Dies soll vorwiegend ein Reisetagebuch werden, mit den ErFAHRungen in aller Welt mit meinem W123!
Ich wollte früh starten, denn jetzt stand, den Plan, den ich in der Horrornacht von Bossou erstellt habe, fest im Auge, nur noch Fahren auf dem Programm. Bis Mbour im Senegal wird durchbrezelt, von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang. Deshalb war ich schon vor Sonnenaufgang munter, packte meine Sachen wieder in den Daimler und machte los.
Ich kam wieder an dem Checkpoint vorbei, wo ich mit dem Policeofficer namens Markus die Nummern ausgetauscht hatte. Ich konnte mich leider nicht ankündigen, denn das Handy funktionierte auch in Freetown nicht. Es scheint noch kein Roaming-Abkommen zu existieren für deutsche SIM-Karten in Sierra Leone. Wird aber Zeit, menschenskind. Meinen Opa konnte ich deswegen auch nicht anrufen. Am Checkpoint war mein Namensvetter nicht anwesend, seinem Kollegen zeigte ich mein Handy und entschuldigte mich tausendmal. Wirklich schade. Ich hätte mich gerne mit ihm nochmal getroffen. Aber ich kanns auch nicht ändern…
So gings problemlos bis nach Waterloo und weil ich sehr früh dran war, ging da erst die Aufbauerei des Marktes los. Hier wollte ich mir jetzt noch T-Shirts kaufen. Das tat ich auch. Ich nahm zwei mit und die Standfrau sagte, ich sei jederzeit willkommen, wenn ich nächstes Mal wieder in Sierra bin, inshallah. Die Leute hier sind wirklich die herzlichsten, freundlichsten von allen Ländern, die ich bisher erlebt habe. Dann gings weiter und ich fragte wieder nach Aufklebern. Diesmal hatte ich Glück. Ich fand einen Stickerhändler. Aber der hatte kein Sierra Leone Aufkleber. Aber hier… Patt Problääm. Er bastelte mir einfach mit dem was er da hatte, die Landesflagge und mit weißen Bändern schrieb er mir noch den Schriftzug „Sierra Leone“ drunter. Wunderschön. Sehr gut. Jetzt kanns ja weiter gehen. Getränke hab ich auch noch gefasst, auf zur Grenze.
Ich hatte bis kurz vor der Grenze polizeiliche Begleitung. Deswegen waren die Checkpoints überhaupt kein Problem. In Mange erkannte mich sogar der Officer wieder und wir quatschten noch kurz, wie denn die Fahrt mit dem Samuel und seinen Hühnern so war etc. Unterwegs kam mir noch der britische Radler entgegen. Ein letztes Mal grüßten wir uns, denn jetzt bin ich auf dem Rückweg, er fährt weiter gen Süden. Schon lustig. Immer dieselben Leute… Im letzten Ort tankte ich nochmal voll und es ging dann an die Formalitäten an der Grenze. Ausreise war überhaupt kein Problem, ich kannte ja auch schon das Zollgebäude. Die erkannten mich auch wieder… Unglaublich.
Dann die Einreise Guinea. Auch kein Problem, ich hatte ja das Laisser-Passez noch. Ich wurde da noch zum Essen eingeladen, das nahm ich dankend an. Aber leider gabs wieder mal was mit Erdnusssoße. Diese verfluchte Erdnussallergie verleidet dir hier in Westafrika wirklich so manches… Naja. Ich war wieder in Guinea. Nach der Erfahrung nun in Sierra kamen mir die Leute hier nicht mehr ganz so aufgeschlossen und freundlich vor, wie noch auf dem Hinweg. Es kommt wirklich immer darauf an, von wo du grade kommst, was für Erfahrungen du wo gemacht hast… Das beeinflusst dein Empfinden ganz schön.
Jetzt geht’s auf die Horrorcheckpointroute. Ich hatte bei Franco noch mit Luca gequatscht, ob es evtl möglich wäre, einen anderen Übergang weiter im Norden zu nehmen, aber das hat sich dann auch zerschlagen. Zuviel Zeitaufwand für die Pisten. Möglich wäre wohl die Route über Kabala nach Faranah, aber das macht auch keinen Sinn, denn von Faranah bis Mamou auf Guinea-Seite ist die Straße ja auch nicht in gutem Zustand. Dann kann ich meinen „Plan“ nicht mehr einhalten. Also dieselbe Strecke zurück.
Die Checkpoints kamen mir nicht mehr ganz so schlimm vor. Da, wo meine Dieselleitung die Beamten ablenkte, wollte er Geld für die Registrierung haben. Vom Hinweg. Ich hab einfach nicht kapiert, was er von mir wollte, machte es mir auf dem Stühlchen bequem und irgendwann gab er auf. So einfach wird’s bei Coyah nicht… mit meinem besten Freund dort. Ich kam also relativ problemlos durch, ab und zu wurde was gefordert, aber ich hab einfach nix bezahlt. Das geht schon. Dann kam Coyah. Berg hoch und ich war an meinem Lieblingscheckpoint. Da gings schon wieder zu… Jeder brüllte wieder was, weil auch die Guineer sich über diese Arschlöcher aufregten. Ich hatte mir noch 20 000 CFA aufgespart für genau diesen Checkpoint. Ich wollte einfach schnell durch.
Sie kamen gleich an, er forderte die Summe, ich bezahlte 15 000 CFA. Dann gabs wieder irgendwelche erfundenen Probleme und ich sollte parken. Das praktische ist nur, dass von Coyah kommend keine Parkmöglichkeit besteht. Da einen Aufstand machen, hält den ganzen Verkehr auf. Also machten die Herren einen Fehler. Sie winkten mich HINTER die Barriere. Jetzt hielten mich nur noch die beschlagnahmten Papiere auf, sonst wär ich einfach weitergefahren, Bewaffnung der Arschlöcher hin oder her. Was sollen die schon machen. In dieses Gewusel reinballern? Ich denke nicht. Jetzt war meine Mission, die Papiere wieder herzukriegen. Für die nächste Afrikafahrt werde ich versuchen, noch zwei, drei Original Fahrzeugscheine herzukriegen, dann können die einen einfach behalten, den Paß hast denen schnell mal aus der Hand gerissen. Und dann kannst einfach ab durch die Mitte. Die Verhandlungen begannen. Und da kam er, mein bester Freund. Noch arroganter als letztes Mal, dieser Affenarsch. Ich erzählte ihm, dass ich bereits 15 000 CFA bezahlt hätte. Hier sind noch 5 000, du blöder Wichser. Ja, man hätte es erhöht, die „Gebühr“ Klar doch, du arrogantes Arschloch, du Blödes. Letztes Mal hieß es noch, beim Rückweg sei nix zu bezahlen. Das hab ich ihm eh nicht geglaubt. Die Weißen sind hier einfach die Melkkuh. Wir pflücken in Europa das Geld von den Bäumen, klar doch.
Ich steckte ihm die 5 000 CFA in seinen arroganten Arsch und irgendwie schaffte ich es, meine Papiere wieder zu bekommen. Jetzt aber ab durch die Mitte. Ab ins Auto, Tür zu, Knopf runter, Motor an und Gas. Die Barriere lag ja hinter mir. Schreiend liefen sie hinter mir her, aber diese Affen konnten mich mal Arsch lecken. Beinah hätt ich noch andere Wartende umgefahren, die sprangen ganz schnell zur Seite, als ich lospreschte. So. Das wär geschafft. Auf Nimmerwiedersehen, ihr Arschlöcher. Nächstes Mal prügel ich den Daimler über die Pisten nach Sierra, davon kannst ausgehen. Von mir kriegt ihr kein Geld mehr. Das war also geschafft. Jetzt hatte ich Ruhe, keine Checkpoints mehr bis zur Senegalgrenze.
Ich kam gut voran, lag gut in der Zeit, aber bis Labe werd ichs nimmer schaffen heute. Dann, vor Mamou, Stau. Was denn hier los? Ich war schon auf Nachtplatzsuche und das Problem scheint sich jetzt von selbst gelöst zu haben. Hier im Stau werd ich wohl bleiben. Was ist da nur los? Wahrscheinlich blockiert irgendein Pannen-LKW die Strecke oder so. Abschleppdienste gibt’s hier ja nicht. Ist da mal irgendwas los, ein Unfall, Panne oder so, kann die Straße tagelang blockiert sein. DAS will ich allerdings nicht hoffen. Es war irgendwie lustig. Ich aß noch was im Auto und schaute mir das Treiben da an. Mittlerweile war es schon stockdunkel. Dann gings auf einmal wieder bissel vorwärts.
Stück für Stück ging es voran und dann sah ich den Grund für den Stau. Ein querstehender LKW, der die komplette, enge Bergstraße blockierte. Ich erfuhr, dass der LKW hier schon länger stehe, ein Tag circa. Jetzt haben irgendwelche Jungs, es war ein Wahnsinnstrubel da, eine provisorische Umleitung gezimmert mit irgendwelchen Spitzhacken, Sand, Steinen. Klar, dass die von mir natürlich Geld wollten. Das gabs aber nicht. Ich hatte Zeit. Ich erzählte denen, einem nach dem andern, eine Geschichte. Ich komme grade aus Sierra Leone und an der Grenze bin ich überfallen worden. Ich hab kein Geld mehr, die haben mir alles abgenommen. Auf dem Weg nach Süden hab ich Freundschaft mit einem Zöllner in Labe geschlossen, den hab ich angerufen und der hätte mir jetzt Geld besorgt für die Weiterfahrt. Ich hab das so oft erzählt, dass ich es schon selbst glaubt. Nein, ich könne hier ohne Bezahlen nicht durch. Gut, dann warte ich eben, bis der LKW irgendwann weg ist. Ich hab genug zu essen da, Wasser auf dem Dach… patt problääm. Ich stand nur sehr geschickt, denn ich konnte nicht zurück und wenn ich warten müsste, dann würd ich hier den ganzen Verkehr blockieren. Das zog. Es wurde denen zu blöd, und ich könne auch so weiterfahren. Schließlich müsse man ja den Stau auflösen. Genau. Mein Reden. Also kam ich so durch.
Dann fuhr ich noch ein Stückel weiter, suchte mir eine Piste abseits der Straße und stellte mich da sichtgeschützt in den Busch. Dann also morgen früh weiter. Ziel: mein Nachtplatz auf der Strecke zur Grenze, die Koordinaten hatte ich ja. Sollte machbar sein, aber du weißt hier einfach nie, was passiert. Wie hier mit dem LKW. Das ist Afrika. Und genau das macht das Reisen hier so spannend. Es passieren IMMER unvorhersehbare Dinge. In Europa: ganz einfach. Ok, ich mach einen reinen „Fahrtag“ von Madrid nach Frankfurt. Das wird er auch. Nicht so in Afrika. Einfach nur fahren. Das geht nicht. Du erlebst trotzdem so Einiges, sei es an Checkpoints oder mit irgendwelchen Pannen-LKWs…
Rkm 11 545 / 370 407