motorrädern. Weil die Aasgeier so grottenfaul sind, stehen die nicht an der Straße und winken dich dann raus, nein, man schläft in der Hängematte und hört irgendwann ein Auto. Dann kurz schauen, ooooh, ausländische Nummer, raus mit dem. Aber nix, ich bin einfach weiter gefahren. Die brauch ich jetzt bestimmt nicht. Was soll schon passieren. Zum Hinterherdüsen sind die eh zu faul und Kommunikation gibt’s hier eh nicht. Zum nächsten Posten eventuell. Existiert nicht. Einfach weiterfahren. Hat funktioniert…
Ich wollte dann in Kindia noch auf dem Markt mal wieder Geld tauschen, tanken und vielleicht noch was einkaufen. War wieder nix. Die Straße ging irgendwie um die Stadt herum, statt mittendurch. Ich hab den Markt nicht zu Gesicht gekriegt. Egal, ich hab noch Sprit bis zum Abzweig Conakry-Forecariah und genau dort, ein Städtchen namens Coyah, wird es bestimmt ein paar FG und Diesel für mich geben. Ich fuhr also weiter.
Die Besiedlung nahm zu, der Verkehr auch und es war klar, dass ich richtung Hauptstadt fuhr. Am Straßenrand nahm auch der Verkauf von Ananas ungeheure Ausmaße an, muss wohl hier das Hauptanbaugebiet sein. Ich las sogar im Därr, dass es auf der Straße nach Forecariah eine Ananasdosenfabrik gibt. Passt ins Bild… Dann, auf einmal, Stau. Was hier los??
Es war eine Kontrollstelle. Die erste, die ich in ganz Guinea zu Gesicht bekomme. Na jetzt mal schauen… Nix mit weiterfahren, einfach so, die haben richtig ne Barriere errichtet. Es wurden die Papiere gecheckt, wie immer bei mir alles ok, dann das Gepäck. Sie wollten alles wissen. Diese arroganten Affen. Hauptsache wichtig tun. Dem Himmel sei dank, dass sie von der Masse an Gepäck im Kofferraum erschlagen wurden. So musste ich nur die Aluboxen öffnen. Und um zu nerven, erklärte ich JEDES Gepäckstück. Für was was ist. Dann haben diese Halbaffen begriffen, dass ich dem Präsidenten in Conakry nix Böses will, sondern nur Tourist bin. Die Schimpansen von Bossou hättens schneller begriffen, bin ich mir sicher. Es ging aber noch weiter. Der Oberboss, ein schmieriger Typ in meinem Alter und verspiegelter Sonnenbrille, spielte den Oberwichtigen Affen in diesem Zoo hier. Mein Laisser-Passez wäre nicht offiziell. Ist nur vom Zoll. Das ginge so nicht. Und ob das so ginge. Ich diskutierte ewig mit dem Halbaffen rum und dann wurden auf einmal zwei deutsche Pässe auf den Tisch geknallt. Uiii, auch Touristen?? Ja. Die beiden kamen von Conakry mit dem Buschtaxi und durften ihr KOMPLETTES Gepäck, samt Kulturbeutel usw einzeln entleeren. Der hat sie nicht mehr alle hier. Den sollte man einfangen und in der Wilhelma im Käfig ausstellen. So ein Oberaffe.
Dann war irgendwie, als er merkte, mit mir ist nich in 30 Minuten ausdiskutiert, alles in Ordnung. Ich solle nur die Registrierung bezahlen. Ich fragte: Warum? Weil das so wär. Ich hab kein Geld mehr. Keine 200 000 FG, das stimmte sogar. Nur noch Fremdwährungen, ich wollte ihm aber weis machen, ich hätte nur noch die 10 000 FG, mit denen ich rumfuchtelte. Gut, dann sitz ich das halt aus, denk ich mir. Ich diskutierte weiter, warum die anderen Deutschen nicht zahlen mussten, warum die Gambianerin und der Sierra Leone Mann nur 10 000 FG insgesamt bezahlten. Alles fadenscheinige Erklärungen. Ich schnappte mir meine Papiere und hockte mich ins Auto. Stand in der Sonne, aber die Klima geht ja. Ich bleib auch über Nacht, ist mir scheissegal. Ich dachte mir, an mir können die sich die Zähne ausbeißen, dieses Negerpack.
Nach ca 1 Stunde kam einer an, mit dem ich das Quatschen anfing. Und ganz beiläufig erzählte er mir, er wäre Fahrer, schon viel im Ausland gewesen mit dem LKW, Afrika natürlich nur, und dass dieser Checkpoint hier der schlimmste in ganz Guinea sei. Achja, warum denn? Fragte ich. Antwort: Weil die hier einem bis zu 10 Tage stehen lassen. Sie fordern 200 000 FG, wer nicht zahlt, steht einfach. Was bei mir denn das Problem wäre. Ich erklärte es ihm; genau das Geld, was ich nicht bezahlen will. Oha, mit denen ist wohl wirklich nicht gut Kirschen essen. Und weil der mir erzählt hat, die anderen Checkpoints, die noch kämen (waaas, noch mehr???) wären viel einfacher, entschloss ich mich, so zu tun, als hätte ich noch Geld im Auto gefunden. Ich kramte in der Mittelkonsole rum und mit dem anderen Arm griff ich nach meinen CFA in der Hosentasche. Oh, da waren sie gefunden, welch Wunder.
Der Oberneger da drin in seinem Schaukäfig ist vorhin noch mit dem Preis runtergegangen. Er wolle jetzt nur noch 10 000 CFA, weil er ja so ein gütiger Mensch sei und wir doch dieselbe Generation wären (mein Geburtsjahr sah er im Pass). Jaja leck mich doch am Arsch du unterbemittelter Affe, du Blöder. Ich hätt ihn umbringen können. Wär da nicht das Maschinengewehr gehangen, hätt ich wohl zu meinem Dolch gegriffen und wär da drin Amok gelaufen. Das brauchen die hier mal.
Ich bezahlte dann halt die gedrückte Summe und wurde frei gelassen. Keine 20 km weiter die nächsten Bullen; der kam an, als ich grad am Diesel bunkern war. Das war in Coyah. Die Tanke hatte keinen, aber in Kanistern gabs welchen. 40 Liter, der Tank wurde sogar voll, ich bezahlte fair umgerechnet in CFA. Das lief korrekt ab. Dann der Bulle. Er wollte nur Zigaretten, nicht mal die Papiere. Na von mir aus, 2 Stück, mehr hab ich nicht. Die Jungs mit dem Diesel gaben mir noch den Tipp, nicht hier am Kreisel abzubiegen, viel Polizei mit Geldforderungen, sondern ein Stück hoch fahren und dann links abzubiegen. Ok, sehr fair… Ich hatte bei den dreien voll ins Schwarze getroffen. Sie fragten, ob ich Franzose sei. Ich sagte nein, um Gottes Willen, seid ihr wahnsinnig? Moi, allemand, ich mag die Franzosen nicht. Da ich weiß, wie die Guinea denken, hat das vollends gezogen, hehe. In Wahrheit hab ich natürlich nix gegen Franzosen, auch wenn sich viele hier in Afrika etwas seltsam benehmen… aber ja nicht alle.
Aber was ist das nur für eine Gegend hier. Hier kotzts mich an. Den Großraum Conakry sollte man umfahren. Das ist doch nicht mehr normal hier. Fährst durch das ganze Land, bis zur ivorischen Grenze, keine Checkpoints. Nur im Süden 3 Stück, alle freundlich, entspannt… und hier… furchtbar. Denn es ging noch weiter. Es folgten nochmal 3 Checkpoints, aber alle nicht so aufdringlich wie der Oberneger da am Ersten. Die wollten immer nur Kadooooooooh, fragten nach Cola, Keksen oder so Zeug. Aber ich hatte ja wirklich nix da… oder es hat folgendes gezogen. Ich hab mir da am ersten Checkpoint eine Geschichte überlegt.
Ich sei Jounalist für eine große Tourismuszeitung in Europa und ich mache jetzt in meinem Urlaub selber eine Reise mit dem Auto durch Westafrika, um im Nachhinein eine Riesenstory zu veröffentlichen, die alle wichtigen Leute lesen würden, die mit Tourismus zu tun hätten. Die haben doch in Guinea keine Ahnung, wie das bei uns so abläuft… mit dem Tourismus sowieso nicht. Das erzählte ich immer gleich zu Anfang, wenn die Frage kam, was ich hier mache. Nicht einfach Tourist, Jounalist als Tourist. Vielleicht wars deswegen so unkompliziert. Weil sie denken, der könnte ja dann schlecht über Guinea schreiben. Keine Ahung, jedenfalls kam ich ohne Probleme immer durch und das, wo sogar ein mit Afrikanern besetztes Buschtaxi das gesamte Gepäck ausladen durfte. Vielleicht doch die Geschichte…
So kam ich endlich in Forecariah an, trotz der ganzen Ärgernisse auf dem Weg immer noch weit im Tageslicht. Ich sah an einer Tanke gekühlte Colas. Vollbremsung!!!! 2 Dosen hab ich mir gekauft, tatsächlich gekühlt. Wie ein kleines Kind soff ich die eine Dose sofort leer. Wie gut das tat…
Dann fuhr ich weiter und es kam tatsächlich die Ananasdosenfabrik. Naja, nix besonderes. Ananasplantagen halt in der Umgebung… Dann hieß es, Nachtplatzsuche. Zu dicht besiedelt… endlich wurde es einsamer, laut GPS war ich schon sehr nah an der Grenze und es wurde wirklich Zeit, was zu finden. Ich nahm dann mal eine Piste, die mich geradezu auf Leute zuführte, das war nix. Ich fuhr wieder ein Stück zurück und nahm wieder eine Piste. Ich fuhr ein paar Meter, ca 2-3 Meter hohes Buschgras links und rechts, doch dann war links ein kleiner Pfad. Ich checkte kurz die Minibüsche, ob die weich sind und das waren sie. Ich hobelte mit dem Daimler drüber da stand ich nun.
Erstmal die zweite Dose Cola trinken… aaaaaaaaaaah. Wie geil. Dann gabs Gulaschsuppe und in der Zwischenzeit schnitt ich mir mit meinem Dolch einen Weg durch den Busch zum Kofferraum. So eng und dicht bewachsen ist das hier… Dann kümmerte ich mich noch um meinen Dachträger. Den muss ich echt mal ordentlich schweißen lassen. Der kracht da schon auseinander… Ich kittete das mit etwas Wäscheleine. Könnte halten… wir werden sehen. Schlaglochstraßen werden bestimmt noch kommen… Dann kamen noch 2 Mädels vorbei, an dem Pfad, interessierten sich aber nicht für mich. Ich richtete noch mein Bett her und tippselte.
Nochmal zu den Checkpoints. Ich bin so froh, dass ich zuerst in den Süden gefahren bin, mit all den fröhlichen Menschen da. Hier ist das eine Katastrophe. Und warum? Weil in der Hauptstadt halt doch mal paar Touristen rumlaufen, sich vielleicht mal ein Auto mit Fahrer mieten und dann in der Gegend rumfahren. Die kann man ja dann abziehen. Was macht diese Sorte Touristen? Gefordertes Geld bezahlen, ohne Theater zu machen. Die haben ja ne Uniform an, also ist das alles rechtens. Korruption = Fremdwort. Wie man gesehen hat, weiter richtung Sierra Leone, wurds wieder besser… Unglaublich, was Tourismus manchmal anrichten kann… eigentlich traurig. Vor allem, wenn man den Süden des Landes kennt… Von dem her hoffe ich, dass die Reisewarnung noch lange, lange Bestand hat und die Mitte, wie auch der Süden und im Norden das Fouta Djalon noch lange so bleiben, wie sie sind, so unberührt und natürlich, inklusive der Bewohner.
Rkm 10 794 / 369 656