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Dies soll vorwiegend ein Reisetagebuch werden, mit den ErFAHRungen in aller Welt mit meinem W123!

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20.03. Tag 54 Freetown

Ich hab wieder göttlich geschlafen. Gefrühstückt wurde dann noch mit den Italienern und ich merkte wieder, wie sehr ich die Sprache liebe… Ich verstand einiges, sprechen ist nicht mehr so… aber es klingt einfach wie Musik. Franco kam dann auch noch und mein Aufbruch nach Freetown zögerte sich so raus. Aber was solls, Zeit ist eh egal.


Dann raffte ich mich auf und nachdem ich erfuhr, dass in 10 km eine Tanke kam, konnte ich beruhigt aufbrechen. Tank war ja nahezu leer nach der Dieselaktion gestern. Vielleicht konnte ich von Freetown aus mal meinen Opa anrufen, der heute Geburtstag hatte, denn was ich feststellte bei Franco war, dass ich immer „Kein Netzzugriff“ auf dem Display des Handys hatte. Mal schauen…


Die Tanke kam und ich tankte. Das läuft hier noch schön mit Handpumpe und mit Gallonen. Da musste ich erstmal umrechnen. Wie war das noch gleich? Achja, 1 Gallone ca 4 Liter. So in etwa. Was mich da noch verblüffte, war, dass der Tankwart astreines Deutsch sprach. Er habe mal in Solingen gelebt. War nett, bissel quatschen hier, bissel Tanken da… ich liebe Afrika. Zeit ist hier wirklich scheissegal und ich hab mich, denk ich, schon gut angepasst. Dann gings mit vollem Tank weiter. Der Verkehr wurde dichter, bis dann gar nix mehr ging. Stau. Den ersten in ganz Afrika. Aber es war interessant. Ich schaute mir das Treiben so an und was mir sehr gut gefiel, war, dass die hier mit (sogar ziemlich neuen) Pickups durch die Gegend fahren und einfach nur Party machen. Da sind mannshohe Boxen draufgeschnallt und daraus dröhnt ewig laut Reggae Musik. Das zauberte eine ganz tolle Atmosphäre, vor allem im Stau.


Mit dem Stadtplan vom Lonely Planet fand ich mich sehr gut zurecht und was auch zutraf, war die Info mit dem ständig wechselndem Einbahnverkehr. Morgens geht’s sorum, mittags sorum, abends wieder andersrum. Das musst du aber wissen. Ist auch nicht immer gleich. Und prompt war ich in einer Einbahnstraße, aber falschrum. Dann halt drehen. Ich wurde nur drauf aufmerksam gemacht, keiner regte sich auf. Passiert wohl häufiger…


Dann fand ich ein Internetcafe. Es funktionierte sogar, die Verbindung. Nicht so wie die Versuche in Guinea… Ich machte mich an die Arbeit und auf einmal war ein Geschrei und Aufruhr draußen, so dass ich auch mal nachschauen musste. Da stand ein 190er rum und zwar lichterloh in Flammen. Keine Ahnung wieso, aber der Motor brannte. Auch von unten her schlugen Flammen hervor. Und wieder die Afrikaner… Im Nu war eine Mannschaft aufgestellt, die Sand vom Straßenrand schaufelte und den eimerweise auf die Flammen kippte. Ich weiß nicht, woher die Schaufel kam, oder die Eimer… aber sie habens organisiert. Ich wollte schon zu meinem Auto und den Feuerlöscher holen. Aber die Afrikaner waren schneller… Echt unglaublich.


FreetownNach dem Internet fuhr ich ins Zentrum und parkte vor einem Bürogebäude, das aber heute, Samstag, nicht besetzt ist. Gleich kam ein Security-Mann an, fragte mich kurz, woher ich komme, hieß mich willkommen und er passe auf mein Auto auf. Dann tappselte ich los, am uralten Baumwollbaum vorbei ins Zentrum rein. Ich fragte überall nach Aufklebern, aber keiner hatte die Landesflagge für mein Auto. Da müssen nämlich noch mehr drauf außer der Sukuta Aufkleber, denn alle Welt denkt, ich käme aus Gambia. Darüber sind sie schon erstaunt, ob ich die Strecke gefahren wäre. Wenn ich dann erkläre, ich wäre aus Deutschland runtergefahren, dann ist aber Highlife. Jedenfalls fand ich nix, nur Musik aus Sierra Leone und einen Supermarkt, in dem ich noch meine Vorräte aufstockte. Da gab es ALLES zu kaufen. Importierte Sachen, einfach alles. Ein Paradies…


Dieses Land überrascht mich wirklich. Hier haben wir erst ca 7 Jahre Frieden, davor war einer blutigsten und schlimmsten, langandauerndsten Bürgerkriege von ganz Westafrika in diesem Land. Heute findet der Besucher hier freundliche, offene Menschen, nagelneue Straßen, eine gepflegte Hauptstadt mit rausgeputzten Kolonialbauten, Supermärkte, in denen sogar deutsche Kekse erhältlich sind, Strom, fließend Wasser… all das ist Standard hier. Der helle Wahnsinn. Ich hab auch auf dem Weg zur Halbinsel nur ein einziges zerbombtes Gebäude gesehen. Das wars… jetzt wird gebaut wie verrückt, grade südlich von Freetown entstehen Ferienresidenzen, Wohnhäuser… wahnsinn. Ich hoffe nur, dass das alles die Leute nicht verdirbt, wenn wirklich mal viele Touristen kommen sollten. Ich hoffe es nicht…


Jedenfalls verflog die Zeit und als ich zum Auto zurückkam, kam der Wachmann gleich an. Aber er wollte kein Geld fürs Aufpassen, er fragte nur, wie es mir gefiele, was ich eingekauft habe… und im Nu waren ca 20 Mann um mein Auto versammelt und wir quatschten. Die Krönung war ein Sammeltaxifahrer, der sich auch noch dazugesellte. Mitsamt den Insassen natürlich. Ich tauschte noch Adressen mit dem Wachmann aus und ich verabschiedete mich. Es wurde schon langsam dunkel… Klamotten hab ich wieder keine gekauft, ich brauch unbedingt T-Shirts. Na was solls…


Auf dem Rückweg in Freetown hat noch einer mit seinem fetten Geländewagen gemeint, er müsse sich reindrängeln. Eigentlich wird hier sehr „miteinander“ gefahren, der hat die Ausnahme der Regel der bestätigt. Aber anscheinend war ihm nicht geläufig, wie stabil die 123er sind. Er hat ne fette Schramme abbekommen, als ich ihn knutschte, bei mir siehst du gar nix. Das hat er jetzt davon. Das beste war aber, es geschah direkt vor den Augen eines Polizisten. Der hat sich die Schramme von dem andern angeschaut und nur gemeint, er solle sich nicht so anstellen. Ist doch nix. In Deutschland Totalschaden, hier nicht der Rede wert. Wir sollen weiterfahren und nicht die Kreuzung blockieren. Ich liebe Afrika.


Stadteinwärts war ein Heidenverkehr, raus gings. Glück gehabt. Es wurde trotzdem schon stockfinster. Geht schnell hier in diesen Breiten. So fuhr ich also die Piste runter richtung Sussex im Dunkeln. Jetzt war da ein Militärposten aufgebaut, der jedes Fahrzeug stoppte. Oha, aber dann wird schon nix passieren. Die größte Sorge war, den Abzweig nach Sussex rein zu finden. Ich dachte eigentlich, es kein Problem, aber als ich so vor mich hinfuhr, dachte ich, es müsste langsam kommen. Dann kam ein Schild. River No.2. Oooooh, das ist aber zu weit. Aber wo zum Henker war der Abzweig??? Keine Ahnung. Im Dunkeln sieht alles so anders aus… Da fiel mir ein, dass ich auf dem Ankommensweg ja das GPS anhatte. Meine Rettung! Da müsste mein Hinweg noch gespeichert sein. So wars auch. Mit technischer Hilfe fand ich schnell zurück und dann gönnte ich mir erstmal ein schönes, saftiges Barrakuda-Steak zum Abendessen, dazu ein kühles Bierchen.


Rkm 11 081 / 369 943

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