Dies soll vorwiegend ein Reisetagebuch werden, mit den ErFAHRungen in aller Welt mit meinem W123!
Gestern hab ich wirklich ein gutes Stück Strecke gerissen. 356 Kilometer und das noch mit der Piste Labe – Senegal. Ich bin stolz auf mich. Ich lieg gut im Plan und heute geht’s in den Senegal zurück. Ich brach wieder sehr früh morgens auf, um ausreichend Zeit für eventuell anstehende Verhandlungen in puncto Zollkaution zu haben.
Schon bald erreichte ich die neue Trasse der Straße, die irgendwann einmal asphaltiert sein soll. Diesmal kamen mir die Umleitungsstücke sehr viel staubiger vor als noch auf dem Hinweg. Die schütten da irgendso ein weißes Zeug auf die Piste und das staubt höllisch. Teilweise waren das richtige Staublöcher und beim Eintauchen der Front des Daimlers war erst mal nix mehr Sicht. Es staubte bis weit über den Dachträger hoch, vergleichbar, als würdest du durch einen Fluß fahren und das Wasser spritzt links und rechts in hohem Bogen über das Auto. Du fährst auch mit Scheibenwischer, sonst siehst gar nix mehr. Unfassbar. Bei einem dieser Staublöcher fing der Motor an zu ruckeln. Er zog nicht mehr. Es fuhr sich, wie mit angezogener Handbremse. Meine Vermutung war der Luftfilter. Der MUSS ja jetzt komplett verstopft sein. Dann bekommt der Motor sozusagen keine Luft mehr und ihm geht die Puste aus. Ich quälte mich und den Blauen zum nächstmöglichen Haltepunkt. Was die Sache auch nicht einfacher machte, war der rege Baustellen-LKW-Verkehr. Die stauben dir auch alles ein. Und unter den Bedingungen jetzt noch den Luftfilter wechseln… Na da wünsch ich mir jetzt schon mal viel Spaß. Gott sei dank hatte ich mein „Pistentshirt“ an, das vor Dreck eh schon stand und zu Hause auch in den Müll wandert.
Ich wechselte also den Luftfilter, der alte war vor lauter Dreck echt kaum mehr zu sehen und immer war ich darauf bedacht, vor allem wenn wiedermal so ein LKW angeprescht kam, bloß den Einlass in den Motor bedeckt zu lassen. Da sollte nach Möglichkeit kein Staub rein. So, das wär geschafft. Ich hab jetzt weiße Haare vor lauter Dreck, aber das stört mich nicht weiter.
3 km weiter dasselbe Phänomen. Es waren wieder unzählige Staubpassagen auf dem Weg. Ich hielt wieder an, wieder Luftfilter raus, diesmal wurde er aber nur ausgeklopft. Motor wieder zu, weiter. Es ging wieder. Dann begann endlich die Trasse, die befahren werden darf. Mit 80 Sachen gings nach Koundara.
Dort fuhr ich auf den Zollhof und die schauten nicht schlecht, wie ich daher kam. Als hätt ich mich im Staub gewälzt. Aber so ists nunmal. Dann eine Überraschung. Ich bekam anstandslos, ohne Diskutieren oder irgendwas anderes, mein Geld wieder. Die kompletten 100 000 CFA. Das ganze dauerte keine 10 Minuten. Wow. Damit hab ich nicht gerechnet. Aber gut so. Sonst hätt ich auch hier en Zwergerlaufstand gemacht. Das Laisser-Passez blieb natürlich da und ich fragte noch, ob das nicht zu Problemen führt bei den Kontrollstellen in Sambailo. Nönö, das passt schon. Ganz so richtig war das nicht… denn ich hatte ja jetzt kein Papier mehr fürs Auto. Aber der Vorteil ist der, dass wir hier nicht mehr in Conakry sind, sondern da, wo du mit den Leuten noch reden kannst. So kam es, dass ich in Sambailo eben einige Zeit mit Erklärungen verbrachte, aber letztendlich kam ich doch relativ problemlos da durch. Auch den Ausreisestempel gabs schon dort, das heißt, ich bin jetzt schon komplett ausgereist. Fein.
Dann kam die Grenze. Kurz wieder die Erklärung mit dem Laisser-Passez, der Ausreisestempel wurde gecheckt und ich war fertig. Da lief noch so einer rum, der Diesel verkaufte. Ich fragte, ob er den zum Senegalpreis oder Guineapreis verkaufte. Er sagte, natürlich zum Guineapreis, es sei doch da viel billiger. Und ich müsse unbedingt jetzt noch auftanken, weil im Senegal ist der Sprit ja soooo teuer. Meine Reaktion war Folgende: „Komm mal her Freundchen. Schau dir mal das Kennzeichen an, ich bin mit diesem Auto bereits hier runter gefahren. Durch den Senegal. Ich kenne die Spritpreise im Senegal. Diesel dort: um die 600 CFA. Macht nicht mal ein Euro. In Guinea: 6500 FG, mehr als ein Euro. Wenn du mir den Diesel für 5000 FG verkaufst, wir rechnen das in CFA um, dann nehm ich 20 Liter. Einverstanden?“ Da konnte er nix mehr sagen und war einverstanden. Ich wurde betankt. Im Senegal stellte sich dann heraus, dass ich den Dieselmann abgezogen habe. Sehr guter Deal, den ich da gemacht habe. War sogar billiger als im Senegal. Aber so ist das hier eben. Mal bist du der Depp beim Geldwechseln oder so, dann schaffst du es halt selber auch mal, jemanden abzuziehen. So läuft das hier eben.
Die Piste dann auf Senegal-Seite war sehr angenehm, ich kam mit so 60-70 km/h vorwärts. Ich hatte es schlimmer in Erinnerung. Aber das ist wieder die Sache mit der Sichtweise. Jetzt, nach den Erfahrungen in Guinea… patt problääm. Da wusste ich eben, was ich meinem Blauen Schatz zumuten kann und was nicht.
So kam ich auch schon ganz bald nach Kalifourou, wo die Einreiseformalitäten für den Senegal gemacht werden. Problemlos. Sehr freundlich. Ich hielt mich lange beim Zoll auf, bei einem Schwätzchen, der Zöllner hatte es auch nicht eilig… Das ist Afrika. Ich bin mittlerweile schon ein Teil davon. Und: ich werds vermissen. Da bin ich mir sicher.
Dann war das auch erledigt und ich preschte die sehr gute Piste mit 80-90 Sachen in richtung Tambacounda entlang. Bissel Wellblech, aber bei der Geschwindigkeit fliegst du da förmlich drüber. Dann kam das Asphaltstück, da gings nicht mehr schnell wegen den Löchern. Ich fuhr meist auf dem unbefestigtem Seitenstreifen.
Ich kam noch bis ca 60 km vor Tambacounda, Ziel des Tages erreicht, und es galt, einen Nachtplatz zu finden. Von der Straße zweigte dann auch mal eine vielversprechende Piste nach links ab. Ich landete, weit weg der Straße, zwischen Bäumen. Da konnte ich gut bleiben. Ab und zu kam jemand auf dem Fahrrad vorbei, oder auch zu Fuß, wir grüßten uns und alles war gut. Es war ein schöner Platz. Ich kippte mir noch kurz Wasser über den Körper, wusch die Hose mal durch und kochte. Dann ging die Sonne unter… tolle Stimmung. Der Himmel färbte sich leicht orange, dazu die Bäume… schon wieder sehr savannenartig hier.
Rkm 12 143 / 371 006