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Dies soll vorwiegend ein Reisetagebuch werden, mit den ErFAHRungen in aller Welt mit meinem W123!

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18.03. Tag 52 Auf nach Sierra Leone!!

Das war ja mal ein Stress gestern. Es ist einfach abartig, was da abgeht. Da packt dich der blanke Hass. Mittlerweile kann ich schon wieder drüber schmunzeln, eben eine interessante Anekdote der Reise, aber in dem einen Moment… Es ist zu vergleichen mit Gefangenschaft. Die Oberherren nehmen sich deine Papiere und ohne die kommst du nirgendwo hin. Ohne Pass, ohne Autopapiere… Dann wird sich irgendwas überlegt, irgendwas Fadenscheiniges, nur mit einem Ziel und zwar Geld zu erpressen. Du brauchst ja deine Papiere wieder. Dazu noch die gehörige Portion von Arroganz. Wenn dann bezahlt wurde, heißt es: Tu es libre. Schon mal nicht mit „Sie“ angeredet und dann „Du bist frei“. Natürlich wird die verspiegelte Sonnenbrille nicht abgenommen und das bezahlte Geld wandert nicht in eine Kasse, sondern fein in die Hosentasche. Irgendwann wird dann die fette M-Klasse gekauft, um die Frauen aufzureißen. Angebrüllt (ja, richtig, nicht angeSPROCHEN) wirst du mit „Fote“ = Weißer in abwertendem Sinne. Ich jedenfalls laufe in Europa nicht durch die Stadt und brülle „Ey, Nigger“. Denn damit wäre das vergleichbar. Die Krux ist nur, dass das eben nur bei Conakry so ist. Mit den anderen Beamten hab ich rumgescherzt, Schwätzchen gehalten, so wie das eben in Afrika üblich ist. Und aufgrund eines Kommentares auf den vorangegangenen Artikel noch Folgendes zur Erklärung:

  • Die Bezeichnung als Affen, Oberaffen etc rührt NICHT von der Hautfarbe der Beteiligten her. Genausogut hätten das Beamte in Zentralasien, Südamerika oder Mitteleuropa sein können. Von mir aus auch in der Antarktis oder sonst wo. Das Verhalten, nicht das Aussehen, führte zu dieser Bezeichnung.
  • Nicht jeder Afrikaner ist gleichzeitig ein armer Mensch, der immer und überall unterdrückt wird. Das erfährt aber nur der, der sich tatsächlich mal in die noch kaum bereisten Regionen dieses Kontinents wagt. Auch hier gibt es eben arrogante Penner, wie überall auf der Welt.
  • Wer sich mal mehr als nur oberflächlich mit dem Wort „Neger“ auseinandersetzt, wird feststellen, dass das keine abwertende Form der Bezeichnung für „Schwarze“ ist, sondern lediglich die Verdeutschung der französischen Bezeichnung „Né Gros“. Bedeutet: Große Nase. So haben die französischen Entdecker die Menschen in Afrika zu der Zeit bezeichnet. Das, im übrigen, wurde mir in Guinea von einem studierten Schwarzen erklärt. Umkehrschluss: Nur wir in Europa empfinden das Wort als abwertend, die Afrikaner selber nicht. Das ist Tatsache, egal woher das Wort dann auch immer stammen mag.

 

Soviel zu meiner „rassistischen Einstellung“. Das nur nebenbei: „Der Rassist“ hat mit Afrikanern gemeinsam aus einer Schüssel gegessen, in einem Dorf ohne Strom und Wasser für ein paar Tage gelebt und mit ca 20 oder 25 Afrikanern Adressen getauscht. Eindeutig rassistisch. Klar. Verstanden soweit. Aber diese oben beschriebenen Dinge begreift eben nur der, der mal aus dem Pauschalafrika (Gambia, Teile Senegals, Kenia, Namibia, Südafrika, evtl noch Botswana) rausgeht und den richtigen Kontinent entdeckt. Ohne Schönmalerei für die Touristen. Und Nordafrika ist nicht Afrika; nur in geografischem Sinne. Afrika beginnt erst südlich der Sahara. Genug abgeschweift jetzt.

 

Früh gings los heute und es stand mal wieder eine Grenze auf dem Programm. Bin ja mal gespannt, wie das abläuft, mit meinem Laisser-Passez aus Guinea und den Bestimmungen für Fahrzeuge in Sierra Leone. Hab ja bis jetzt keine Informationen bekommen. Nach dem Kaffee gings wieder los zur Hauptstraße, ich hab mir sicherheitshalber noch die Koordinaten des Nachtplatzes notiert für den Fall der Fälle auf dem Rückweg. Es standen noch ein paar Checkpoints auf dem Programm.

Beim ersten war alles kein Problem, weil meine Dieselleitung die Beamten ablenktmon Amiii am Checkpointe. Da tropft doch was, meinten sie. Tatsächlich, aber wie… ganz schön.  Das ist schlimmer geworden. Ich bin hinter die Barriere gefahren und hab mir das ganze mal angeschaut. Irgendwo hinter der Hinterachse kommt das wohl her. Keine Ahnung… da muss wohl mal die Achse abgeschraubt werden. Jetzt aber erst mal weiter. Interessiert eh keinen. Nächster Checkpoint. Die wollten einfach ein Kadoooh haben. Ich wurde mal wieder bissel Marokko-Tee los. Zudem war ich gleich „mon Amiii“ und er gab mir seine Adresse, Foto wurde auch noch gemacht. Dann kam die Grenze.

 

Die Ausreise lief völlig problemlos ab, vielleicht auch, weil aus heiterem Himmel „mon Amii“ vom anderen Checkpoint vorher auftauchte und mich durchlotste. Hätt ich auch alleine geschafft, aber so gab es immerhin keine Forderungen nach irgendwelchen kadooohs oder so. Mein Laisser-Passez wurde einfach nur ausgestempelt und ich konnte es problemlos behalten. Jetzt mal schauen, was die Einreise macht. Ich hatte vorsichtshalber schon mal 200 Dollar in Leone getauscht, im Falle einer Zollkaution. Das war im Ort Pamalap möglich. So. Auf geht’s!

 

Erster Punkt war ein Polizeicheckpoint, noch kein Einreise- oder Zollgedöns. Da gabs die ersten Probleme wegen meinem nicht vorhandenen Laisser Passez. Das hätte ich bereits mit dem Visum bei der Botschaft machen sollen. Hätte man das mal gewusst… aber das wird schon irgendwie klappen. Ich erklärte den sehr freundlichen Beamten mein Dilemma. Wie gern ich doch dieses tolle Land besuchen möchte. Ich bin Journalist (ja, immer noch!!) und würde gerne nur positives über Sierra Leone schreiben. Half alles nix, sie wollten mich nach Conakry zur Botschaft schicken. Aber das ginge ja nicht, erklärte ich, ich habe ZWEI Einreisen nach Guinea. Wenn ich jetzt wieder umkehre, muss ich wieder einreisen. Dann kann ich nicht mehr von Sierra zurück nach Guinea. Das kapierten sie… Sie schickten mich dann weiter zur Einreiseprozedur, ließen mich passieren. Ich solle das alles denen da erklären. Vielleicht bin ich denen einfach nur auf den Wecker gefallen, ich hab keine Ahnung, aber alles lief sehr freundlich, herzlich und super hilfsbereit ab. Der allererste Eindruck von Sierra war also sehr, sehr positiv. Dann kam ich beim großen Zollgebäude an.

 

Ich wurde wieder sehr herzlich empfangen, ob ich tatsächlich mit DIESEM Auto von Grenze zu Sierra Leone - die beiden FlaggenDeutschland hergekommen sei, wie lang, wieviele Km und so weiter. Tolle Leute hier… muss schon sagen. Dann wurde erstmal mein Pass gestempelt, das gefiel mir deswegen, weil dann die Umdreherei noch schwieriger wird. Dann wär ja mein Visum für Sierra auch noch weg. Sehr gut. Dann wieder die Frage nach dem Laisser-Passez. Hab ich nicht. Ach, das sei doch überhaupt kein Problem. Schau her, wir haben hier dieses Dokument, das erlaubt dir, hier rumzufahren. Du bezahlst einfach nur die 50.000 Leone Verkehrsbewilligung. Dafür gibt’s ne Quittung. Ich weiß nicht, ob ich die Kinnlade wirklich unten hängen hatte, wenn ja, hing sie da noch ne Weile. Kein Rumgeschisse, kein Ärger, kein Theater wie in Guinea… Wow. So gingen dann die Dinge vor sich, das Papier wurde ausgefüllt, mein Gepäck mit jeder Menge Lachen und Witzchen kontrolliert (alles sehr oberflächlich) und dann die Bewilligung bezahlt. Nicht mal das Laisser-Passez hat was gekostet. Und es kamen keine Forderungen nach kadooohs. Wobei man hier wohl eher Souvenir sagt, ist ja englischsprachig. Ich war drin und zwar problemlos. Wie geil, ich fuhr vom Hof. In Afrika ist einfach nix unmöglich. Du hast die vorgeschriebenen Papiere oder sonst was einfach nicht, es geht trotzdem irgendwie. Das liebe ich hier…

 

Die Strecke war kein Problem, keine Straße, aber eine sehr gute Piste. Und zudem wurde zum Großteil auch auf der neuen Trasse gefahren. Es gab einige Checkpoints, aber alles kein Problem. Alles sehr freundlich und herzlich. Ganz tolle Menschen hier. Und Zivile hab ich noch gar nicht kennengelernt… In Mange bei einem der Checkpoints, gab mir der Officer noch einen Security-Mann mit. Ich dachte erst, weil das so gefährlich sei hier. Nein, nein, nur mit ihm hätte ich keine Probleme an den weiteren Kontrollen. Und so wars auch… Ich nahm ihn mit bis Waterloo, ihn und sein Abendessen in Form von drei (noch) lebenden Hühnern, die fröhlich im Fußraum des Beifahrersitzes im Daimler vor sich hingackerten. Stubenrein waren sie jedenfalls. Bei Port Loko begann dann der Asphalt in richtung Waterloo und Freetown und zwar tadellos. Die Fahrt wurde flotter. Was mir auffiel, waren die vielen Schilder mit Hinweisen zu Aids, sicherem Fahren, kein Alkohol am Steuer, kein Telefonieren während der Fahrt… alles britische Korrektheit. Das Land ist echt in Aufbruchstimmung nach dem ewig langen und vor allem blutigen Bürgerkrieg. Gefällt mir sehr, sehr gut bisher. Zudem gabs mal wieder Radio. Ich unterhielt mich mit Samuel, meinem Begleiter und wir glitten durch dieses wunderbare Land. Wir erreichten bald schon Waterloo, wo er mir noch den Abzweig zur Südroute auf dem Peninsula-Highway zeigte und er stieg aus.

 

Der Hochweg war weiterhin in tadellosem Zustand, was eine flotte Fahrt zuließ. Es war erst gegen 2 Uhr mittags, also werde ich problemlos mein Ziel, Sussex, erreichen, selbst wenn der Straßenzustand sich extrem verschlechtern sollte. Die Landschaft war gigantisch. Berge mit unberührtem, satten Grün, bald schon tauchte der Atlantik auf und die Menschen in den zahlreichen Orten waren überaus angenehm. Es wurde gewunken, gegrüsst, gelacht… DAS ist das Land des Lächelns, nicht Gambia, wie die dort immer behaupteten. Ich fühlte mich extrem wohl. Das würde der Sandra auch gefallen hier…

Beim Abzweig nach Kent tauschte ich noch Nummern aus mit dem Policeofficer am traumhaft...Checkpoint. Der war ganz außer sich vor Freude, jemanden zu treffen, der auch Markus heißt. Er meinte, ich solle kurz durchrufen, wenn ich auf dem Rückweg bin, dann fahren wir zu seiner Familie nach Waterloo und essen gemeinsam. Das werde ich machen. Dann fuhr ich weiter und immer wieder war das Meer zu sehen. Dann sah ich einen schneeweißen Streifen an der Küste, einen dieser zahlreichen Strände hier, von der Straße aus… es war einfach traumhaft. Dann der Abzweig nach Tokeh, wo auch einer dieser Traumstrände sein soll und nach Information von Samuel sogar mit Jetski und allem drum und dran. Bei Tokeh hörte der Asphalt auf.

 

Die Piste war im Vergleich zu Guinea ein Kinderspiel, ab und zu steinige Passagen, aber ich kam ganz gut voran. Es ging durch einige kleine Orte mit freundlicher Bevölkerung, immer wieder Gewinke, Gegrüße… sehr schön. Leider waren jetzt an der Piste keine Orstschilder oder irgendwelche anderen Schilder mehr vorhanden, so dass ich mich nun selbst drum kümmern musste, welches Kaff Sussex sein könnte. Bei einem Ort hegte ich die Vermutung, war mir aber nicht sicher. Deshalb wurde bei den Bauarbeitern am Straßenrand gefragt. Ich lag richtig… Genau da ging es in den Ort runter. Ich schaukelte die Piste runter, fragte nochmal kurz, wo denn der Franco sei und war im Nu dort angekommen.

 

Ich parkte und mir fiel wieder ein, dass ja immer noch der Diesel da unten rauslief. Also schnell eine leere Wasserflasche aufgeschnitten und druntergestellt. Dann läuft nix aufs Gelände. Danach checkte ich ein und mich traf beinah der Schlag, als ich den Preis erfuhr. 60 Dollar für eine Nacht?? Oha… naja, ich ließ mir dann erstmal das Zimmer zeigen und das rechtfertigte dann auch den Preis… Strom, fließendes Wasser, großes Bett, Fernseher, DVD-Player, schönes Badezimmer und sogar seitlicher Meerblick. Einfach traumhaft. Deshalb schiss ich auf den Preis und beschloß, es mir hier mal 3 Tage richtig gut gehen zu lassen. Das Resort ist wirklich zu empfehlen. Direkt am Meer, eine kleine Lagune mit Sandbank als Begrenzung zum Meer… Das Paradies auf Erden. Bei Flut hatte ich sogar das Meer direkt unter den Fenstern meines Zimmers. Fantastisch.

 

Ich gönnte mir erst einmal das obligatorische Ankommensbier, chillte ein bisschen und abends ging ich dann noch essen. Leckere Pasta… richtig italienisch. An der Küche ist deutlich zu merken, dass ein Italiener das Resort führt. Ich bekam noch einige Europäer zu Gesicht, um die ich mich aber nicht weiter kümmerte. Ich war müde und ging dann bald auch schlafen.

 

Rkm 11 017 / 369 879

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