Dies soll vorwiegend ein Reisetagebuch werden, mit den ErFAHRungen in aller Welt mit meinem W123!
Heute ist es soweit. Es heißt Abschied nehmen von diesem traumhaften Flecken Erde. Die Zeit rennt mir einfach davon, dazu kann ich mir dieses Luxusdomizil eh nicht länger leisten. Die Abfahrt zögerte sich natürlich wieder nach hinten raus, aber das war halb so schlimm, denn ich hatte ja heute keine große Etappe vor mir. Ich wollte ja nur ein paar Strände weiter südlich ankommen…
Ich traf die Italiener wieder beim Frühstück und das war mit ein Grund, warum ich nicht früh aufbrach. Wir klönten noch bei Kaffee und Melone. Dann wurds aber Ernst. Ich packte meine Sachen, bezahlte und wollte los. Das war ein teurer Spaß, aber egal… ich hatte es mir verdient. Ich suchte noch nach den italienischen Jungs, ich wollte mich noch verabschieden. Aber die waren irgendwie verschwunden… nicht am Zimmer, Auto stand noch da… eigentlich wollten die auch heute los, denn der Besuch von Luca (der, der hier vor Ort lebt) flog heute wieder nach Italien zurück. Hm. Ich muss jetzt los, dann halt ohne Verabschieden. Schade.
Ich fuhr die Piste richtung Süden und kam nach wenigen Kilometern wieder an den River No.2 Beach. Den wollte ich mir mal anschauen, mal ein bissel baden. Ich parkte den Blauen unten direkt am Strand und es war schon deutlich zu merken, dass das hier der beliebteste Strand von Sierra Leone ist. Überall Weiße, die wohl in dem Guesthouse da unten residierten, Strandbars, Liegen, Sonnenschirme… naja. Aber schön ist er wirklich. Knallweißer Sand, dazu der Atlantik und das nicht erschlossene Hinterland mit Kokospalmen. Ein Paradies. Nicht auszudenken, wie es hier wohl in 30 Jahren aussehen könnte. Der Ballermann von Westafrika für die britischen Touristen? Vorstellbar allemal. Ich hoffe, das bleibt aus.
Ich legte mich also an den Strand, genoss die Sonne, ging auch mal baden und döste so vor mich hin. Ich las noch das Buch zu Ende, das ich in der Sukuta Lodge gekauft hatte und fühlte mit dem Autor, als er aus Guinea die Schlammlöcher beschrieb, die Regenwaldpisten, auf denen sie die alten Peugeots rüberjagten. Du empfindest das alles wirklich ganz anders, wenn du das selber mal durchgemacht hast bzw. mal dagewesen bist. Und für mich stand fest: Ich muss hier wieder her, so bald wie möglich. Und mit dem Auto. Es bleiben einmalige Eindrücke und Erlebnisse zurück, mal amüsant, mal stressig… und nächstes Mal wird die Strandroute in Mauretanien gefahren. Al-Quaida hin oder her. Das muss sein.
Nach ca 2 Stunden hatte ich dann aber auch schon genug von dem Strand und ich zog los. Am Auto angekommen, haben sich dort einige Fischer versammelt und den Benz begutachtet. Wir quatschten noch ein wenig, keiner wollte was, es wurde gelacht, es war einfach nur die Freude zu spüren, die die Menschen hatten, dass sich einer die Mühe macht, mit dem Auto aus Europa in ihr Land zu fahren. Es ist wirklich ein Jammer, dass ich hier nicht mehr Zeit hab. Zu gern würd ich noch ins Landesinnere fahren, nach Makeni, Kabala, zu den Diamantenminen in Kenema, nach Bo, zu den Mangroven von Shenge usw. In diesem kleinen Land sind drei Wochen gar nix. Und ich hab nur 4 Tage… zu schade. Das nächste Mal eben.
Die Nacht wollte ich an einem nicht erschlossenen Strand verbringen. Ich hatte bei Google Earth einige Bilder von einsamen Stränden gesehen, konnte mich jedoch nicht mehr erinnern, wie das Ganze hieß. Ich kam an einem Schild vorbei, auf dem geschrieben stand: John Obey Beach. Ich meinte mich erinnern zu können, dass das so ein Strand war. Also mal runter da. Ich kam dann da unten an und ich wurde gleich wieder sehr herzlich empfangen. „Most welcome“. Der Beachboy da, der auch für das kleine, einzige Restaurant zuständig war, meinte, es wäre kein Problem, mein Zelt direkt auf dem Strand aufzuschlagen. Ja wunderbar, genau das wollte ich machen. Ein Bierchen gabs auch noch und wir unterhielten uns. Es war Sonntag und deswegen waren so einige Leutchen aus dem Dorf an der Hauptstraße oben unten am Meer, wo die Fischer ihre einfachen Hütten hatten. Es gab interessantes zu hören, über das Leben in Sierra Leone, den Bürgerkrieg, ein paar stammten aus Guinea und sind nach dem Krieg nach Sierra Leone gegangen. Super. Hier gefällts mir. Die Umgebung war fantastisch. Ein langgezogener, goldgelber Strand mit schwarzen Granitfelsen durchsetzt, eine kleine Lagune, die von einem Fluss aus dem Regenwald gespeist wurde. Und keine Liegen oder Sonnenschirme weit und breit… Super.
Ich baute dann langsam mein Zelt auf, es wurde schon dunkel, und es fand sich noch eine Familie aus Freetown ein, die hier ihr Sonntagspicknick veranstaltete. Da war mein Zelt natürlich DIE Attraktion. Kennen die Afrikaner ja nicht in dem Sinn. Vielleicht die Nomadenzelte, aber nicht diese Iglu-Zelte. Die Frage kam auf: Was ist das denn?? Ich antwortete: It’s my home!! Große Fragezeichen in den Gesichtern… neugierige Blicke ins Zelt rein, vor allem der beiden Kinder. Wir unterhielten uns noch eine Weile, tauschten Email Adressen aus und dann war ich mutterseelenalleine. Wunderbar. Ich genoss die Einsamkeit und da fiel mir ein, dass ich ja noch den Schweinebraten der beiden Männer von Sukuta in der Fressbox hatte. Für einen besonderen Anlass. Ich glaub, der war gekommen, der Anlass. Es gab also lecker Schweinebraten, direkt am Meer.
Bevor ich endgültig einschlief, checkte ich nochmal den Wasserstand. Ob ich auch hoch genug residiere. Denn bei Ankunft war Ebbe und wenn des Nachts die Flut einsetzt, möchte ich nicht irgendwo auf dem Atlantik aufmachen. Womöglich vor den Kanaren… nein nein. Aber das müsste passen so. Das Rauschen der Wellen wiegte mich in den Schlaf. Fantastisch. Ich will hier nicht weg…
Rkm 11 106 / 396 969